Werner Berthold "Arbeiten ist eine einseitige Sache"
Werner Berthold, 69, sieht das Arbeiten jetzt mit anderen Augen: Seit er mit 60 freiwillig in Rente gegangen ist, fühlt er sich rundum wohl. "Ich hab das vorher schon geahnt, dass es mir besser gehen würde", erzählt er schmunzelnd, "aber wenn man arbeitet, kommt man ja gar nicht zum Denken."
In der Chemischen Großindustrie war er einer der Führungskräfte, "von denen hat man erwartet, dass die viel arbeiten". Der Chef schaute oft noch um 19 Uhr rein und verteilte Aufgaben. Nach der Verrentung sind Berthold die Augen aufgegangen: "Das Arbeiten ist eine sehr einseitige Sache. Das Menschliche hat dabei gefehlt."
Seitdem hat er Zeit für die Familie, für Sport, E-Mails und Gedanken über das Thema Arbeit. Er hat sogar ein Buch im Selbstverlag darüber geschrieben: "Gedanken eines glücklichen Arbeitslosen". Da beschreibt er sein Glück als Hausmann und Privatier und schlägt Gesellschaftsmodelle vor, die das Sozialversicherungssystem von der gewerblichen Arbeit entkoppeln.
Das tiefe Loch, in das manche nach der Pensionierung fallen, ist ihm ein Rätsel. Wenn er noch einmal etwas ändern könnte? Dann würde er ein paar Jahre früher in Rente gehen.
Ingrid A., 50: "Ich bin meine eigene Sozialarbeiterin"
Rita Band, 65: "Es tut gut, gebraucht zu werden"