FILM Wunderbar miserabel
Mit seiner Pop-Star-Besetzung schiele er, sagt Adolf Winkelmann, »keineswegs auf die Kinokasse, sondern ich blicke mit beiden Augen geradeaus dahin«. Aber Fans, die Udo Lindenberg singen oder Inga Humpe ("DÖF") im Sauseschritt düsen sehen wollen, werden enttäuscht. Denn »Super« ist besser, als die großen, bunten Vorberichte in der Teeny-Presse vermuten lassen. Ein Doppelaufkleber der Zeitschrift »Bravo« stellt den Film zum Beispiel neben den Tanz-Streifen »Breakdance Sensation ''84«, und selbst der Verleih blufft mit dem Slogan: »''Super'' - mit der Musik von Udo Lindenberg«.
Das ist zwar nicht ganz falsch, aber doch ein (für viele erfreulicher) Etikettenschwindel. Lindenberg hat nämlich, zusammen mit Dave King, bloß eine leidlich unauffällige Filmmusik komponiert und liefert keinen einzigen Song.
Auch Regisseur Winkelmann liefert nicht, was nach »Die Abfahrer« und »Jede Menge Kohle« von ihm zu erwarten war: keine sozialpädagogische Ruhrpott-Komödie, sondern ein ziemlich absurdes Stück Apokalypsen-Kino. Wäre »Super« eine unabhängige amerikanische (und keine WDR-Co-) Produktion von und mit ein paar unbekannten New Yorker Freaks, er hätte als neuer Kultfilm schnell einen Platz in den Programm-Kinos. Etwa im Wechsel mit »Casablanca«.
Von dem stammt auch die Ausgangssituation: Aus Rick''s Cafe wird Inga''s Motel, aber leider ist Lindi kein Bogey, sondern nur »ein wunderbar miserabler Schauspieler« (Winkelmann). Warum er trotzdem mitspielt? Erstens gehört auch sein »Syndikat L« zu den Co-Produzenten und zweitens siehe oben. Glücklicherweise ist jedoch Lindenbergs Rolle des Alex gar nicht so wichtig, wie die Reklame suggeriert.
Alex ist ein Piraten-Funker, der das Einheits-Radio eines utopischen Katastrophen-Staates stört, das nur noch dumpfe Unterhaltungsmusik und Daten über die Umweltverseuchung sendet. Er wird entdeckt, muß fliehen und versucht, das abgeriegelte Land mit Inga Mozzarellas Menschenschmuggel-Organisation zu verlassen. Sammelstelle der Fluchthelfer ist eine abgelegene Tankstelle, wo Tana und Kuballa (Tana Schanzara und Günter Lamprecht) seit Jahren auf Kundschaft warten. Betrieb ist erst, seit Inga (die junge Türkin Renan Demirkan: eine Entdeckung) hier ihr illegales Geschäft betreibt.
Da kommen zum Beispiel Hannelore Hoger und Ulrich Wildgruber als trinkfreudiges Zahnarzt-Ehepaar ("Bier ist zeitlos"), das in die Südsee möchte, aber auch Gottfried John und Hermann Lause als Fahnder-Duo, das den Emigranten-Handel auffliegen lassen will.
Tatsächlich fliegt am Ende alles auf - und zwar in die Luft. Bis zu diesem feurigen Showdown präsentiert Winkelmann Kino, wie man es deutschen Filmemachern schon lange nicht mehr zugetraut hat: satte Bilder und eine verschrobene Story mit streckenweise ausgesprochen _(Inga Humpe und Udo Lindenberg. )
witzigen Dialogen. Dazu eine Profi-Besetzung, die die beiden dilettierenden Pop-Größen fast vergessen macht (über Inga Humpe läßt sich nur sagen, daß sie als Freundin von Alex eben anwesend ist).
Lindenberg: »Wenn ich nun auch nicht schauspielern kann, dann werden wahrscheinlich um so mehr Leute ins Kino gehen, um sich den Udo anzugucken, der so rührend unbeholfen spielt.« Das allerdings ist eine unübertroffene Marketing-Idee. Hartmut Schulze
Inga Humpe und Udo Lindenberg.