Afrika: Editorial - DER SPIEGEL
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Afrika Editorial

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Seit etwa 20 Jahren werden Kapital und Produktion zunehmend global. "Gute Politik" der teilnehmenden Staaten würde - so die Befürworter der Globalisierung - mit einem Zufluss globaler Ressourcen und so auch mit zunehmendem Wohlstand belohnt werden; Staaten, die den Erfordernissen der Globalisierung nicht nachkommen wollen oder können, würden mit Wohlstandsverlusten bestraft werden.

Und so sind die Verlierer der Globalisierung schnell ausgemacht: Es sind die Staaten mit unzureichender Weltmarktintegration, Staaten, die sich abschotten oder die - aus welchen Gründen auch immer - für Investoren unattraktiv sind. An den Rand gedrängt, von der Entwicklung vergessen, sind die ärmsten Staaten im Welthandel praktisch bedeutungslos; die Mehrzahl von ihnen liegt in Afrika, südlich der Sahara.

Andere, ehemals arme Staaten haben hingegen in beeindruckender Weise von der Globalisierung profitiert. Länder wie Brasilien, Russland, China und Indien, die als Rohstoffproduzenten "im Sog der Globalisierung" mitgerissen wurden, haben als "neue Werkstatt der Welt" die hergebrachte internationale Arbeitsteilung revolutioniert oder auf dem Weg in die Wissensgesellschaft gleich mehrere Entwicklungsstufen übersprungen. Sind, so gesehen, die Verlierer der Globalisierung nicht selbst schuld an ihrer ausweglos erscheinenden Situation? Haben sie mit "schlechter Politik" oder mit falschen Weichenstellungen den richtigen Zeitpunkt verpasst, um auf den Zug der Entwicklung aufzuspringen? Werden die nachrückenden Staaten an der Peripherie der Weltwirtschaft zusehen müssen, dass die Wachstumszentren der Metropolen auch in Zukunft paradiesische Wohlstandsinseln hervorbringen, während sie selbst ein karges Dasein fristen? Lassen sich neue Tendenzen ausmachen, die den Nachzüglern der Globalisierung neue Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen?

Diesen Fragen geht das vorliegende Heft am Beispiel Afrika nach. Es enthält Beiträge, die in unterschiedlichen Medien - Zeitungen, Zeitschriften, dem Internet - veröffentlicht wurden. Ergänzende Informationen bieten Grafiken und Marginalien. Zusammen mit den Anregungen für den Unterricht können damit die aktuellen Positionen und kontroversen Einschätzungen erschlossen werden.