Clownschule Ausgebildete Pappnasen
Menschen zum Lachen zu bringen kann harte Arbeit bedeuten. Wer als Clown vor erwartungsvollen Gesichtern steht, muss sein Handwerk beherrschen - sonst wird der Auftritt bestenfalls unfreiwillig komisch. Um das zu verhindern, erlernen jedes Jahr rund 30 Männer und Frauen das Clownhandwerk. In der Schule für Clown, Komik und Theater (TuT) in Hannover erfüllen sie sich ihren ungewöhnlichen Berufswunsch.
Der Weg zum Clowndasein ist nicht immer einfach. "Fast jeder macht in der Ausbildung Krisen durch", sagt Schauspiel- und Clownlehrer Dieter Bartels. Auch in diesem Jahr fiel der Anfang manchen schwer. "Ich hatte viel mit inneren Blockaden zu kämpfen", berichtet Ines. Sie ist seit September dabei und möchte im Anschluss an die Ausbildung in Kliniken vor kranken Kindern auftreten.
Jeden Morgen lässt sie sich mit ihren Klassenkameraden darauf ein, bei Körper- und Improvisationsübungen wie ein Affe durch den Saal zu klettern oder aus dem Stand eine Geschichte zu erfinden. "Meist ist ein Clown eine auf wenige Worte reduzierte Persönlichkeit", sagt Bartels. Deswegen kommt es auf jede Bewegung und jede Geste an.
Die Teilnehmer können sich zwischen einer berufsgeleitenden und einer Vollzeit-Ausbildung entscheiden. Die dauert 18 Monate und kostet insgesamt 7050 Euro, eine Bafög-Förderung ist möglich. Am Ende des Trainings legen die Schüler der Vollzeitklasse des TuT ihre Abschlussprüfung ab. "Von unseren Absolventen arbeiten manche beim Zirkus, andere bei Straßen- und Kindertheatern oder freiberuflich", sagt Bartels. Auf der Internetseite der Schule findet sich eine Jobbörse. Die Schule unterstützt die frisch gebackenen Clowns außerdem mit Kontakten zu Agenturen und Veranstaltern.
Erste eigene Nummer als Gesellenstück
Das Mindestalter liegt bei 18, doch die meisten Teilnehmer sind älter. "Viele haben schon vorher im pädagogischen Bereich gearbeitet", berichtet Bartels. So werden im TuT aus Mathe- und Physiklehrern, aus Elektrikern und Verwaltungsbeamten Clowns mit roten Nasen. Seit 1996 ist die Ausbildung in Hannover staatlich anerkannt. Neben dem Tut gibt es hierzulande nur noch in Mainz eine Clownschule.
"Die Schüler suchen eine Möglichkeit, ihr Herz mit dem Berufsleben zu verbinden", beschreibt Bartels die Motivation der Teilnehmer. "Vorerfahrungen sind nicht unbedingt nötig", sagt Bartels. Wichtiger seien Humor sowie die Fähigkeit, künstlerisch zu denken und gut in der Gruppe zu arbeiten.
Wenn die Auszubildenden die Grundlagen ihres Handwerks erlernt haben, geht es darum, eine unverwechselbare, individuelle Clownfigur zu schaffen und mit ihr die erste eigene Nummer zu entwickeln. "Im Zentrum der Abschlussprüfung steht das 'Gesellenstück' - die erste eigene Nummer, die vor zahlendem Publikum aufgeführt wird", sagt Bartels. Jetzt entscheidet sich, ob das Publikum von Herzen über den Clown lacht oder ihn nur mitleidig belächelt.
Von Judith Csaba, ddp