Wortmächtig - DER SPIEGEL
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Am Rande Wortmächtig

• aus DER SPIEGEL 2/2001
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wem Gott ein Amt gibt, sagt der Volksmund, dem gibt er auch Verstand. Von Macht ist nicht die Rede. Das stimmt nachdenklich. Nehmen wir nur einmal Michael Naumann, unseren ersten, nun wieder abgetretenen Staatsminister für Kultur und Medien. Zu sagen hatte er wenig, gesagt hat er unendlich viel, und das meiste klang auch noch unendlich klug.

Lag die intellektuelle Lalophilie einfach in der Natur dieses Mannes, lag sie am Amt, oder war sie nur beredter Ausdruck seiner Machtlosigkeit? Nun, da der zweite Amtsinhaber wirkt, herrscht mehr Klarheit. Unermüdlich macht der Mann mit dem Teflon-Namen, der in niemandes Gehirn haften bleibt, schon vor dem offiziellen Dienstantritt von sich reden. Julian Nida-Rümelin gackert in Interviews über längst gelegte Eier und freut sich über 60 Millionen Mark zusätzlicher Kulturmittel für die neuen Länder. Und in einem Zeitungsaufsatz macht sich der gelernte Philosoph Gedanken über das Klonen von Embryonen. Der Übergang vom Vorgänger zum Nachfolger hat mühelos geklappt. Kein Wortvakuum, nirgends. Wir sind beruhigt. Das Amt bleibt in seiner Bedeutungslosigkeit unangetastet, der Amtsinhaber tastet sich im Mediendschungel vor: Der Staatsminister hat das Wort. Und sonst nichts? Alles beim Alten.

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