Kündigung Rauswurf - was nun?
"Raus, raus, raus!" Drei gebrüllte Worte seiner Chefin beendeten die Karriere von Michael Martens in einer Lübecker Werbeagentur. Gekündigt, nachdem er zweieinhalb Jahre alles gegeben hatte für das Unternehmen. Für den Werbetexter brach eine Welt zusammen. "Es war mir einfach peinlich. Ich fühlte mich ungerecht behandelt, und dazu kam dann noch die persönliche Schmach: Meiner Frau musste ich davon erzählen, der Familie, den Freunden. Ich fühlte mich wie weggeworfen."
Trotzdem behielt der 32-Jährige einen klaren Kopf - das Beste in einer solchen beruflichen Krisensituation, wie Anwalt Kai-Uwe Wasner weiß: "Wer die Kündigung bekommt, muss erst einmal die rechtliche Situation prüfen: War die Kündigung rechtens, das heißt: Gab es einen Kündigungsgrund? Ist die Kündigung fristgerecht erfolgt? Und als Letztes muss dann die Frage geklärt werden: Wie geht's jetzt weiter? Arbeite ich noch weiter im Unternehmen oder werde ich freigestellt? Habe ich Anspruch auf ein vernünftiges Zeugnis?" Außerdem muss die finanzielle Situation geklärt werden: "Gibt es eine Abfindung und wie hoch ist sie?"
Chance für einen Neuanfang
Wer die Kündigung hat checken lassen und sich juristisch nicht wehren will, der muss auch menschlich mit der beruflichen Schlappe zurechtkommen. Arbeitspsychologe Hannes Lennert rät Betroffenen, sofort aktiv zu werden. "Man kann eine Kündigung auch als Chance sehen. Als Chance, einen neuen beruflichen Anfang zu starten und vielleicht das zu machen, was man schon immer mal beruflich ausprobieren wollte."
Die Kündigung kann auch Anlass sein, über sich nachzudenken - und über die Gründe der Kündigung. "In einigen Punkten hatte meine Chefin damals sogar Recht", räumt Michael Martens heute zwei Jahre nach dem Rausschmiss ein. "Ich war teilweise wirklich sehr schwer ins Team zu integrieren und habe dadurch viel blockiert!"
Viele Betroffenen lassen sich wie Michael Martens die Gründe noch einmal durch den Kopf gehen und arbeiten an sich und ihren Schwächen. "Heute bin ich ein echter Team Player und habe mich durch die Kündigung wirklich weiterentwickelt, auch wenn ich mir wünschte, ich hätte damals noch eine zweite Chance bekommen."
"Ich hab mich hinreißen lassen
Die vermiesen sich allerdings viele, die ihre Kündigung für ungerecht halten - so wie Petra Vanitschka aus Schwerin. "Die Gründe waren an den Haaren herbeigezogen, dachte ich damals und hab' mich hinreißen lassen." Die damalige Assistentin der Geschäftsführung vernichtete Unterlagen und brachte das Unternehmen in ernste Probleme.
Die Folge für sie: Sie wurde fristlos gekündigt, bekam eine Anzeige und verspielte ihre Abfindung. "Wer emotional auf eine Kündigung reagiert, muss sich im Griff haben und sollte erst einmal einige Tage zu Hause bleiben. Ansonsten riskiert man nicht nur juristische Konsequenzen und finanzielle Nachteile, sondern auch seine weitere Karriere!", rät Anwalt Wasner.
Fairer Abschied
Wer die letzten Wochen und Monate noch im Unternehmen über die Bühne kriegen möchte, muss nicht selten einiges ertragen: Abgeschoben aufs berufliche Abstellgleis, läuft das Geschehen im Unternehmen meistens an den Gekündigten vorbei. Und das ist noch nicht einmal das Schlimmste: "Nachdem klar war, dass ich gehe, habe ich so viele dusselige und hämische Kommentare gehört, dass ich teilweise heulen wollte."
Aber die 37-jährige Iris Bendfeldt aus Kiel ließ sich nicht provozieren. "Es war schwer, aber ich war nett zu allen und habe die Zeit genutzt, alte Kontakte zu pflegen, mich von meinen Kunden zu verabschieden und habe tatsächlich nach kurzer Zeit schon ein neues Angebot erhalten. Ein Kunde hatte mich empfohlen, weil er meine Haltung und meine Einstellung so klasse fand! Hat sich also gelohnt, fair zu bleiben!"
Von Oliver Mest, Jobpilot.de