Wölfe für den Frieden - DER SPIEGEL
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MELODRAMEN Wölfe für den Frieden

• aus DER SPIEGEL 45/2003
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ist Meister Isegrim wirklich ein Untier? In Sergej Prokofjews Musik-Märchen »Peter und der Wolf« wird der graue Räuber klar zum Schurken gestempelt: Der Wolf frisst die Ente und wandert dafür hinter Zoo-Gitter. Dieses überkommene Weltbild aus Freund und Feind mochte das Russische Nationalorchester nicht auf sich beruhen lassen. Es beauftragte den französischen Komponisten Jean-Pascal Beintus, 37, eine Gegen-Version des Melodrams zu schreiben, in der Peter zwar auch einen Wolf hetzt und fängt, ihn dann aber aus Mitleid, Natur- und Tierliebe wieder freilässt. Als ob so viel Edelmut nicht reichte, hat die holländische Firma PentaTone nun beide Wolfs-Musiken auf einer englischsprachigen SACD mit drei weltberühmten Sprechern herausgebracht: Sophia Loren erzählt Prokofjews Geschichte, der umweltbewusste Text zu Beintus' Klangmalerei wird, so spannend und lebendig es geht, von Bill Clinton vorgetragen, und nach all den versöhnlichen Akkorden erklärt Moderator Michail Gorbatschow in sanftem Bass: »Mensch und Natur können in Harmonie leben.« Wer da nicht zum Gutmenschen wird, sollte wohl gleich beim Psychiater vorsprechen.

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