Hochstapler: Schwindel-Jurist mit steiler Karriere - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Hochstapler Schwindel-Jurist mit steiler Karriere

Er konnte Akten bearbeiten und präsentierte ein Jura-Prädikatsexamen. Doch die Unterlagen, mit denen sich der 30-Jährige an der Hamburger Uni bewarb, waren Fälschungen. Dabei hatte der Möchtegern-Jurist sich schon ins Referendariat gemogelt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es ging steil nach oben für den 30-Jährigen: Im Examenszeugnis prangte die Traumnote "gut", die nur etwa 3,5 Prozent der Juristen erreichen. Im Landgerichtsbezirk Itzehoe freute man sich über den angeblichen Top-Juristen. Dort hatte sich der vermeintliche Jurastudent im Frühjahr für ein Referendariat beworben - erfolgreich. Das Examenszeugnis kam aus Mecklenburg-Vorpommern und war gefälscht, doch niemand schöpfte Verdacht.

Also konnte der Mann sein Referendariat absolvieren und legte so den Grundstein zur seiner "Juristen-Karriere". Die Ausbildungsstationen bei der Staatsanwaltschaft Itzehoe und beim Amtsgericht Pinneberg passierte er "problemlos", so Ulrike Stahlmann-Liebelt, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Flensburg.

Erst als der vermeintliche Jurist übermütig wurde und sich mit neuen gefälschten Zeugnissen bei der Universität Hamburg als Korrekturassistent bewarb, flog der Schwindel auf. Denn sein neues Examenszeugnis mit der Note "voll befriedigend" stammte angeblich aus Hamburg. An der Universität war er jedoch gänzlich unbekannt.

Im Justizprüfungsamt erinnerte man sich schließlich, denn der 30-Jährige hatte sich bereits früher um ein Referendariat beworben. Die Beamten gingen der Sache nach. Noch immer ist unklar, ob der Mann überhaupt studiert hat. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Flensburg gegen den falschen Juristen.