Die Kolumne Kurz, kürzer, Uni Kiel
Anstatt im stillen Studierstüblein den Minnesang oder die Anatomie der Fruchtfliege zu ergründen, müssen sie sich in Seminaren und Vorlesungen mit tumben Studenten herumärgern, die die heiligen Forschungsstätten fluten. Einen Ausweg aus der Misere weist die Universität Kiel: Sie hat gefordert, die Vorlesungszeit zu verkürzen, und zwar auf 14 Wochen pro Semester. Bislang müssen sich die Gelehrten in Schleswig-Holstein nämlich zwei Wochen länger hinter das Katheder klemmen als ihre Kollegen in Bayern oder Baden-Württemberg. Das ist in der
Tat himmelschreiend ungerecht und schadet dem Forschungsstandort, wie das Kieler Rektorat zu Recht bemängelt. Aber warum nicht gleich die lästige Lehre noch stärker einschränken? Nicht auszudenken, welche bahnbrechenden Errungenschaften uns aus Kiel erwarteten, dürften die Professoren dort anstatt das halbe gleich das ganze Jahr lang forschen: Ozeanriesen, Schönwettermaschinen, Nobelpreisträger! Und das wäre erst der Anfang: Bundesweit könnten die Universitäten in einen Exzellenz-Wettbewerb um die kürzeste Lehre treten, nach dem Motto "Drei, zwei, eins - meine Drittmittel". Sollen doch amerikanische Dozenten ihre Zeit damit verplempern, die Vornamen ihrer Kursteilnehmer auswendig zu lernen - bei uns wird gearbeitet! Kürzere Sprechstunden, kürzere Skripte, dafür längere Fruchtfliegenforschung und mehr Minnesang: So kommt Deutschland voran. Nur: Wer bildet dann eigentlich die künftigen Forscher aus?