MBA-Ausbildung Meister aller Klassen
Managern werden bisweilen überirdisch anmutende Fähigkeiten zugeschrieben. Im Alleingang, so scheint es, entwickeln sie innovative Produkte, fusionieren mutig über Kontinente hinweg oder retten Unternehmen vor der Pleite. Angesichts solcher Leistungen stellt sich so mancher die Frage: Wie machen die das bloß?
Die Erklärung ist oft recht einfach: Sie haben ihren Job gelernt. In der Praxis, natürlich. Und auf der Schulbank. Als Ausbildungsstätten dienen häufig jene internationalen Business Schools, die ihre Absolventen mit dem magischen Dreibuchstabenkürzel MBA ausstatten.
Der Master of Business Administration ist eine in den USA entstandene akademische Ausbildung, die auf einem Fachstudium aufbaut. Im Fokus steht die Vermittlung übergreifender Managementmethoden und -werkzeuge.
Salopp gesagt, ist ein MBA ein Crashkurs in Betriebs- und Volkswirtschaftslehre. In den ein bis zwei Jahre dauernden Programmen ackern sich die Studenten durch eine Fülle von Fallbeispielen, die sie auf die Anforderungen im Topmanagement vorbereiten sollen.
Zu Recht? Öffnet das MBA-Diplom auch heute noch automatisch die Türen nach oben? Beschert das teure Gütesiegel den stolzen Besitzern wirklich sagenhafte Gehaltssprünge? Oder ist die Kritik jener ernst zu nehmen, die behaupten, die Bedeutung der MBA-Programme würde überschätzt?
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Tatsache ist: Selbst MBAler müssen in der augenblicklich angespannten wirtschaftlichen Situation mit Arbeitslosigkeit rechnen. Selbst unter den Absolventen der US-Topschulen findet jeder fünfte erst einmal keine Anstellung. Mithin taugt der MBA längst nicht mehr als Jobgarantie. Und erst recht nicht als Freifahrtschein in die höchsten Etagen.
Die Zeiten, in denen der MBA als Pokerkarte bei den Gehaltsverhandlungen gezogen werden konnte, sind vorbei. Internationale Studien belegen, dass das durchschnittliche Einkommen von Absolventen der 30 Topschulen in den USA binnen zwei Jahren um knapp 13 Prozent auf 111.000 US-Dollar gesunken ist.
Gleichwohl zählt der MBA-Abschluss heute mehr denn je. Immer mehr ehrgeizige Talente und erfahrene Manager streben an die Business Schools. Der Titel hat an Exklusivität verloren, nicht aber an Attraktivität. Wer heute Karriere im Management machen will, kommt ohne MBA kaum mehr aus - gerade weil sich so viele Konkurrenten mit dieser Auszeichnung profilieren.
Warum man am MBA kaum vorbeikommt
Junge Akademiker, die sich auf die kostspielige und kräftezehrende MBA-Ausbildung einlassen wollen, stehen vor der schwierigen Aufgabe, die passende Schule zu finden. Der Markt ist intransparent, und das Angebot wächst stetig. Experten schätzen, dass es weltweit rund 1500 Schulen mit über 5000 MBA-Programmen gibt.
Orientierung schafft die manager-magazin-Rangliste. Das britische Unternehmen Topmba.com, das weltweit MBA-Messen ausrichtet, hat Personalchefs aus amerikanischen, europäischen, lateinamerikanischen und asiatischen Firmen befragt und aus deren Qualitätsurteil Ranglisten der 100 besten Business Schools erstellt.
Ein Ranking kann jedoch nur Hilfestellung sein. Letztendlich muss sich jeder Kandidat fragen, welchen genauen Karrierezielen die MBA-Ausbildung dienen soll - und die Schule dementsprechend auswählen.
Personalchefs achten darauf, dass der MBA den Werdegang eines Bewerbers sinnvoll abrundet. Wer beispielsweise mit Ende zwanzig schon dreimal den Arbeitgeber gewechselt hat und dann ein MBA-Programm absolviert, das zu seiner bisherigen Berufserfahrung in keinerlei Beziehung steht, der kommt nicht weit.
Rekrutierer schmähen solche Kandidaten als Lebenslaufarchitekten, die dem Unternehmen keinen Nutzen bringen. "Der MBA-Titel an sich ist ja nicht entscheidend. Bei Diplombetriebswirten stellt sich die Frage, ob ein zusätzlicher MBA-Titel sinnvoll ist. Er macht dagegen sehr viel Sinn bei Ingenieuren, Natur- oder Geisteswissenschaftlern, die eine international ausgerichtete Managementausbildung anstreben", sagt Gert Stürzebecher, der bei Bertelsmann die Managemententwicklung leitet.
Besonders gern gesehen sind in den meisten Konzernen MBA-Abschlüsse renommierter Schulen - dies belegt auch die mm-Rangliste.
"Wir rekrutieren aktiv an den US- und europäischen Topschulen, weil wir aus Erfahrung von der Qualität dieser MBA-Programme überzeugt sind", sagt Stürzebecher. Bewerber unbekannter Schulen müssten weitere überzeugende Qualifikationen vorweisen können, um zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden.
Bestes Image, höchste Kosten: MBA an einer US-Schule
Stürzebecher nennt gute Gründe für seine Haltung. Die Topschulen seien erheblich anspruchsvoller bei der Auswahl ihrer Studenten.
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Wer das MBA-Zeugnis als Eintrittskarte für die höhere Konzernlaufbahn anstrebt, sollte Stürzebechers Empfehlung folgen - auch wenn die Ausbildung an renommierten Schulen wie Harvard oder Insead so teuer wie eine kleine Eigentumswohnung ist. Bei Aspiranten hingegen, die eine Position im Mittelstand anstreben, geht es auch eine Nummer kleiner. Zählen allein die Inhalte und der Austausch mit Studenten aus aller Welt, kann auch eine unbekannte Schule beste Dienste erweisen.
Wo also studieren? manager magazin hat sich auf dem Markt der MBA-Anbieter umgesehen, gibt Hinweise zur Beurteilung der Programme und beschreibt exemplarisch einige grundlegende Varianten auf dem Weg zum großen Meister der Managementkunst.
USA oder Europa: Das Alter macht den Unterschied
Wie es zum Beispiel an der Kellog School nahe Chicago zugeht, beschreibt der Student Jan Rohde anhand eines typischen Tages. Rohde ist erst 27 Jahre alt und hat den Abschluss schon fast in der Tasche. Das Durchschnittsalter der Studenten gilt als wichtiges Unterscheidungsmerkmal der MBA-Schulen in den USA und in Kontinentaleuropa. Studenten in England und den USA erwerben nach drei Jahren das Bachelor-Zeugnis und absolvieren danach, meist mit Anfang 20, das Master-Studium.
In Deutschland hingegen schließen die Kandidaten ihr Studium häufig erst nach sechs Jahren mit dem Diplom ab, um danach die MBA-Ausbildung zu beginnen. Oftmals sind sie dann schon Ende zwanzig.
Konkurrenz zwischen den USA und Europa - wo sollte man studieren, und was bringt der MBA-Abschluss für den Beruf?
Lesen Sie im zweiten Teil:
Bernhard Kuderer, 36, entschied sich für die Cranfield Business School in England. Dort sind die Studenten älter als in den USA, viele bringen einige Jahre Berufserfahrung mit.
Laut Kuderer kommt es bei der MBA-Ausbildung in hohem Maße darauf an, die Kulturen und Sichtweisen der Kommilitonen kennen zu lernen. Diese Erfahrungen seien später in internationalen Geschäftsbeziehungen unbezahlbar.
Allerdings räumt Kuderer ein, dass er sich erst an die Macken seiner Mitstudenten gewöhnen musste: "Da sitzen dann 50 Leute in einem Kurs, und jeder versucht, sich mit schlauen Statements zu profilieren."
Ingenieur Kuderer ist einer jener Manager, die irgendwann erkennen, dass sie trotz intensiver Berufserfahrung wichtige Werkzeuge des Managements nicht beherrschen. Zwölf Jahre lang hatte er auf Baustellen in aller Welt große Projekte geleitet - bis zu jenem Tag, als er in Kairo einen 18-Millionen-Dollar-Auftrag an einen Konkurrenten verlor.
Damals gestand sich Kuderer ein, dass er von Strategien und ihrer Entwicklung, Personalführung, Investitionsrechnung und Marketing wenig Ahnung hatte.
So beschloss er, noch einmal die Schulbank zu drücken. Mit Erfolg. Heute ist Kuderer Finanzchef der Siemens-Landesgesellschaft in der Slowakei. "Ohne den MBA hätte ich das breite Spektrum der Anforderungen nicht so gut bewältigt und es mir auch nicht zugetraut", sagt er.
Über seine Erfahrungen an der Cranfield Business School hat Kuderer ein Buch geschrieben, das im Verlag Ueberreuter in der manager magazin Edition erschienen ist. ("Die Wahrheit über den Studienalltag an einer Top Business School", Redline Wirtschaft, Frankfurt 2003.)
Viele Manager haben keine Zeit, oft auch keine Lust, sich ein oder gar zwei Jahre lang in die Tiefen der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre einzuarbeiten. Für die Eiligen gibt es Executive-MBA-Programme, die sich vornehmlich an berufserfahrene Führungskräfte im Alter von 30 bis 40 Jahren richten. Die Executive-Kurse werden in der Regel in Teilzeit unterrichtet, manche laufen auch als Fernstudium.
MBA-Nutzen: Karrieresprung oder Jobsuche-Vorteile
Mark Dorn, 30, Manager bei der Düsseldorfer Chemiefirma Cognis, hat sich für das Global Executive Program der IESE in Barcelona entschieden. Neben dem Renommee der Schule spielten bei der Entscheidung praktische Erwägungen eine Rolle.
"Intensiv" ist das Wort, das Dorn einfällt, bittet man ihn um eine Kurzbeschreibung des Studienalltags. "Das fängt morgens um acht Uhr an und geht bis abends um zehn", erzählt er.
Die Überforderung an den MBA-Schulen ist Programm, in Barcelona wie anderswo. Die Studenten sollen lernen, Entscheidungen in internationalen Teams schnell zu erarbeiten und nicht auf die letzte Kommastelle zu achten. Der Lohn der Schinderei? Dorn rechnet mit einem Karrieresprung direkt auf die Direktorenebene.
Von solch schönen Aussichten kann Simon Roger, 32, nur träumen. Nach ebenso interessanten wie lukrativen Aufgaben als Wertpapierhändler bei Cantor Fitzgerald und Dresdner Kleinwort Wasserstein in Frankfurt wollte der Diplomkaufmann seine Karriere internationaler ausrichten. So zog er im Sommer 2001 für eine 19-monatige IMBA-Ausbildung nach Barcelona.
Nun ist er fertig mit dem anstrengenden Studium und reichlich frustriert: Roger und viele andere Absolventen finden keine Arbeit. "Wir kämpfen jetzt um die Jobs, die wir vor drei Jahren abgelehnt hätten", sagt er.
In diesen schwierigen Zeiten nutzen viele Manager die Flaute auf dem Arbeitsmarkt, um sich weiterzubilden und die Vita mit einem MBA zu veredeln.
Mäßiges Image, keine Kosten: MBA an einer deutschen FH
Das erhöht das Angebot an MBA-Absolventen und senkt die Verwertbarkeit des teuren Titels. Kein Unternehmen zahle mehr eine Prämie für MBA-Absolventen, stellt Roger fest. Außerdem wüssten viele Personalchefs gar nicht, welche Ausbildung hinter dem Titel MBA stecke.
Kein Wunder. Das Angebot an MBA-Programmen wächst weiter, die Qualität der Ausbildungen ist jedoch sehr unterschiedlich.
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Noch 1990 gab es in Deutschland nur vier MBA-Programme. Mittlerweile können Studenten zwischen 120 verschiedenen Institutionen in Deutschland wählen. Unter den neuen Anbietern finden sich auch immer häufiger Fachhochschulen, die den MBA praktisch zum Nulltarif versprechen, darunter Izum Beispiel die Fachhochschule Esslingen.
Lars Ehlers, MBA-Dozent an der FH Esslingen, will den Vergleich mit bekannten US-Schulen erst gar nicht bemühen. "Wir bilden Mittelmanager für die Industrie aus", sagt er.
Den Vorteil eines MBA-Studiums an seiner FH sieht Ehlers in der engen Anbindung an die Unternehmen aus der Region. Beispielsweise stellen die Betriebe für den Unterricht konkrete Fälle aus der Praxis zur Verfügung. Sie nutzen die FH Esslingen als verlängerte Schulbank, auf der sie ihren Führungsnachwuchs für das internationale Geschäft fit machen.
Typischer Nutznießer dieser Kooperation ist Ignacio Salas Marin, 30. Der Peruaner hatte in Esslingen ein Diplom als Wirtschaftsingenieur erworben. Anschließend arbeitete er in Argentinien als Vertriebsfachmann für das Automatisierungsunternehmen Festo. 2002 holte ihn Festo nach Deutschland zurück - für die MBA-Ausbildung an der FH Esslingen, die ihm den letzten Schliff für breitere Einsatzmöglichkeiten im Unternehmen geben soll.
Das Beispiel zeigt: MBA ist nicht gleich MBA. Die FH Esslingen liegt sicher nicht gleichauf mit US-Topschulen. Dennoch erfüllt der MBA einer FH durchaus seinen Zweck, wenn er, wie bei Festo, den Interessen der Firma und ihrer Mitarbeiter dient.
Die Vielfalt der Programme macht die Auswahl schwierig. Eine eindeutige Antwort auf die Frage, welche Ausbildung die richtige ist, gibt es nicht. Jede Schule stellt ihr eigenes Lehrangebot zusammen.
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Auch die Grenzen zwischen den verschiedenen Programmen verschwimmen. So werden Teilzeitprogramme, die bislang auf erfahrene Führungskräfte zugeschnitten waren, nun auch für junge Absolventen angeboten. Im Gegenzug können Executives auch Vollzeitprogramme absolvieren.
Wer seine Ausbildung mit einem MBA-Studium krönen will, sollte sich deshalb genau überlegen, was er mit dem Abschluss erreichen möchte. Kaufmännisches Basiswissen vermitteln am besten Schulen, die sich dem General Management verschrieben haben. Hingegen sind jene, die sich in einem Spezialgebiet weiterbilden wollen, beispielsweise internationalen Finanzmärkten, bei entsprechenden US-Schulen am besten aufgehoben.
Eine gründliche Recherche ist unerlässlich - auch weil sich in der Branche unseriöse Anbieter wie die irische Glencullen University tummeln. Die Homepage der Uni machte einen guten Eindruck - schmucke Fotos von wissbegierigen Studenten und den gepflegten Anlagen des weitläufigen Campus weckten die Lust auf ein Studium auf der grünen Insel.
Leider existiert dieses Institut nicht. Hinter der Glencullen University verbirgt sich einer von rund 300 Titelhändlern, die mit dem MBA ein einträgliches Geschäft betreiben.