Online-Bewerbungen Bitte melde Dich
Petra Dürer war völlig enttäuscht. Auf der Cebit in Hannover hatte der Personalleiter eines Münchener Softwareherstellers ihr noch versprochen, sich schnell um die Bewerbung der Marketing-Expertin zu kümmern. Und dann kam wochenlang keine Reaktion, obwohl sie die E-Mail mit ihren Unterlagen noch am selben Abend verschickt hatte.
Petra Dürer wartet allerdings nicht alleine - mit dem Personal-Recruiting im Web hapert es noch gewaltig. So fand die Personalberatung Axis in einer Studie heraus, dass jede dritte Online-Bewerbung im Netz ohne Antwort bleibt. "Viel Web-Prahlerei, wenig Substanz", lautete auch das Fazit einer Studie aus dem vergangenen Jahr, als der Marketing-Lehrstuhl der TU Berlin im Auftrag der "Welt" die Internet-Personalsuche untersuchte.
Und viele Personaler geben wie Klaus Hortwald von einer Hamburger Bank hinter vorgehaltener Hand zu: "Ich mag diese Online-Bewerbungen nicht. Sie kosten mich Zeit und Nerven, denn diese Mails mit massig Anhang sind umfangreich und aufwendig."
Mehr Schein als Sein
Dabei geben immer mehr Firmen in den Stellenausschreibungen eine E-Mail-Adresse an und laden Bewerber damit ein, ihr elektronisches Bewerbungspaket zu schnüren. Und wer bei den Verantwortlichen zur Sicherheit nachfragt, ob elektronische Bewerbungen möglich sind, der hört durchgängig die gleiche Antwort: "Natürlich sind Online-Bewerbungen bei uns erwünscht - schließlich sind wir ein modernes Unternehmen!" So oder ähnlich ließen Personaler der Commerzbank, der Beiersdorf AG, der Deutschen Post und etlicher anderer Unternehmen uns als vermeintliche Bewerber mit unserer Frage ziemlich alt aussehen.
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Warum aber verschwinden trotzdem so viele Online-Bewerbungen im Nichts der Personalabteilungen? Liegt es an den Bewerbungen selbst? Jede Menge Schwachpunkte hat zum Beispiel Gitte Härter ausgemacht, die auf ihrer Site authentisch-bewerben.de Stellensuchende berät: Viel zu große Dateien werden verschickt, die E-Mails landen nicht beim zuständigen Ansprechpartner, bemängelt die Expertin.
Vor allem die E-Mail-Adresse ist für sie der Pferdefuss vieler elektronischer Bewerbungen. "Ich kann's nicht oft genug betonen: Bitte achten Sie auf eine vernünftige E-Mail-Adresse. Wer eine besonders witzige hat, sollte sich während des Bewerbungsprozesses eine neutrale Adresse holen."
Schnelligkeit ist nicht alles
Die Formalien müssen eingehalten werden - das gilt auch bei der elektronischen Bewerbung. Trotz des verlockenden "Klick-und-weg" im Internet sollten Bewerber sich also nicht verleiten lassen, gängige Regeln fahren zu lassen. Denn Schnelligkeit ist nicht alles. "Sorgfalt, Aussehen und Substanz zählen bei einer E-Mail ebenso wie im traditionellen Anschreiben", erklärt Personalberater Horst-Heinrich Bechtluft auch seinen Bewerbern immer wieder. "Verzichten sollten Bewerber auf Massenanfragen, einen lockeren, unangemessenen Umgangston und Fehler in der Rechtschreibung."
Hat man mit der E-Mail in der New Economy bessere Chancen? Leider nein, lautet die Antwort. Denn Unternehmen der Old Economy stehen elektronischen Bewerbungen genauso aufgeschlossen gegenüber; manche Vertreter bestehen aber auf der herkömmlichen Mappe. Passend dazu ein Personaler der New Economy im Gespräch:" Egal, ob New oder Old Economy, ich mag den Bewerber gerne in der Hand haben!"
Inzwischen setzen große Unternehmen wie die Hypo Vereinsbank sogar eigene Bewerbersoftware ein, um online geeignete Kandidaten zu finden. Dennoch nutzen immer noch viel zu wenig Unternehmen das Internet bei der Mitarbeitersuche. "Es ist erschreckend, wie zahlreiche Firmen mit Online-Bewerbungen umgehen", fasst Axis-Geschäftsführer Dieter Möllhoff seine Erfahrungen zusammen. "Hier bleiben enorme Chancen ungenutzt."
Erst Kontakt per Mail, dann die klassische Mappe
- authentisch-bewerben.de
- manager magazin:Virtuelle Hochschulen - Studium im Cyberspace
- Der "Uni-Guide" bei manager-magazin.de
Vergebene Chancen auf der Seite der Unternehmen, geplatzte Karriereträume bei manchem Bewerber - was kann man tun, um Job und Bewerber online zusammen zu bringen? "Wer das Internet für die Karriere nutzen will, sollte die elektronische Bewerbung für die erste Kontaktaufnahme nutzen", hat Klaus-Peter Martens erkannt. Der Controller hatte sich bei zwei Dutzend Unternehmen per E-Mail beworben und gerade mal eine Einladung zum Gespräch bekommen. "Und nach der Mail kommt dann die klassische Mappe, damit man sich in Erinnerung bringt!"
Für Klaus-Peter Martens ist klar: Nur so ist in allen Unternehmen gewährleistet, dass die Bewerbung auch wirklich gelesen wird. Und die Personaler? Die müssen erkennen, dass sie im Kampf um gute Fachkräfte nicht mehr vorbeikommen am Internet. Darauf deuten Umfragen des amerikanischen Meinungsforschungsinstituts Forrester Research bei europäischen Großunternehmen hin: Um offene Stellen zu besetzen, nutzen sie zunehmend Online-Stellenbörsen und die eigene Homepage.
Dort öffnete sich auch für Petra Dürer doch noch der Weg zum Traumjob: Auf der Homepage eines anderen Unternehmens fand die 32-Jährige "ihre" Stelle und bewarb sich wieder online. Diesmal mit Erfolg: "Beim zweiten Anlauf hat sich dann doch noch jemand gemeldet - jetzt habe ich endlich den passenden Job!"