Verdacht auf Freiheitsberaubung Behinderte Kinder im Schulbus "fixiert"
Schulbuskontrolle: Ein Dortmunder Unternehmen fixierte behinderte Kinder mit Riemen
Foto: Polizei DortmundIn Dortmund hat die Polizei bei einer Schulbuskontrolle "Erschreckendes" festgestellt: Ein Busunternehmen hat geistig behinderte Kinder mit "handelsüblichen Befestigungsriemen" an ihre Sitze "fixiert", teilte die Polizei in einer Presseerklärung mit. Die Beamten erstatteten Anzeige wegen Freiheitsberaubung und wegen des Verdachts der Misshandlung Schutzbefohlener.
Seit Schuljahresbeginn müssen in der Stadt Busse, die geistig behinderte Schüler befördern, neue Sicherheitsvorgaben einhalten, heißt es in der Mitteilung der Polizei: Auf allen Sitzplätzen der Schüler müssen entsprechende Sicherheitsgurte installiert sein. Weil sowohl Eltern als auch das Schulamt auf Mängel hingewiesen hatten, führte die Polizei Kontrollen durch.
In einem Bus mit 13 Kindern entdeckten sie dann die "fixierten" Schüler. Demnach hatte das Buspersonal den Riemen um die Oberkörper von neun Kindern geführt und um die Rückenlehne gebunden. Mit vergleichbaren Riemen, so die Polizei, könne man Gepäck auf einem Fahrradgepäckträger sichern. Nur die vier Kinder in den ersten Sitzreihen seien mit vorschriftsmäßigen Beckengurten während der Fahrt gesichert gewesen.
Die Polizisten hätten dem Personal untersagt, die Riemen zu verwenden - allerdings zunächst mit wenig Erfolg: Einen Tag später hätten Polizisten in einem Bus des gleichen Unternehmens wieder acht mit Zurrguten fixierte Kinder entdeckt, auch das Buspersonal sei laut Polizei identisch gewesen. Erst bei einer dritten Kontrolle hätten die Beamten nichts mehr zu beanstanden gehabt.
Das Busunternehmen war am Dienstagnachmittag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Den "RuhrNachrichten" teilte das Unternehmen mit, sie hätten keine Spann- oder Lastengurte verwendet, sondern "EG-geprüfte Sicherheitsgurte". Sie hätten alles richtig gemacht.