Wunderbare Träumer - DER SPIEGEL
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BÜCHER Wunderbare Träumer

Esther Vilar: »Der dressierte Mann. Bertelsmann; 200 Seiten; 14,80 Mark.
• aus DER SPIEGEL 19/1971
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Nein, »Women's Lib« und Dolle Minas, Kate Milletts »Tyrannei des Mannes in unserer Gesellschaft« und Valerie Solanas »Gesellschaft zur Vernichtung der Männer« -- das konnte nicht der Frauen letztes Wort sein.

Esther Vilar, 35, hat den Emanzipations-Spieß umgedreht: Die in Argentinien geborene, jetzt in München ansässige Schriftstellerin ("Mann und Puppe") findet an Männern, »ihrem Geist, ihrer Kraft und ihrer Phantasie«, ausschließlich Wohlgefallen; sie schwärmt von ihren »glatten, von der Arbeit trainierten Körpern, ihren muskulösen Beinen, ihren melodischen Stimmen, ihrem warmen, menschlichen Lachen, ihrem Intelligenten Gesichtsausdruck«,

Frauen dagegen, so diagnostiziert die promovierte Medizinerin, »taugen zu überhaupt nichts«. Sie sind »blöde«, »humorlos«, »gefühlskalt und ohne jedes Mitleid«. Kurzum: »Außer einer Vagina, zwei Brüsten und ein paar Lochkarten mit stereotypen Redensarten« ist »aber auch wirklich nichts« an ihnen.

Dennoch, so enthüllt die Autorin in ihrem buchlangen Feuilleton, Herr im Haus ist die Frau. Sie dressiert den Mann mit heimtückischen Tricks (Kirche, Kinder, Kunst) zum unterwürfigen Sklaven und schickt ihn dann zum Geldverdienen hinaus ins feindliche Leben. »Als Gegenleistung« stellt sie ihm »Ihre Vagina In. bestimmten Intervallen zur Verfügung«.

So schwungvoll bissig, doch nicht ganz ohne Charme, löst Esther Vilar das Uralt-Rätsel um den Mythos Frau und entlarvt ihre Geschlechtsgenossinnen als hartgesottene Ausbeuterinnen, die allein aus ihrer Anatomie gehörig Kapital schlagen ("Überhaupt kann man eine Frau gut mit einer Firma vergleichen").

Und daran wird sich, resigniert Frau Vilar, auch in Zukunft nicht viel ändern. Denn der Mann, »dieser wunderbare Träumer«, Ist offenbar dazu prädestiniert, ein solches »entwürdigendes Leben« zu führen: »Lebenslängliche Freiheit wäre für ihn noch schlimmer als lebenslängliche Sklaverei.«

Das hatte Mann schon lange mal hören wollen.

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