Wirkungsvolle Blasphemie - DER SPIEGEL
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KUNST Wirkungsvolle Blasphemie

• aus DER SPIEGEL 33/2000
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Der Möchtegern-Legionär in dem Video wirkt so authentisch, dass er in jedem Kostümfilm übers antike Rom eine Statistenrolle erhalten würde: Auf seiner Rüstung prangt ein Löwe, und sein Helm lappt wie zu Cäsars Zeiten über Stirn und Wangen. Auch die alte Dame, die nach ihm eingeblendet wird, erscheint im Outfit einer Nonne so echt, dass sie in keinem Kloster auffallen würde. Der Soldat ist allerdings, wie seine Kollegen, in Wahrheit ein Schauspieler, der vor dem Kolosseum für Touristen posiert, die Ordensfrau trägt ihre Tracht dagegen auch im wirklichen Leben - wie die übrigen Nonnen, die vom Berliner Künstlerduo Nina Fischer und Maroan el Sani gefilmt wurden. Jedes ihrer Modelle sollte während der Aufnahme an die Zukunft denken - was die Gesichter mal ver-, mal entkrampfen ließ. Diese Videoporträts, die zwischen Realität und Fiktion, Vergangenheit und Zukunft switchen, werden zurzeit in der Erfurter Ursulinenkirche gezeigt. Verantwortlich für die wirkungsvolle Blasphemie ist die Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst, die fünf Erfurter Kirchen mit sieben Installationen belagert (bis 3. Oktober). Der Titel des Projekts, »KlangSchatten«, warnt Kirchgänger auch vor ungewohnter Beschallung: In der Severikirche zum Beispiel hat der Künstler Klaus Illi für seine Arbeit »Atemwege« außer einem Glöckchen und einem Widderhorn auch Gummimembranen installiert, durch die ein Kompressor Luft geräuschvoll ansaugt und ausstößt.

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