Joblexikon "Alkohol"
Alkohol hat im Berufsleben nichts zu suchen, und das mit gutem Grund: Wer (zu viel) trinkt, der redet zu viel und arbeitet zu schlecht. Gleichzeitig gibt es unendlich viele Ausnahmen von dieser Regel, vom gepflegten Glas Wein zum Geschäftsessen über die Bierchen auf dem Betriebsausflug bis zu den Drinks an der Bar nach einer Sitzung. Wer grundsätzlich nie trinkt, wird da schnell schief angesehen, die Urteile gehen von "Langweiler" bis "Aha, Ex-Alki". Wer hingegen regelmäßig seine Trinkfestigkeit zur Schau stellt, bekommt irgendwann ein Problem mit seinem Image, denn es gibt immer Anwesende, die jedes Glas mitzählen und sich ihre Meinung darüber bilden. Oder schlimmer: ihre Beobachtungen in der Abteilung Klatsch & Tratsch ganz gezielt auch anderen anvertrauen.
Also ist zurückhaltendes Mittelmaß angesagt. Um das zu schaffen, sollten Sie sich ein bisschen auskennen. Was die Arten von Alkohol betrifft. Denn die sind oft Gesprächsgegenstand. Und was die Wirkung von Alkohol auf Sie betrifft - damit Sie nicht selbst zum Gesprächsgegenstand werden.
Regeln. Je nach Anlass und Ort gibt es für den Umgang mit Alkohol ganz verschiedene Regeln:
Alkohol am Arbeitsplatz ist normalerweise tabu, wenn nicht offiziell verboten. Bei einigen Anlässen (Geburtstag, Einstand, Jubiläum) wird aber dann doch eine Ausnahme gemacht, und ein Stündchen lang darf getrunken werden, bei Betriebsfeiern sogar ganze Abende lang. Und das kann heikel werden. Nicht nur, weil gerne Kopfschmerz-Qualität serviert wird ("Château Migraine"), sondern auch, weil es spätestens nach dem vierten Glas erfahrungsgemäß zu weinseligen Verbrüderungen und Flirtversuchen kommt, die man am nächsten Tag bitter bereut, aber nicht mehr rückgängig machen kann.
Alkohol bei Veranstaltungen wie Empfängen und Partys gehört dazu, also dürfen Sie auch einen Schluck trinken. Das machen andere auch, und es gibt sogar garantiert immer mindestens einen, der am Ende im Vollrausch ist. Sich genau anzuschauen, wie solche Leute dann wirken - und wie andere darauf reagieren - das hat abschreckende Wirkung und bewahrt zuverlässig vor dem entscheidenden Glas zu viel.
Alkohol bei Geschäftsessen wird vom Gastgeber häufig angeboten. Wenn allerdings niemand außer Ihnen Wein bestellen möchte, sollten Sie sich das auch noch mal überlegen, wegen der Wirkung (wer nicht trinkt, spürt beim anderen im Gespräch selbst die Wirkung eines einzigen Glases Wein) und vor allem wegen der möglichen Folgen für Ihr Image. Wenn Sie Wein trinken, bestellen Sie am besten immer eine große Flasche Wasser dazu (und trinken Sie sie auch).
Trinkrituale sind im Wesentlichen unter Männern verbreitet. Beliebt sind Treffen an der Bar nach Sitzungen oder Tagungen, bei denen gerne reichlich getrunken wird. Das dient dem Austausch von Informationen, der Pflege von Netzwerken und Kontakten, dem gemütlichen Besuch in der Abteilung Klatsch & Tratsch - alles Dinge, die mit alkoholgelöster Zunge leichter fallen. Wer an solchen Trinkritualen teilnehmen will oder muss, handelt sehr klug, wenn er unauffällig auf die eine oder andere Runde verzichtet. Und sich, ganz nebenbei bemerkt, auch ein paar Gedanken darüber macht, wer denn eigentlich hinterher die Rechnung zahlt.
Angetrunken und betrunken sein fällt grundsätzlich unangenehm auf. Bei einem Mann gilt das mit ganz viel Glück noch als "männlich" - aber eine betrunkene Frau ist meistens sofort unten durch. Wenn Sie also merken, dass Sie zu viel getrunken haben, versuchen Sie es nicht lange mit Kaffee und Wasser, sondern verlassen Sie die Veranstaltung, bevor die anderen Sie nach Hause schicken.
Ein Kater existiert im Berufsleben offiziell nicht. Egal ob Sie privat oder beruflich zu viel geschluckt haben - die Folgen müssen Sie ohne einen Ton der Klage ertragen, und das bei voller Arbeitsleistung. Mitarbeiter und Chefs, die stattdessen gegen elf ins Büro kommen, ausführlich von Saufgelagen und durchgemachten Nächten erzählen und dann wegen Kopfschmerzen den Rest des Tages krankfeiern, verlieren schneller an Ansehen, als sie trinken können.
Auszüge aus dem Buch von Susanne Reinker:
Eintrag "Duzen": "Sie Trottel!"
Eintrag "Praktikum": Für nichts zu schade
Eintrag "Sekretärinnen": Das Ohr des Chefs
Interview mit Susanne Reinker