Krieg der Geschlechter: Post an den Zwiebelfisch - DER SPIEGEL
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Krieg der Geschlechter Post an den Zwiebelfisch

Lieber Zwiebelfisch, und was ist mit "das" Cola und "das" Fanta? Bei uns im Süden sagt man auch "das" Teller, "der" Butter und "die" Huhn. Ist die "Causa Nutella" nur die Spitze des Eisbergs? Herrscht in Deutschland das totale Artikel-Chaos? Lesen Sie hier eine Auswahl der Leserreaktionen zum "Krieg der Geschlechter"
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Lieber Zwiebelfisch, der von Ihnen beschriebene Streit am Frühstückstisch fand in meiner Kindheit beinahe täglich statt, insbesondere dann, wenn wir mit einer eng befreundeten Familie im Urlaub waren. Tief zerstritten waren die Parteien "die Nutella" und "das Nutella". Mein Onkel unternahm den Versuch einer Konfliktlösung, indem er feststellte, es hieße ja "der Nutella-Brotaufstrich" und somit sei eindeutig die maskuline Form "der Nutella" zu verwenden. Dieser sicherlich gut gemeinte Vorstoß wurde selbstverständlich von allen Parteien als unqualifiziert niedergeschrien, die Lager sind bis zum heutigen Tage gespalten.

Lutz Hohaus, Bochum


Lieber Zwiebelfisch, aus der Seele gesprochen haben Sie mir mit diesem Artikel. Als in Österreich lebender Deutscher bin ich mit der Causa Nutella natürlich bestens vertraut. Hier, im Süden des deutschsprachigen Raumes, gibt es noch zahlreiche weitere Eigenheiten bei der Zuweisung von Artikeln.

So sagt man hier "das Cola" und "das Fanta". In Bayern verhält es sich übrigens ähnlich. Wovor sich die Bayern hingegen bisher erfolgreich gewehrt haben, ist sprachlich Fragwürdiges wie "das Monat", "der Radio", "das Teller" oder "der Zwiebel". Bei "der Paprika" bin ich mir selbst nicht sicher, ob es nicht tatsächlich stimmt.

Carsten Thonack, Wien


Lieber Zwiebelfisch, das mit den Artikeln ist so eine Sache - nicht nur bei den Markenartikeln. Bei uns in der Region Offenburg hört man im ländlichen Raum häufig andere Artikel zu Substantiven als im Hochdeutschen üblich. Zum Beispiel die Huhn (anstatt das Huhn, logisches Pendant zum Hahn), das Teller und der Butter. Ein Artikeldebakel droht auch bei Worten wie Apfelschorle (das, die oder der?) oder Cola (das oder die). Viele Grüße vom begeisterten "Zwiebelfisch"-Leser

Michael Frey, Offenburg


Hallo Zwiebelfisch, als interessierter Leser Ihrer Kolumne habe ich noch eine Bemerkung zum "Geschlechterthema". Dabei geht es um "Joghurt".

Als Niederrheiner bin ich gewohnt, dass es "der Joghurt" heißt - kannte ich auch nie anders. Als es mich dann zum Studium nach München verschlug, lernte ich schnell, dass es "das Joghurt" heißt, wenn man in Bayern nicht direkt als Auswärtiger erkannt werden will. Bis dahin hatte ich das ja noch verstanden. Nun hat jedoch meine Frau die Angewohnheit, von "die Joghurt" zu sprechen. Auf Nachfragen kommt dann das Argument "Das sagt man eben so - und wie kommst du überhaupt darauf, dass es 'der' heißen soll?". Da meine Antwort darauf auch "Das sagt man eben so" wäre, kam ich etwas ins Grübeln.

Könnte es sein, dass Joghurt das einzige dreigeschlechtliche Wesen der deutschen Sprache ist?

Thomas Bayen

Antwort vom Zwiebelfisch: Volltreffer! Meine Mutter sagt auch immer "die Joghurt", und ich frage mich bis heute, woher sie das wohl hat. Aber ich habe gelernt, tolerant zu sein. Die vielen Beispiele aus Süddeutschland und Österreich zeigen, dass unsere Sprache gerade hinsichtlich der Artikel sehr variantenreich ist. Das kann manchmal verwirrend sein, für einen Sprachinteressierten ist es aber vor allem faszinierend.


Lieber Zwiebelfisch, meines Wissens wurde der "Golf" nicht nach dem Sport, sondern nach dem Golfstrom benannt, so wie der Passat, der Scirocco, der Vento und der Bora nach Winden benannt wurden. Und da all diese Luft- und Meeresströmungen männlich sind, sind es die Autonamen folglich auch.

Andreas Wilbert, Erlangen

Anmerkung vom Zwiebelfisch: Tatsächlich gibt es die Meinung, der Golf sei nach dem Golfstrom benannt. Dagegen spricht aber, dass niemand nur "Golf" sagt, wenn er den "Golfstrom" meint. Golf allein, ohne Strom, wird entweder als Meeresbucht verstanden - wie beim Golf von Aden, beim Golf von Mexiko und beim berühmten Persischen Golf - oder eben als Sportart. Für den kleinen Bruder vom Golf, den Polo, stand übrigens ebenfalls ein Rasenspiel Pate.


Hallo lieber Zwiebelfisch, und warum heißt es die Honda, die Harley, die Kawasaki und die BMW, die ja alle für das Motorrad stehen? Oder steht dahinter ursprünglich ein anders Wort?

Volker Siebert

Antwort vom Zwiebelfisch: Ich vermute, es steckt die Maschine dahinter. Die alte Bezeichnung Krad für Kraftrad kann es jedenfalls nicht sein.


Als Autoschreiber stoße ich öfter auf ein sehr spezielles Problem: Es gibt Automodelle, die weibliche Namen tragen. Etwa Alfa Romeo Giulia und Giulietta, Chevrolet Corvette oder Lancia Flaminia und Fulvia. Korrekt wäre ja der Alfa, der Chevy, der Lancia. Was ist aber nun richtig, wenn ich die Modellbezeichnung dazu schreibe? Der Alfa Giulia? Klingt albern und falsch. Die Lancia Fulvia? Auch nicht richtig gut.

Vollends kompliziert ist es, wenn die Karosserieform zur Verdeutlichung hinzugefügt wird. Es heißt ja der Spider, das Coupé. Also der Giulia Spider, das Flaminia Coupé? So hätte man im Falle Lancia alle drei Artikel zur Verfügung: der Lancia, die Flaminia, das Flaminia Coupé...

Sie sehen, auch Automobiljournalisten haben es nicht immer leicht. Zum Glück werden alle fraglichen Modelle seit Jahrzehnten nicht mehr gebaut. Und ihre weiblichen Namen tragen sie völlig zu Recht, sie sind zum Niederknien schön (abgesehen von der Corvette...)

Mit besten Grüßen und in fröhrlicher Erwartung Ihrer nächsten Kolumne,

Heinrich Lingner

Antwort vom Zwiebelfisch: Lieber Kollege, ich habe vollstes Verständnis für Ihre diffizile Lage! Dass es durchaus auch weibliche Autonamen gibt, ist mir inzwischen gehörig um die Ohren posaunt worden: Isetta, Corvette und DS sind unbestritten weiblich. Bei Alfa Giulia und Lancia Fulvia hingegen wird überwiegend der männliche Artikel gebraucht. Wenn hinter dem Namen noch eine Spezifizierung wie Coupé oder Cabrio steht, dann bestimmt diese das Geschlecht: der Smart mit Verdeck ist natürlich das Smart Cabrio.