Gehaltsreport Was Berufseinsteiger verdienen
"Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort", erzählt Juliane Borm. Nach Abschluss ihres Germanistikstudiums hat sie zunächst ein Praktikum in der Online-Redaktion des Recruiting-Dienstleisters Hobsons absolviert. Es wurde schnell zum Sprungbrett ins Berufsleben: "Eine Kollegin ist schwanger geworden, das war mein Glück. So konnte ich als Schwangerschaftsvertretung einsteigen", erzählt die 26-Jährige.
Ein Praktikum, da ist sie sicher, sei eben auch die Chance zu zeigen, was man drauf hat. "Mir hat die Arbeit von Anfang an viel Spaß gemacht, so war das nicht schwer." Mit ihrem Einstiegsgehalt ist Juliane Borm zufrieden, es gibt sogar ein 13. Monatsgehalt.
Doch der flexibelste und verhandlungsstärkste Germanistikstudent wird kaum so viel rausholen können wie ein Einsteiger aus den klassisch wirtschaftsnahen Disziplinen. Als Ingenieur oder Naturwissenschaftler gehört man zur in Unternehmen gefragten Spezies - und hat meist eine bessere Verhandlungsposition, wenn es um das Gehalt geht.
Wer beispielsweise Sprach- und Kulturwissenschaften studiert hat, steigt nach einer Auswertung der Hamburger Vergütungsberatung PersonalMarkt mit rund 30.000 Euro jährlich ein. Gesellschafts- und Sozialwissenschaftler verdienen am Anfang ihrer Karriere rund 31.200 Euro im Jahr.
Gehälter werden zunehmend frei verhandelt
Absolventen ingenieurwissenschaftlicher Fächer dagegen starten bereits mit 38.400 Euro jährlich ins Berufsleben, Mathematiker mit knapp 39.000 Euro. Spitzenverdiener bei den Berufseinsteigern sind die Absolventen naturwissenschaftlicher Studiengänge: Sie kommen auf knapp 40.000 Euro im Jahr (alle Angaben in Brutto-Gehältern).
Immer mehr Absolventen drängen mit Bachelor- und Masterabschlüssen auf den Arbeitsmarkt. Der Master bringt rund 39.000 Euro im Jahr. Mit einem Bachelor in der Tasche kommen Absolventen im ersten Job auf rund 33.800 Euro jährlich.
Zum Vergleich: Ein Abschluss einer Fachhochschule ist 36.000 Euro wert, das Uni-Diplom rund 38.400 Euro. Und eine Promotion kostet zwar reichlich Lebenszeit und Nerven, bringt aber ein deutlich höheres Einstiegsgehalt: Wer promoviert hat, startet mit knapp 46.000 Euro ins Berufsleben.
"Ich kenne mich da bis heute nicht aus", gesteht Sven Zastrau auf die Frage, wie er sich denn auf die Gehaltsverhandlung vorbereitet habe. Kein Wunder, der Absolvent des Studiengangs Umwelttechnik hatte weder ein Vorstellungsgespräch noch eine Gehaltsverhandlung. Einen Job bekam er trotzdem: Die außeruniversitäre Forschungseinrichtung, bei der er seine Diplomarbeit geschrieben hat, wollte ihn gern übernehmen - wenn auch zunächst nur befristet.
"Das Entscheidende", so der 27-Jährige, "war wohl die Spezialisierung auf den Bereich Erneuerbare Energien." Zastrau sagte zu. Der letzte Studientag war gleichzeitig sein erster Arbeitstag als technischer Angestellter. Seine Bezahlung erfolgt nach Tarif für den öffentlichen Dienst.
Eine tarifliche Bezahlung macht es einfach. Gehälter werden jedoch zunehmend frei verhandelt. Neben den Qualifikationen eines Bewerbers bemisst sich die Bezahlung für eine bestimmte Tätigkeit auch nach Kriterien wie Angebot und Nachfrage, Branche oder Firmengröße.
Mit den höchsten Gehältern lockt meist die Industrie. Besonders dort, wo es den Unternehmen gut geht, lässt sich besser übers Gehalt verhandeln. Zu den Topbranchen für Einsteiger gehören die Bank- und Kreditwirtschaft, die Halbleiterindustrie, die Luftfahrt, die Autoindustrie sowie die Pharmaindustrie.
Es gibt aber auch Branchen, in denen erfahrungsgemäß niedrigere Gehälter gezahlt werden. Dazu zählt die Werbewirtschaft, der Bereich Touristik und Freizeit, Bildungsinstitutionen, die Öffentliche Verwaltung und Behörden sowie die Gesundheitswirtschaft. Auch in vermeintlichen Traumberufen müssen Berufseinsteiger häufig Abstriche beim Gehalt hinnehmen. So kommen beispielsweise Grafikdesigner auf gerade einmal 27.000 Euro jährlich.
Ein weiterer Faktor, der das Gehalt stark beeinflusst, ist die Unternehmensgröße: Unternehmen mit mehr Mitarbeitern und einer gewinnträchtigen Bilanz zahlen ihren Neueinsteigern in der Regel mehr als kleine Firmen. Das hängt auch damit zusammen, dass die kleineren Firmen seltener tarifgebunden sind und ihre Einstiegsgehälter leichter an den Markt anpassen können.
Richtig pokern bei den Gehaltsverhandlungen
Wer bei einem kleineren Unternehmen mit bis zu 100 Mitarbeitern einsteigt, verdient rund 32.500 Euro. In mittleren Unternehmen mit 101 bis zu 1000 Mitarbeiter liegt das Niveau der Einstiegsgehälter bei rund 37.000 Euro, bei großen Firmen mit über 1000 Mitarbeitern bei 40.000 Euro und mehr.
"Und, was wollen Sie bei uns verdienen?" lautet eine Standardfrage im Bewerbungsgespräch. Selbst die versiertesten Hochschulabsolventen kommen bei dieser Frage ins Schwitzen. Kein Wunder, denn von der richtigen Antwort hängt einiges ab: Wer zu wenig fordert, signalisiert mangelndes Selbstbewusstsein, wird von den Unternehmen als unerfahren oder schlecht informiert eingeschätzt. Wer dagegen zu viel verlangt, kann seine Karriere ebenfalls schnell verspielen.
Tatsächlich aber ist nichts schwerer als den Wert der eigenen Arbeitskraft zu bestimmen. Dennoch erwarten Personalverantwortliche vom akademischen Nachwuchs nicht nur, dass sie ihre Qualifikationen und Leistungen gut verkaufen, sondern auch, dass sie die Frage nach dem Gehalt professionell beantworten können.
Von Heike Friedrichsen, PersonalMarkt