Magister Proper Das gewisse "Ssst"
Nach wie vielen Wischbewegungen muss ein Schrubber einen Ketchup-Fleck aufgelöst haben? Welches Geräusch sollte Klebefilm von sich geben, wenn er abgerollt wird? Und mit welchen Zutaten mischt man ein wohlschmeckendes Amaretto-Eis?
In den Antworten auf solche eher unakademischen Fragen steckt das Wissen zahlreicher Werkstudenten, Diplomanden oder Berufseinsteiger. Sie arbeiten daran, Produkte, die wir jeden Tag benutzen, besser zu machen - eine Zahnbürste etwa oder einen Geldschein. Bevor ein solcher Gegenstand in den Gebrauch kommt, ist meist monatelange Tüftel- und Testarbeit im Labor und am Computer nötig. Fünf Helden des Alltags - heute:
Frank Virus, der Hinhörer
Wenn Frank Virus einen Klebefilm anfasst, zieht er gern gleich mehrere Meter am Stück heraus und spitzt dabei die Ohren: Macht die Folie beim Abrollen ein schrilles Geräusch, oder lässt sie sich mit einem angenehm weichen "Ssst" lösen? Hört man fast nichts, muss das Tape von seinem Arbeitgeber produziert sein, da spricht Virus ganz für die Firma.
"Anders als die Produkte aus China ist der echte Tesa-Film besonders leise", versichert der junge Forscher. Der Berufsanfänger bei der Firma Tesa in Hamburg ist von dem unüberhörbaren Qualitätsunterschied der durchsichtigen Klebestreifen so überzeugt, dass man ihm fast raten möchte, bei "Wetten, dass ...?" aufzutreten.
Der 33-jährige Verfahrenstechniker beschäftigt sich in seinem Job tagein, tagaus mit den unscheinbaren Bändern, die viele Deutsche auch dann als Tesa bezeichnen, wenn sie von einem anderen Hersteller stammen. Rund 180.000 Kilometer des Originals, so weiß er zu berichten, verbrauchen die Bundesbürger pro Jahr.
Der Herr der Folien
Nicht nur Geschenkpäckchen oder Bastelarbeiten, sondern sogar Autos, Laptops, Digitalkameras und zahlreiche andere Geräte würden sich in Einzelteile auflösen, gäbe es inzwischen nicht über 7000 unterschiedliche Tapes.
Frank Virus, der Verfahrenstechnik an der HAW Hamburg studiert hat, forscht an Folien, die zum Beispiel in Handys zur Befestigung des Displays verwendet werden. Sein Interesse am Kleben erwachte, als er im vergangenen Jahr ein Praktikum in der Forschung des Unternehmens absolvierte. Anschließend durfte er auch seine Diplomarbeit über Klebstoffe bei dem Hersteller schreiben. Nach Abgabe der Arbeit im Frühjahr wurde ihm eine feste Stelle bei Tesa angeboten.
Die Maschinen kleben und zerreißen
Seitdem ist er in einem Labor der Herr der Folien. An seinem Arbeitsplatz sind alle Sorten zu finden: braunes Paketband, Doppelklebeband, Kreppband und natürlich die zahlreichen Produkte der Konkurrenz.
Mitten im Raum steht der Extruder. So heißt die Maschine, mit der Virus Klebebänder herstellt, um sie anschließend wieder mit einer anderen Maschine zu zerreißen.
Wie ein Koch probiert der Jungforscher immer wieder neue Rezepturen aus: In unterschiedliche Trichter kippt er verschiedene, winzige Granulate, die geschmolzen werden und am anderen Ende des Geräts als zwölf Zentimeter breite Folie herauskommen.
Aus den Rezepturen macht er ein großes Geheimnis. Nur so viel verrät er: "Normalerweise besteht ein Klebeband aus drei Schichten: Klebmasse, Folie und Lack. Ich versuche, eine Folie zu entwickeln, die ohne Lack auskommt und trotzdem reißfest ist."
Am Montag:
Barbara Pastuszka, Mopp-Testerin
Am Mittwoch:
Kevin Krieg, Herr der Zahnbürsten