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PREUSSEN Wird weiterleben

• aus DER SPIEGEL 42/1966
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Preußen sei heute eine stumme, aber wachsende Macht, verkündet Preußens treuester Herold im post-preußischen Deutschland, Hans-Joachim Schoeps, in seinem neuesten Buch über Preußen: »Preußen«.

Für Preußen, konstatiert dazu Golo Mann, ... beginnt ein neues Interesse Mode zu werden« (siehe Seite 167).

Das Preußen-Buch des Erlanger Professors Schoeps ist dafür nicht das einzige Indiz, die jüngsten Bestseller-Erfolge mit Ernst von Salomons »Schöner Wilhelmine« und den Memoiren der Herzogin Viktoria Luise gar nicht gerechnet. In diesem Herbst werben noch zwei weitere Preußen-Publikationen für das »untergegangene, sehr merkwürdige Staatswesen« (Golo Mann):

- ein »Preußisches Lesebuch«, zusammengestellt von dem preußischbürtigen Schriftsteller ("Preußisches Vermächtnis") Harald von Koenigswald, 60, erschienen im Münchner Biederstein Verlag (312 Seiten; 22 Mark), sowie,

- Deutschland deine Preußen«, ein Buchfeuilleton des aus Magdeburg stammenden Journalisten Dieter Wildt, 36. verlegt bei Hoffmann und Campe in Hamburg (192 Seiten; 16,80 Mark).

Koenigswald hat bezeichnende Texte von Preußen und Nicht-Preußen über Preußen, vom Großen Kurfürsten bis zur Gräfin Dönhoff, nebst eigenen Kommentaren zu einer sehr lesbar-lehrreichen Chronik komponiert.

Wildt plaudert unter anderem über »Preußisch-Bonn« und Preußen in Bonn - seinem entfesselten Feuilletonisten-Blick erscheint schier jeder prominente Bonner preußisch:

- Lübke - »von der preußischen Humorlosigkeit gekennzeichnet«; Adenauer - kein »reiner Preuße«. doch ein »Rheinpreuße«;

- Gerstenmaier - »Musterbeispiel des freiwilligen Preußen«;

- Mende - befolgte zwar nie das preußische Prinzip: Mehr sein als scheinen, dennoch ... Mr. Preußen schlechthin«.

So unvergleichbar die Bücher von Schoeps, Koenigswvald und Wildt auch sind, gemeinsam ist ihnen ein schon vertrauter apologetischer Akzent: Fast 20 Jahre nach der Auflösung Preußens durch ein Alliiertes Kontrollratsgesetz wird am Preußen-Bild immer noch entnazifiziert.

Die Zukunft aber sehen die drei Preußen-Preiser so: Preußen ist eine »Geheimlosung der Wissenden« (Schoeps). »Preußen wird nicht wieder erstehen« (Koenigswiald). »Der Preußengeist wird weiter leben« (Wildt). Zweifellos.

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