Kulturmix Kino: Die Boten der Toten - DER SPIEGEL
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Kulturmix Kino Die Boten der Toten

Oren Movermans herausragender Film "The Messenger" erzählt von dem bedrückenden Einsatz zweier amerikanischer Soldaten an der Heimatfront. Und "Five Minutes of Heaven" vom jähen Verlust der Unschuld - ein Sehtest aus der UniSPIEGEL-Redaktion.
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"The Messenger": Bewegender Film über den Umgang mit dem Verlust geliebter Menschen

"The Messenger": Bewegender Film über den Umgang mit dem Verlust geliebter Menschen

Foto: Oscilloscope Laboratories/ dpa

Tag für Tag müssen sie geradezu übermenschliche Schwerstarbeit leisten: Captain Tony Stone (Woody Harrelson) und Sergeant Will Montgomery (Ben Foster) überbringen den Angehörigen der US-Soldaten, die im Irak und in Afghanistan gefallen sind, die Todesnachricht. Wenn sie ihren Job erledigt haben, bleiben zerbrochene Menschen zurück.

Oren Movermans Kriegsdrama ist einer der besten Filme, die Hollywood je über die Kämpfe an der Heimatfront gedreht hat, während US-Soldaten in fernen Ländern kämpften und starben. Er erzählt von zwei Männern, die keine Schutzwesten überziehen können, um sich gegen die Blicke der erschütterten Menschen zu wappnen, die keine Deckung suchen können, wenn sie in aufrechter Haltung und mit geradem Rücken jenen Satz formulieren müssen, der genauso hart trifft wie die Kugel.

"Das Verteidigungsministerium bedauert es zutiefst ...", mit dieser Wendung fängt der Satz immer an, er mündet in Fassungslosigkeit und Verzweiflung. Doch jeder der Angehörigen reagiert anders: Der eine schreit seine Wut heraus, der andere bittet die Todesboten in seine Wohnung und bietet ihnen etwas zu trinken an. Und manch einer reagiert so gefasst, dass Stone und Montgomery angesichts der vermeintlichen Gefühllosigkeit schockierter sind als ihr Gegenüber.

"The Messenger" ist ein bewegender Film über den Umgang mit dem Verlust geliebter Menschen. Dabei gelingt es dem Regisseur und seinem großartigen Darsteller-Ensemble, die Gefühle so lange zu filtern, bis das Sentiment sedimentiert ist, bis keinerlei Rührseligkeit mehr übrig ist. "Weine nicht!", sagt dieser Film zu seinen Zuschauern - und nimmt sie umso mehr mit.

Woody Harrelson wurde für die Darstellung des Offiziers Stone für den Oscar nominiert. Die absolute Sensation aber ist Ben Foster als Sergeant Montgomery. Die Eindringlichkeit, mit der er einen vom Kriegseinsatz gezeichneten einfachen und doch zugleich zartfühlenden Mann darstellt, ist ein großes Erlebnis.

Szene aus "Five Minutes of Heaven"

Szene aus "Five Minutes of Heaven"

Foto: Steffan Hill


"Five Minutes of Heaven"

Das letzte Gefecht Mit breiter Brust tritt der Teenager Alistair in die Disco und bleibt kurz vor der Tanzfläche stehen. Einige Mädchen drehen sich um, er lächelt cool und lässt seinen Blick über die anderen Jugendlichen gleiten. Sie sind noch Kinder, während er selbst gerade ein Mann geworden ist. Er hat einen Menschen erschossen.

In seinem neuen Film "Five Minutes of Heaven" erzählt der deutsche Regisseur Oliver Hirschbiegel ("Der Untergang") vom jähen Verlust der Unschuld. Als Heranwachsender erschießt der fanatische Protestant Alistair Little 1975 in einer nordirischen Kleinstadt einen Katholiken und kommt für 12 Jahre ins Gefängnis. 33 Jahre nach der Tat trifft er sich auf der Suche nach Versöhnung mit dem Bruder des Getöteten.

Zwischen den Männern (gespielt von Liam Neeson und James Nesbitt) entwickelt sich ein Drama um Schuld, Rache und Vergebung. Da treffen zwei Versehrte aufeinander, reglos-versteinert der eine, zerfressen von Wut der andere. Der Zuschauer wird in einen Kampf hineingezogen, der durch kein Friedensabkommen beendet werden kann, weil er in den Köpfen und in den Herzen ausgetragen wird.

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