Variable Gehälter Chance oder Schicksal
Gehaltsreport: Harte Schnitte in der Krise
Hamburg - Jede fünfte Führungskraft in deutschen Unternehmen hat in der aktuellen Krise Gehaltseinbußen hinnehmen müssen. In besonders gebeutelten Branchen wie der Automobilindustrie stand sogar auf jedem zweiten Gehaltszettel ein dickes Minus - so lauten zentrale Ergebnisse des Gehaltsreports von manager magazin. Die Studie entstand in Kooperation mit dem Business-Netzwerk Xing; über 91.000 Angestellte, Beamte und Freiberufler gaben detailliert Auskunft über die Entwicklung ihrer Einkommen und ihre Erwartungen für die kommenden Jahre.
Das deutsche Arbeitsrecht verbietet zwar Kürzungen am Festgehalt, doch das ist für die meisten Führungskräfte nicht ausschlaggebend. Rund zwei Drittel der befragten Manager erhalten einen Teil ihres Gehalts als Bonus - und der ist sowohl abhängig von der persönlichen Leistung als auch vom Betriebsergebnis. Bei Vorständen ist nur etwa ein Drittel der Vergütung garantiert, bei einem Gruppenleiter sind es zwei Drittel.
Stark variable Gehälter gibt es vor allem in Dienstleistungsunternehmen, weil Personalkosten dort den größten Kostenblock bilden. "Wir versuchen, Mitarbeiter mit immer größeren variablen Anteilen zu entlohnen, je höher sie in der Hierarchie steigen", erklärt Marius Möller, Personalvorstand bei PricewaterhouseCoopers (PwC). Fixgehälter werden bei PwC meist nur um die Inflation angepasst, bei Beförderung auf die nächste Stufe steigt das Grundgehalt um 10 Prozent.
Schon bei Berufsanfängern setzen Arbeitgeber oft auf Leistungsanreize und bieten einen Mix aus festen und variablen Zahlungen an. "Die Tendenz zu variablen Einkommen wird sich künftig noch verstärken", prophezeit Roman Sauermann, Headhunter und Partner der Münchener Personalberatung Civitas International. Ein weiterer Trend: Variable Vergütung wird zunehmend an längerfristige Erfolge gekoppelt und erst nach einigen Jahren ausgezahlt.
Utopische Zielvereinbarungen als Bonusbremse
Normalerweise führen variable Anteile zu höheren Vergütungen, da die Angestellten einen Teil des Risikos tragen. Daraus resultieren auch die Gehaltsunterschiede zwischen den Unternehmensfunktionen. So verdienen Führungskräfte im Vertrieb im Schnitt 88.000 Euro pro Jahr, während PR-Manager nur 68.000 bekommen. Bei den Vertrieblern beziehen 77 Prozent ein variables Gehalt, bei den PR-Leuten sind es nur 45 Prozent.
Vor allem aber erklären die variablen Anteile, warum die Gehaltsunterschiede auf den oberen Hierarchiestufen immer ausgeprägter werden. Die Ernennung zum Vorstand etwa bringt oft eine Verzehnfachung des Gehalts mit sich.
Nicht jeder Arbeitnehmer ist jedoch mit seiner variablen Vergütung glücklich. Nicht selten, klagen Beschäftigte, würden Ziele so definiert, dass eine 100-prozentige Zielerreichung unmöglich sei. Ein großer Zulieferer etwa benennt den Bonus eines Gruppenleiters mit 25 Prozent des Fixgehalts. "Selbst in Boomzeiten seien aber mehr als 15 Prozent illusorisch", berichtet ein Mitarbeiter.
Und die Vertriebsleiterin einer Softwarefirma klagt in einer E-Mail anlässlich der Gehaltsumfrage, man könne sich schon glücklich schätzen, wenn man 70 Prozent der Ziele erfülle. In schlechten Quartalen gebe es schon einmal gar nichts - selbst wenn die eigene Leistung nicht zu beanstanden sei. Auch Headhunter Sauermann kennt diese Klagen: Vor allem in US-Firmen seien utopische Zielvereinbarungen gängige Praxis.