»Wunderbare Vielfalt« - DER SPIEGEL
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KINO »Wunderbare Vielfalt«

Die Regisseurin Gurinder Chadha, 42, über ihren Film »Kick It Like Beckham«, der von einem indischstämmigen Mädchen erzählt, das Fußballprofi werden möchte
• aus DER SPIEGEL 40/2002
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SPIEGEL: Ms Chadha, auf Fußballfilmen liegt bekanntlich ein Fluch - keiner konnte bisher Kritiker und Zuschauer wirklich überzeugen. Und Sie haben ausgerechnet einen über Frauenfußball gedreht. War Ihnen das Risiko klar?

Chadha: Ich kannte die Vorbehalte nicht, bis ich versuchte, die Finanzierung für den Film aufzustellen. Also ist mir ein besonderer Rekord gelungen: Ich habe den ersten Fußballfilm gedreht, der - in Großbritannien - ein Kassenerfolg geworden ist. Allerdings geht es in dem Film auch nicht um Spielzüge. Fußball ist nur die Metapher für einen Lebenstraum, und er bietet eine gute Gelegenheit, dynamische Frauen zu zeigen.

SPIEGEL: Sie sind, wie die Hauptfigur Jess in Ihrem Film, die Tochter indischer Einwanderer. Was bedeutet Ihnen der Erfolg in Großbritannien?

Chadha: Eine Menge. Schon deshalb, weil meine Eltern eine schwere Zeit hatten, als sie in den sechziger Jahren nach England kamen. Mein Vater erhielt keine Stelle in der Bank, weil er einen Turban trug.

SPIEGEL: Anscheinend hat sich seither einiges verändert?

Chadha: Viel sogar. Die Einwandererkinder meiner Generation sind nicht mehr hin- und hergerissen zwischen zwei Kulturen. Wir wissen genau, wann wir welche Sprache sprechen, wann wir welche Kleidung tragen. Daraus entsteht eine wunderbare kulturelle Vielfalt, die wir ja zurzeit im Kino, in der Kunst, der Musik und im Theater bewundern können. Und - das ist das Besondere daran - sie wird vom englischen Publikum sehr geschätzt.

SPIEGEL: Der oft beschworene Kampf der Kulturen existiert gar nicht?

Chadha: Dieser Begriff erfüllt mich mit Grauen. In dem Film findet Jess einen Weg, mit beiden Kulturen umzugehen, weil sie beide respektiert. Der Film soll aber nicht belehren, sondern unterhalten.

SPIEGEL: Für eine Hochzeitsszene haben Sie beinahe Ihre ganze Familie verpflichtet. Gab es da keine Probleme?

Chadha: Nur eines: meine Mutter. Bei Dreharbeiten sollte der Regisseur der Boss am Set sein - also ich. Aber meine Mutter hat mich rumkommandiert und mich mit meinem indischen Kosenamen gerufen. Alle haben sich totgelacht.

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