Austausch-Log Ameisen zum Abendessen
Ich bin wieder aus dem Dschungel zurück. Ja, ich habe endlich den ecuadorianischen Regenwald zu sehen bekommen. Das war echter Abenteururlaub! Erst einmal musste ich allein acht Stunden lang mit dem Bus nach Ambato fahren. Dort bin ich dann zunächst im Haus der Betreuerin meiner Austauschorganisation in Ambato geblieben und wurde von der Oma ganz lieb bekocht.
Mit Heidemarie, die in Loja wohnt, und Quirin aus Ibarra ging es dann abends um 21 Uhr zum Busterminal - ab in den Dschungel! Das kostete uns zwölf weitere Stunden Fahrt nach Lago Agrio im kolumbianischen Grenzgebiet, dort herrscht schon ziemlich tropisches Klima.
Beim Frühstück in Lago Agrio fiel uns auf, dass extrem viele bewaffnete Soldaten in der Stadt herumliefen und Militärflugzeuge in der Luft kreisten. Zuerst dachte ich noch "Die üben eben". Doch falsch gedacht, uns wurde gesagt "Nix da, das ist ernst". Letztlich hat sich herausgestellt, dass kolumbianische Guerillas im ecuadorianischen Regelwald mit Dynamit herumhantiert hatten, was dem Ecua-Militär logischerweise nicht recht war. Solche kleinen Zwischenfälle gelten fast als normal im kolumbianischen Grenzgebiet.
Um elf Uhr wurden wir dann von unserem guia, dem Führer, zusammen mit dem gringo, unserem amerikanischen Reisegenossen, abgeholt und fuhren mit einem Pick-up in etwa drei Stunden zum Fluss - der Anfang vom Ende der Zivilisation. Wir hatten einen Nahrungsvorrat dabei, zwei Benzinfässer und einen riesigen Wassertank. Mit diesem Gepäck quetschten wir uns in ein Kanu und fuhren mehr als zwei Stunden durch den Regenwald, bis wir in unserem Camp ankamen.
Mit Moskitos unterm Sternenhimmel
Das Camp bestand aus mehreren kleinen Hütten mit Strohdächern, in jeder Hütte standen zwei Betten aus Holz mit einem Moskitonetz darüber. Außerdem gab's so eine Art Küche und eine Gemeinschaftshütte mit einem großen Tisch. Wir waren total erschöpft wegen des tropischen Klimas und beschlossen, erst einmal baden zu gehen. Dazu fuhren wir mit dem Kanu mitten auf einen See hinaus und stürzten uns ins Wasser. Es dämmerte schon, als wir wieder ins Camp kamen, wo es dann Essen gab und wir noch die halbe Nacht mit dem Amerikaner und dem 22-jährigen Küchenboy unter dem Sternenhimmel saßen.
Die nächsten Tage waren ziemlich actionreich, vor allem wegen der vielen Touren durch den Regenwald. Wir haben gelernt, wie man Dschungelhütten baut und welche Krankheiten man mit welchen Blättern und Baumsäften behandelt. Wir begegneten handtellergroßen Taranteln, acht Meter langen Anakondas, Schmetterlingen in allen Farben, Vögeln und Affen. Wir haben Piranhas geangelt und sie dann auch gegessen, genauso wie wir Ameisen mit Zitronengeschmack probiert haben.
Nachts haben wir uns das Bett mit sechs Zentimeter großen Kakerlaken geteilt und wurden von Moskitos halb aufgefressen - das war wirklich Abenteuerurlaub hoch zehn. Wir waren auch viel mit dem Kanu unterwegs, mal mit Motor, mal im "Paddelkanu". Wir haben eine comunidad von Leuten besucht, die mitten im Dschungel leben. Dort geht's schon halbwegs zivilisiert zu, aber eben mitten im Regenwald, ohne Strom, Wasser, Toiletten, und Wäsche und Geschirr werden im Fluss gewaschen.
Nach vier Tagen sind wir dann zurückgefahren. War auch eine aufregende Fahrt - "Straße" kann man diesen Schotterweg nicht unbedingt nennen. Außerdem wurde unser Bus nachts um zwei Uhr von Polizisten angehalten, alle mussten aussteigen, Männer und Frauen wurden getrennt, die Männer nach Waffen und Drogen durchsucht, außerdem die Pässe von allen kontrolliert. Alles ganz normal an der Grenze zu Kolumbien.
Bis zum nächsten Mal, eure Simone