Junge Informatiker: Bitte einmal Weltkonzern - DER SPIEGEL
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Junge Informatiker Bitte einmal Weltkonzern

Groß, größer, am größten: Für Informatik-Absolventen auf Job-Suche sind Weltkonzerne die erste Anlaufstelle. Der schwächelnde Arbeitsmarkt hat die Lust auf Start-Up-Abenteuer verdorben, Großunternehmen versprechen mehr Sicherheit. Und auch die Karriere darf sich Zeit lassen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es ist ein bisschen wie bei kleinen Jungen, die Fußballer werden wollen. Alle wollen zu Bayern München, Borussia Dortmund oder gleich zu Real Madrid. Und wenn aus kleinen Jungen fertige Informatiker geworden sind, dann wollen sie zu Siemens, IBM, oder SAP - die üblichen Verdächtigen, wie eine aktuelle Umfrage zeigt.

Fast die Hälfte der über 5000 befragten Studenten würde gerne bei einem der drei IT-Riesen arbeiten. Die wirtschaftliche Flaute lässt eine Anstellung bei kleinen Betrieben oder gar Start-up-Unternehmen als riskant erscheinen. Wo 1999 noch das große Abenteuer lockte, bewerben sich die Studenten heute lieber bei alten Bekannten. Großkonzerne erscheinen als sicherer Arbeitsplatz, den Kündigungswellen der letzten Monate zum Trotz.

Zu dieser Schlussfolgerungen kommt die Studie "Absolventenbarometer 2003" des Berliner Trendence-Instituts. Seit fünf Jahren befragt man dort Informatiker, aber auch Wirtschafts-Wissenschaftler und Ingenieure kurz vor dem Ende ihres Studiums. Ziel der Untersuchung ist es, die Prioritäten von Hochschulabsolventen kennen zu lernen, um einen Einblick in ihre Zukunftsvorstellungen, Lebens- und Berufspläne zu bekommen.

Über die Hälfte der zukünftigen Informatiker gab an, dass die gegenwärtig schlechte Wirtschaftslage die eigene Einstellung zu Beruf und Karriere beeinflusst. Der Großteil, über 70 Prozent, blickt seiner beruflichen Karriere dennoch zuversichtlich entgegen - obwohl nicht einmal die Hälfte mit einem baldigen wirtschaftlichen Aufschwung rechnet.

Sechs von zehn Befragten würden lieber ihr Studium verlängern als sich für das falsche Unternehmen zu entscheiden. Langfristigkeit und Sicherheit sind wichtiger geworden als schneller beruflicher Aufstieg. Die Kollegialität im Unternehmen und die Attraktivität der Arbeitsaufgaben kümmert die Studenten mehr als das Einstiegsgehalt. Das langfristige Verdienstpotenzial ist wichtiger als ein hohes Einstiegsgehalt.

Auf die unangenehmen Seiten des Traumjobs haben sich die Studenten bereits eingestellt: Im Durchschnitt rechnen sie mit einer Wochenarbeitszeit von 43 Stunden. Dafür erwarten sie ein Jahresgehalt von 42.600 Euro. Die Männer stellen sich durchschnittlich auf knapp zwei Wochenstunden mehr Arbeit ein als die Frauen, dafür haben sie aber auch höhere Erwartungen an ihren Lohnzettel.

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