Berufsstarter Andreas: "Ich bin ernster geworden" - DER SPIEGEL
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Berufsstarter Andreas "Ich bin ernster geworden"

Der Berliner Architekt Andreas, 27, träumt davon, irgendwann sein eigener Boss zu sein. Mit seinen Freunden spricht er über ganz andere Themen als früher, ist nicht mehr so ausgelassen und nach der Arbeit oft zu müde, um noch ein Buch zu lesen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Ich arbeite jetzt seit fast zwei Jahren in einem Architekturbüro und bin froh, dass ich sagen kann: Das ist genau der richtige Job für mich. Aber mein Leben hat sich schon verändert. Während des Studiums konnte ich selbst entscheiden, ob ich bis 12 Uhr schlafe und dafür abends länger arbeite. Oder ob ich früher aufstehe und zwischendrin mit Freunden Kaffee trinke.

Zeitung lese ich nur noch morgens auf dem Weg zur Arbeit. Wenn ich abends gegen 20.30 Uhr oder später nach Hause komme, schalte ich oft den Fernseher ein. Früher habe ich ein Buch gelesen, unter der Woche bin ich dazu jetzt einfach zu müde.

Meine Freunde sagen, ich sei ernster geworden, seit ich arbeite. Ich denke, das stimmt, so ausgelassen und spontan wie früher bin ich nicht mehr. Dafür bin ich organisierter: Meine Wohnung ist aufgeräumt - wenn ich nach Hause komme, will ich mich wohl fühlen. Außerdem treffe ich mich nicht mehr mit Hinz und Kunz, sondern konzentriere mich auf meine engen Freunde. Nicht bewusst, das passiert einfach.

Seltsam, wie sich auch die Gesprächsthemen ändern. Jetzt spricht man mit Freunden über Altersvorsorge, Kinder oder darüber, wer den besten Steuerberater hat. Ich habe eine viel größere Verantwortung als früher - für mich selbst und im Job. Es ist schon beeindruckend, wenn etwas, das ich entworfen habe, gebaut wird. Ich genieße es, eigenverantwortlich zu arbeiten, gleichzeitig habe ich Angst, Fehler zu machen. Das muss ein Anfänger eben lernen.

Irgendwann will ich mir den Traum eines jeden Architekten erfüllen: mich selbstständig machen, mein eigener Boss sein. Jetzt haben mein Team und ich einen Praktikanten - auch das hätte ich mir vor zwei Jahren nie träumen lassen."

Aufgezeichnet von Christine Zerwes

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