Anzeigendisposition:: Ein schnelles Geschäft - DER SPIEGEL
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Anzeigendisposition: Ein schnelles Geschäft

Es muss nicht immer ein Studium sein: Anja Wille, 30, hat nach dem Abitur eine Ausbildung zur Verlagskauffrau beim SPIEGEL-Verlag absolviert. Danach arbeitete sie in der Anzeigendisposition und leitet seit einigen Jahren den Bereich Anzeigen-Service.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SchulSPIEGEL:

Sie haben sich nach dem Abi für eine Ausbildung im Verlag entschieden. Wie kam es dazu?

Anja Wille: Nach dem Abitur wusste ich nicht, ob und was ich studieren sollte. Eine Freundin hatte damals gerade eine Ausbildung zur Verlagskauffrau gemacht und war sehr zufrieden. Was sie mir erzählt hat, fand ich spannend. Daraufhin habe ich mich einfach beworben.

SchulSPIEGEL: Wie liefen die Vorstellungsgespräche ab?

Wille: Die Vorstellungstermine bestanden meist aus zwei Runden. Ich musste zunächst Wissenstests bestehen und am Assessment Center teilnehmen, also an Gruppenveranstaltungen, in denen das Verhalten des Bewerbers unter die Lupe genommen wird. Psychologen, Ausbilder und Mitarbeiter der Personalabteilung beobachten dort, ob man sich durchsetzen oder in ein Team einfügen kann und wie man sich in Diskussionen verhält. In einem zweiten Teil folgten persönliche Gespräche. Beim SPIEGEL hat mir gefallen, dass Azubis aus den vorherigen Jahrgängen dabei waren. Die haben einen anderen Blick auf die Bewerber als die Ausbilder. Die Atmosphäre war deshalb relativ locker.

SchulSPIEGEL: Waren Sie aufgeregt?

Wille: Die ersten Tests waren schon schlimm. Ich wusste noch gar nicht, was die von mir wollen. In kürzester Zeit soll man zeigen, dass man kreativ, innovativ und ein absoluter Teamplayer ist. Nach ersten Gesprächen entwickelt man aber ein wenig Routine, ist nicht mehr ganz so aufgeregt.

SchulSPIEGEL: Wie verlief die Ausbildung zur Verlagskauffrau?

Wille: Das war toll, denn ich konnte alle Abteilungen des Verlags durchlaufen. Der Anzeigenbereich war für mich die erste Station. Das Arbeitsklima hat mir gefallen, und die Arbeit hat mich interessiert. Es ging nicht nur allein um die Abwicklung von Anzeigenaufträgen, sondern auch um umfassende Themen wie "Cross Media", also komplette Werbepakete für Online, Print und TV. Die Anzeigenabteilung als Schnittstelle zur Redaktion und zur Herstellung fand ich spannend. Das schöne in einem Verlag ist, dass man als Auszubildender viele Möglichkeiten hat, seine Vorlieben und Talente einzusetzen und auszuprobieren. Außerdem kann man mit dieser Ausbildung auch in Werbeagenturen anfangen.

SchulSPIEGEL: Wurden Sie nach der Ausbildung übernommen?

Wille: Als ich meinen Abschluss in der Tasche hatte, gab es zwei freie Stellen: eine im Anzeigenverkauf und eine in der Anzeigendisposition, für die ich mich bewarb. Ich hatte Glück, die damalige Chefin wollte mich auch haben und hat mich eingestellt. Ich habe sehr motiviert angefangen. Aber es ist ein großer Unterschied, ob man Azubi oder fester Mitarbeiter ist. Ich musste Verantwortung übernehmen und habe auch Fehler gemacht. Es war ein Sprung ins kalte Wasser.

SchulSPIEGEL: Sie leiten seit einiger Zeit den Bereich Anzeigenservice. Was wird dort gemacht?

Wille: Unter anderem beraten meine Mitarbeiter, die Disponenten, Werbeagenturen und erstellen Angebote für Anzeigenplatzierungen oder Sonderwerbeformen. Wir übernehmen die gesamte Auftragsabwicklung und die Überwachung des Zahlungsverkehrs. Außerdem gehört der so genannte "Umbruch" des SPIEGEL zu unserer Aufgabe: Redaktion und Anzeigen werden hier zusammengeführt.

SchulSPIEGEL: Wie planen Sie die Anzeigen?

Wille: Jeweils zwei Wochen vor Erscheinen einer SPIEGEL-Ausgabe werden die ersten Listen erstellt und das Heft vorbereitet. Das Anzeigenvolumen ist eine wichtige Größe: Je mehr Anzeigen es gibt, desto dicker wird das Heft. Obwohl es feste Schlusstermine gibt, tut sich bis kurz vor Erscheinen noch viel. Wir reagieren inzwischen so aktuell, dass wir noch donnerstags vor Erscheinen des SPIEGEL am Montag Druckvorlagen annehmen und Platz für neue Anzeigen schaffen können. Die Anzeigenbuchungen erfolgen insgesamt immer kurzfristiger.

SchulSPIEGEL: Macht das die Arbeit spannender?

Wille: Auf jeden Fall. Es wird viel Flexibilität und Kreativität gefordert. Wir haben viel Tagesgeschäft, auf das wir uns im Grunde nicht vorbereiten können.

SchulSPIEGEL: Wie kann man sich eine laufende Produktion vorstellen?

Wille: Am Bildschirm sehen wir den "Umbruch": Alle Seiten des Heftes stehen hier nebeneinander. Auf den einzelnen Seiten ist eingetragen, welcher redaktionelle Beitrag eingeplant ist. Wir platzieren die Anzeigen möglichst nach den Wünschen des Kunden und nach inhaltlichen Aspekten. Bis Freitagabend füllen sich die Textseiten und es kristallisiert sich immer mehr heraus, wie das Heft aussehen wird, komplett mit Texten und Bildern. Wir müssen ja auch die Gestaltung im Auge haben: Wie sieht die Seite aus und welche Anzeige passt daneben oder eben nicht.

SchulSPIEGEL: Was ist für Sie ein Erfolgserlebnis?

Wille: Wir bekommen immer mehr Aufträge für Sonderwerbeformen und sind auch kreativ gefordert. Teilweise übernehmen wir Aufgaben, die eigentlich bei den Werbeagenturen anzusiedeln sind. Schön ist, wenn wir eine tolle Anzeige ins Heft gebracht haben, wenn eine Anzeige oder eine Sonderproduktion, an der wir lange gearbeitet haben und für die viel interne Abstimmung nötig war, gedruckt wird und vor mir auf dem Tisch liegt.

SchulSPIEGEL: Was macht keinen Spaß?

Wille: Genau der umgekehrte Fall: Wir haben viel Arbeit investiert und der Kunde entscheidet sich am Ende, den Auftrag gar nicht, oder schlimmstenfalls bei der Konkurrenz zu schalten.

SchulSPIEGEL: Welche Voraussetzungen sollte man für den Job mitbringen?

Wille: Auch wenn mein Beruf viel mit der Produktion eines Magazins zu tun hat, handelt es sich nicht um eine journalistische Ausbildung. Das Verständnis für kaufmännische Abläufe sollte man mitbringen, und man sollte sich generell für verschiedene Medien interessieren. Es macht mehr Spaß, wenn man für eine Sache arbeitet, hinter der man auch steht. Man muss im Team arbeiten können.

SchulSPIEGEL: Was kann man vorher nicht wissen?

Wille: Man arbeitet zwar mit der Redaktion zusammen, aber trotzdem läuft das Anzeigengeschäft komplett unabhängig. Einflussnahme gibt es beim SPIEGEL nicht. Wir müssen daher auch mit dem Ärger unserer Anzeigenkunden leben, wenn über sie kritisch berichtet wird.

SchulSPIEGEL: Können Sie Tipps zur Berufwahl geben?

Wille: Ich empfehle, sich im Freundes- und Bekanntenkreis umzuhören und die Leute direkt anzusprechen, die den gewünschten Beruf ausüben. Das vermittelt ein lebendigeres Bild eines Berufes als Bücher oder Broschüren es können. Ein Praktikum ist für die Berufswahl natürlich von Vorteil. Während der Ausbildung sollte man Verantwortung übernehmen und sich engagieren. Auch das Risiko eingehen, Fehler zu machen, und sich nicht in eine Lethargie fallen zu lassen, nach dem Motto: "Den Ausbildungsplatz kann mir keiner mehr nehmen". Man muss Chancen nutzen und etwas daraus machen.

Das Gespräch führte Stefanie Jockers