PR-Branche: Krise? Welche Krise? - DER SPIEGEL
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PR-Branche Krise? Welche Krise?

PR-Manager sind Berufsoptimisten. Und so wittern sie selbst mitten in der Konjunkturkrise gute Zukunftsaussichten, wie eine neue Studie zeigt. Auch Ein- und Umsteiger können davon profitieren - jedenfalls wenn sie auf das richtige Pferd setzen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Im Auftrag der Deutschen Public Relations-Gesellschaft (DPRG) hat ein Kölner Marktforschungsinstitut kürzlich 161 deutsche PR-Agenturen und PR-Dienstleister nach ihrer Geschäftentwicklung und den Zukunftsaussichten gefragt. Kernergebnis dieser jährlichen repräsentativen Umfrage: In der PR-Branche ist trotz schwieriger Lage der Gesamtwirtschaft Optimismus angesagt.

"Wir haben einen sehr heterogenen Markt in der PR-Branche", erklärt Jürgen Pitzer, Präsident der DPRG: Auf der einen Seite des Marktes hat die Konjunkturflaute in großen PR-Agenturen zu Einbußen geführt, weil Unternehmen ihre PR-Budgets verkleinern und Großkunden PR-Dienstleistungen wieder im eigenen Haus machen, die sie zuvor an externe PR-Dienstleister abgegeben hatten. Folglich haben große Agenturen Personal abgebaut - vor allem im Bereich E-Commerce. Auf der anderen Seite des Marktes stehen jedoch vier Bereiche, in denen PR-Dienstleistungen stark nachgefragt werden.

Eine Krise schafft auch Nachfrage

Steigende Nachfrage verzeichnen erstens kleine und mittlere Agenturen, die für die mittelständische Wirtschaft arbeiten. Denn Mittelständler erkennen zunehmend, wie wichtig PR in der Kommunikationsgesellschaft ist. Zweitens steigt die Nachfrage, weil das öffentliche Bild eines Unternehmens zunehmend auch für dessen Kreditwürdigkeit ausschlaggebend ist.

Kandidat 1: Jet-Kampagne. Die Acht von der Tankstelle sollten für billigen Sprit werben - bis das Unternehmen die Kampagne nach wütenden Protesten wieder einstellen musste (weitere Infos im zweiten Teil des Artikels).

Kandidat 1: Jet-Kampagne. Die Acht von der Tankstelle sollten für billigen Sprit werben - bis das Unternehmen die Kampagne nach wütenden Protesten wieder einstellen musste (weitere Infos im zweiten Teil des Artikels).

Kandidat 3: Powerline. Nach gut einem Jahr musste RWE die Pläne vom Internet aus der Steckdose wieder begraben.

Kandidat 3: Powerline. Nach gut einem Jahr musste RWE die Pläne vom Internet aus der Steckdose wieder begraben.

Foto: DDP
Kandidat 4: Sunpoint. Die Firma verteilte reichlich Gutscheine zum Probesonnen, konnte die hohe Zahl an Interessenten aber nicht bewältigen.

Kandidat 4: Sunpoint. Die Firma verteilte reichlich Gutscheine zum Probesonnen, konnte die hohe Zahl an Interessenten aber nicht bewältigen.

Kandidat 5: Deutsche Bahn. Eine Zeitungsannonce zeigte, dass die Bahn ihre eigenen Preise nicht kennt - das Unternehmen berechnete Rabatte falsch.

Kandidat 5: Deutsche Bahn. Eine Zeitungsannonce zeigte, dass die Bahn ihre eigenen Preise nicht kennt - das Unternehmen berechnete Rabatte falsch.

Kandidat 6: T-Mobile. Im Januar erhöhte T-Mobile die Preise für SMS um satte 138 Prozent - und ruderte bereits am nächsten Tag zurück.

Kandidat 6: T-Mobile. Im Januar erhöhte T-Mobile die Preise für SMS um satte 138 Prozent - und ruderte bereits am nächsten Tag zurück.

Foto: DDP
Kandidat 7: Roland Berger. Die Unternehmensberatung verschickte einen Rundbrief an viele große Unternehmen - auch an den Chef des größten Konkurrenten McKinsey.

Kandidat 7: Roland Berger. Die Unternehmensberatung verschickte einen Rundbrief an viele große Unternehmen - auch an den Chef des größten Konkurrenten McKinsey.

Kandidat 8: Hartmut Mehdorn. Dieser Bahn-Chef reist nicht gern mit der Bahn: "Zugfahrten über vier Stunden sind eine Tortur", bekannte Mehdorn in einem Interview.

Kandidat 8: Hartmut Mehdorn. Dieser Bahn-Chef reist nicht gern mit der Bahn: "Zugfahrten über vier Stunden sind eine Tortur", bekannte Mehdorn in einem Interview.

Foto: DDP
Kandidat 9: Deutsche Bank. Obwohl sich auch fünf deutsche Städte um die Olympischen Spiele bemühen, unterstützt die Deutsche Bank die Bewerbung von New York.

Kandidat 9: Deutsche Bank. Obwohl sich auch fünf deutsche Städte um die Olympischen Spiele bemühen, unterstützt die Deutsche Bank die Bewerbung von New York.

Kandidat 10: Einzelhandel. Die deutschen Händler nutzten die Euro-Einführung zu erheblichen Preiserhöhungen, erhielten aber von den Kunden die Quittung.

Kandidat 10: Einzelhandel. Die deutschen Händler nutzten die Euro-Einführung zu erheblichen Preiserhöhungen, erhielten aber von den Kunden die Quittung.

Foto: DPA


Marketing-Flop 2002
Die Parade der Pannen


Dumm gelaufen: Manchmal geht in der Firmenkommunikation alles schief - neun Unternehmen, für die es im letzten Jahr besonders dick kam. Per Klick auf ein Bild gelangen Sie zur Großansicht

Drittens wächst der Bereich "Public Affairs", weil sich Verbände und Organisationen, die am bevorstehenden Umbau der staatlichen Versorgungssysteme beteiligt sind, vor einer öffentlichen Abwehrschlacht sehen - und dabei können PR-Profis helfen. Viertens steigt die Nachfrage im Bereich Krisen-PR durch Unternehmen, die Mitarbeiter entlassen und Marken einstampfen müssen oder ihre Kredite nicht mehr bezahlen können.

DPRG-Präsident Pitzer schätzt die Zahl der Beschäftigten in der PR-Branche auf inzwischen zwanzig- bis dreißigtausend und prognostiziert einen "mäßigen einstelligen Zuwachs" an neuen Arbeitsplätzen, wenn im zweiten Halbjahr 2003 der Aufschwung kommt. Auch die Mehrheit der jüngst von der DPRG befragten PR-Agenturen rechnet mit einer Belebung des PR-Arbeitsmarktes in der zweiten Jahreshälfte.

PR als Kunsthandwerk mit guten Perspektiven

Wer in die PR-Branche ein- oder umsteigen will, trifft auf gute Rahmenbedingungen. Der Berufseinstieg ist nicht reglementiert, jahrelang war der Seiteneinstieg die Regel. Ob Betriebswirte, Geisteswissenschaftler, Abiturienten oder Hochschulabsolventen: Theoretisch haben alle die gleichen Chancen.

Allerdings sollte man sich darüber klar sein, dass man als Einsteiger derzeit mit vielen hoch qualifizierten Journalisten konkurriert, die sich wegen der Medienkrise in die PR umorientieren. Außerdem ist Freiberuflichkeit in der PR-Branche weiter verbreitet als in den meisten anderen Branchen.

Und schließlich sind die Anforderungen an fachliche und persönliche Qualifikationen sehr hoch. "Kommunikationsfähigkeit und ein Interesse an Öffentlichkeit sind Mindestvoraussetzungen", sagt DPRG-Präsident Pitzer. Er bringt die Anforderungen so auf den Punkt: Wichtiger als ein Kommunikationsstudium seien Praktika. Denn PR sei letztlich ein Kunsthandwerk und nicht wissenschaftlich zu erlernen. Vor allem sollte man begeisterungsfähig und eine gereifte Persönlichkeit sein sowie eine Neigung zur PR-Arbeit spüren. Wer den Einstieg schaffe, könne den Beruf ein Leben lang ausüben, weil die moderne Gesellschaft von öffentlicher Kommunikation lebe, meint Pitzer.

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