Arbeit Editorial
Die Philosophin
Hannah Arendt ahnte schon vor 50 Jahren: Was uns bevorsteht, ist die Aussicht auf eine Arbeitsgesellschaft, der die Arbeit ausgeht.
Inzwischen gibt es in Deutschland knapp fünf Millionen registrierte Arbeitslose sowie rund 1,3 Millionen Menschen, die unter anderem als Ein-Euro-Jobber künstlich in Beschäftigung gehalten werden. Hinzu kommt eine weitere Million Menschen, die sich resigniert vom Arbeitsmarkt zurückgezogen hat - die "stille Reserve", die tatsächlich aber nicht mehr gebraucht wird. Auch unter den Beschäftigten wächst vor dem Hintergrund umfassender ökonomischer Veränderungen die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes.
Aber: Arbeit, was ist das eigentlich? Ist Arbeit das Gegenteil von Freizeit? Und wodurch unterscheidet sich bezahlte Arbeit von Arbeit, die ohne Entlohnung verrichtet wird? Ist Arbeitslosigkeit wirklich ein Übel, und stimmen die Slogans der Parteien: "Arbeit, Arbeit, Arbeit" und "Sozial ist, was Arbeit schafft"? Arbeiten wir, um unseren Unterhalt zu bestreiten, oder geht es um Arbeit um jeden Preis? Das Unterrichtsmagazin "Arbeit" greift diese Fragen auf und analysiert den Stellenwert, den Arbeit in unserer Gesellschaft einnimmt. Ist Arbeit der Weg in die Gesellschaft? Dabei wird auch auf die historischen Wurzeln und den Wandel des Arbeitsbegriffs - von der Antike über die industrielle Revolution bis in die Gegenwart - eingegangen. Welche Entwicklungen hatten Anteil an der Entstehung der Arbeitsmentalität und Arbeitsethik? In welchem Verhältnis stehen Kapitalismus und Arbeitsmoral?
Die Herausforderungen, die durch die Globalisierung der Märkte und die fortschreitende Rationalisierung entstanden sind, die die zentralen Grundlagen der "sozialen Marktwirtschaft" in Deutschland bedrohen und zur Krise der Arbeitsgesellschaft führen, sind Thema der folgenden Kapitel. Können wir uns den Sozialstaat noch leisten? Diese Frage beschäftigt das Land und stellt bisher unstrittige Vorstellungen von sozialer Gerechtigkeit auf den Prüfstand.
Der vierte Abschnitt riskiert einen Blick in die Zukunft der (Arbeits-)Gesellschaft. Verschiedene Szenarios, die Bilder der Arbeitsgesellschaft im Jahr 2020 entwerfen, werden hier vorgestellt. Die Vereinbarkeit von Lebenswelt und Arbeitswelt wird ebenso thematisiert wie mögliche Chancen, die Frauen in der künftigen Wissensgesellschaft wahrnehmen können.
Aus methodischen Gründen enthält das Unterrichtsmagazin Texte aus den unterschiedlichsten Medien - Zeitungen, Zeitschriften, Büchern und Internet. Um die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler zu stärken, wird neben den Texten auf weiterführende Seiten im Internet verwiesen. Unter www.schule.spiegel.de bietet ein Dossier zusätzliche Informationen zum Thema "Arbeit".