Junge Geologen: Hurra, das Öl wird knapp - DER SPIEGEL
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Junge Geologen Hurra, das Öl wird knapp

Dass viele Erdölquellen zu versiegen drohen, hat für Geologiestudenten Vorteile. Neue Jobs sind in der Pipeline: Die Ölmultis setzen auf Forschung, um noch die letzten Tropfen aus dem Boden zu holen. Und dafür brauchen sie gewiefte Geologen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Erdöl geht uns langsam aus - und die Geologiestudenten jubeln. Das ist ein bisschen überspitzt, hat aber einen wahren Kern. Denn weil viele der großen Erdölquellen im Mittleren Osten nicht mehr sprudeln, suchen die Erdöl-Multis verstärkt nach Experten, die ihnen helfen, auch den letzten Tropfen Erdöl einer Quelle in die Pipeline zu bringen.

Die Universität Tübingen ist eine von vier Universitäten in Deutschland, die sich auf diesen Trend eingestellt hat. In der Erdölforschung werden die Studenten auf einen boomenden Arbeitsmarkt vorbereitet. Professor Thomas Aigner, sein Doktorand Dennis Palermo und zwei Diplomanden stehen in einem Steinbruch in der Nähe von Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg. "Man sieht hier diese Schichten, die mal einen Dezimeter, mal mehrere Dezimeter, mal einen Meter dick sind und kompakte Pakete machen", beschreibt Dennis den Blick die etwa zehn Meter hohe Wand hinauf, "das sieht aus wie übereinander gestapelte Pfannkuchen, in die wir uns einfach reingegraben haben."

Unter diesen Pfannkuchenschichten befinden sich auch die Schichten, die die Tübinger Forscher interessieren: Gesteinsschichten mit unzähligen Löchern, wie ein riesiger Schwamm. Meist sind diese Löcher so klein, dass man sie nur mit der Lupe erkennen kann.

Forschung im Schwaben- statt im Morgenland

In genau solchen Schichten lagert in Saudi Arabien, Kuwait oder im Oman Erdöl. Nur dass die Schichten dort tiefer liegen, erklärt Thomas Aigner: "Bei uns war die geologische Geschichte so, dass das Gebiet sich nicht abgesenkt, sondern herausgehoben hat. Deshalb sind die Steine ja bei uns an der Erdoberfläche - und dadurch sind sie nur luft- oder wassergefüllt", erklärt der Professor. "In Saudi-Arabien fungieren sie dadurch, dass sie tief versenkt worden sind in den Untergrund hinein, als Erdöllagerstätte."

In Saudi-Arabien liegen die Erdöl führenden Schichten etwa drei Kilometer tief im Boden. Jede Probebohrung kostet Zehntausende von Euro. In vielen baden-württembergischen Steinbrüchen liegen die Schichten dagegen auf dem Präsentierteller. Deshalb wollen die Ölfirmen sie dort erforschen und nicht in Saudi-Arabien. Die Ergebnisse sollen dann übertragen werden.

Für die Uni sind solche Forschungsprojekte eine tolle Chance, sich zu profilieren. Außerdem fließt Geld; die Doktorandenstelle von Dennis Palermo wird zum Beispiel vom Energie-Konzern AGIP finanziert. Aber auch die Studenten profitieren von dem neuen Forschungsgebiet: Wer sein Handwerkszeug beherrscht, hat später gute Chancen auf einen Job in der Erdölbranche, da ist sich Thomas Aigner sicher. "Im Erdölsektor ist es im Augenblick ein absoluter Boom. Wer flexibel ist, wer gut ist und wirklich auch etwas mitbringt an Kenntnis, der hat sofort einen Job."

Mineralölfirmen wollen die Ausbeute steigern

Allein der Shell-Konzern wolle in diesem Jahr 250 Geologen einstellen - und das werde in den kommenden Jahren auch so weiter gehen, glaubt Aigner, der selbst mehrere Jahre für den Ölmulti gearbeitet hat. Aber sind geologische Befunde tatsächlich die Rettung für die Erdöl produzierenden Firmen, denen ihr Rohstoff auszugehen droht? "Die Firmen glauben, dass durch das bessere Verständnis der Struktur einer Lagerstätte im Untergrund die Produktion wieder angekurbelt und vor allem die Ausbeuterate erhöht werden kann", sagt Aigner. "Bisher kriegt man meistens nur 20 bis 30 Prozent des Erdöls aus dem Boden raus, der Rest bleibt unten. Und das ist eigentlich schade."

Auch der Wissenschaftler ist davon überzeugt, dass man die Ausbeute durch gezielte Forschung erhöhen kann. Er selbst hat früher in der Forschungsabteilung von Shell Bohrproben analysiert und anhand verschiedenster Daten am Computer simuliert, wie eine unterirdische Erdöllagerstätte aussehen könnte.

Jetzt gibt er sein Wissen an die Studenten weiter. Von ihnen können sich einige durchaus vorstellen, nach dem Diplom in die Erdölbranche zu gehen - weil sie die Stellen für besonders interessant halten und sich die besten Perspektiven ausrechnen. Ein Großteil der Doktoranden, die in den vergangenen Jahren an Aigners Lehrstuhl promovierten, hat in der Erdölbranche einen Job gefunden.

Doktorand Dennis Palermo hat sich aber noch nicht festgelegt. Während eines Praktikums bei Shell hat er gesehen, dass einem der Job auch viel abverlangt. Er sieht riesige Vorteile - "dass man in die Welt kommt, viel sieht, einen super qualifizierten Job hat, der viel Spaß macht und den man eigentlich sonst nirgendwo kriegt". Aber es gibt auch die Schattenseite: "Man muss viel aufgeben, ins Ausland gehen und dort hin und her wandern." Wer zum Beispiel eine Beziehung hat, wird sich das zweimal überlegen. Aber der Reiz eines abwechslungsreichen und interessanten Jobs ist ein starkes Argument.

Von Ulrike Mix, "Campus & Karriere" / Deutschlandfunk 

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