Neuer Ausbildungsberuf: Bankkaufmann deluxe - DER SPIEGEL
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Neuer Ausbildungsberuf Bankkaufmann deluxe

Investmentfondskaufleute machen für andere Leute Geld - im Idealfall. Entsprechend hoch sind die Ansprüche der Arbeitgeber: Vor allem Großbanken hoffen bei ihren Elite-Azubis auf ein gutes Händchen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ihr Beruf ist noch ganz neu, doch gefragt sind Investmentfondskaufleute schon jetzt. Denn trotz schwachen Wirtschaftswachstums und nicht gerade rosiger Zeiten in der Finanzbranche werden Anlage-Experten mit soliden Fondskenntnissen gesucht. Das Fondsgeschäft hat in Deutschland in den vergangenen Jahren ständig an Bedeutung gewonnen. Seit August 2003 trägt der Ausbildungsberuf des Investmentfondskaufmanns dieser Entwicklung Rechnung.

"Es ist ein sehr qualifizierter, allerdings kein Massenberuf", sagt Rainer Brötz, der beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn die neue Ausbildungsverordnung miterarbeitet hat. Anders als beim Bankkaufmann liegt der Schwerpunkt im Anlagegeschäft, und die Arbeit findet nicht vorne am Schalter, sondern im "Back office" statt.

"In Deutschland noch Nachholbedarf"

Arbeitgeber sind in erster Linie Investmentgesellschaften und Depotbanken, unter Umständen auch Versicherungsunternehmen. "Die Investmentbranche wird weiter wachsen", prognostiziert Wolfgang Raab, Abteilungsdirektor Ausbildung beim BVI Bundesverband Investment und Asset Management in Frankfurt. "Wir haben in Deutschland bei den Investmentfonds noch Nachholbedarf."

Ein eigener Ausbildungsberuf macht daher nach einhelliger Einschätzung Sinn: "Bankkaufleute haben in der Regel für unsere spezifischen Anforderungen nicht ausreichend Fachkenntnisse und müssen erst entsprechend weitergebildet werden", sagt Klaus Friedrich, Personalchef von DWS, der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank in Frankfurt. "Die Investmentgesellschaften brauchen aber Nachwuchs."

Das war auch der Grund, warum die DekaBank in Frankfurt im August 2003 in die Ausbildung eingestiegen ist. "Wir haben aus rund 250 Bewerbern 20 Azubis ausgewählt", sagt Rainer Färber, Ausbilder bei dem je zur Hälfte den Landesbanken und den Sparkassen gehörenden Finanzdienstleister. "Die Vorauswahl haben wir nach der Papierform getroffen. Bei den Noten gucken wir natürlich vor allem auf die Hauptfächer", sagt Färber.

Neuer Weg in die internationale Finanzwelt

Benjamin Schäfer gehört zu denen, die auch in der letzten Runde noch gepunktet haben: "Der Beruf ist schon spannend, auch weil er ganz neu ist", sagt der DekaBank-Azubi. "Zur Zeit ist das ganz sicher eine der interessantesten Einstiegsmöglichkeiten in die Finanzwelt."

Bankkaufmann werden wollte er allerdings nicht und hat deswegen zunächst zwei Semester Wirtschaft studiert. Als er von der neuen Ausbildung hörte, hat er sich noch einmal umentschieden. "Die Möglichkeit zu studieren gibt es nach der Ausbildung ja auch noch."

Stoff zum Lernen gibt es allerdings schon während der Ausbildung genug: "Die Azubis müssen zum Beispiel wissen, wie Fondsanteile für den Kunden verwaltet werden, wie fondsbezogenes Rechnungswesen aussieht und wie der Investmentprozess abläuft", erklärt Rainer Färber von der DekaBank.

In einem späteren Ausbildungsteil stehen auch Marketing, Fonds-Controlling und Performance-Messung auf dem Stundenplan - die Möglichkeiten also zu überprüfen, welche Ergebnisse welcher Fonds erreicht hat. Eine Zwischenprüfung wird nach eineinhalb Jahren abgelegt. "Die Regelausbildungszeit liegt bei zweieinhalb Jahren", sagt Wolfgang Raab vom BVI.

Rund 2000 Euro Einstiegsgehalt

Die Deutsche Bank ist 2003 noch nicht in die Ausbildung eingestiegen. "In diesem Jahr werden wir bei DWS aber fünf Auszubildende einstellen", kündigt Klaus Friedrich an. "Und das ist mit Blick auf die Zukunft eher an der unteren Grenze." Ausgebildet werde in erster Linie für den eigenen Bedarf.

Die Auszubildenden werden nach dem gleichen Tarif wie angehende Bankkaufleute bezahlt: "Im ersten Jahr gibt es monatlich rund 690, im dritten etwa 800 Euro", erläutert Rainer Färber. Bei der Übernahme ist abhängig vom Alter ein Einstiegsgehalt um 2000 Euro brutto zu erwarten. "Eine Arbeitsplatzgarantie gibt es nicht, aber ich gehe davon aus, dass wir allen Auszubildenden eine Stelle anbieten können", sagt Färber.

"Nach der Ausbildung können Investmentfondskaufleute beispielsweise als Assistent im Fondsmanagement arbeiten", erklärt DWS-Personalchef Klaus Friedrich. "Und wir werden dann auch individualisierte Möglichkeiten zur Weiterqualifizierung anbieten."

Ein Teil der Auszubildenden werde möglicherweise auch an eine Hochschule wechseln, vermutet Rainer Färber: "Die Besten darunter werden wir dann auch während des Studiums begleiten." Ausbildung als Investmentfondskaufmann plus Wirtschaftsstudium gilt in der Branche als eine renditeträchtige Investition.

Von Andreas Heimann, gms