Austausch-Log USA: Wo ein lebendiger Kühlschrank für Sicherheit sorgt - DER SPIEGEL
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Austausch-Log USA: Wo ein lebendiger Kühlschrank für Sicherheit sorgt

Foto: Max Lüderwaldt

Austausch-Log USA Wo ein lebendiger Kühlschrank für Sicherheit sorgt

In Disney Land steht neben Spaß die Sicherheit im Mittelpunkt. Ein Angestellter in lustigem Kostüm erklärte Austauschschüler Maximilian Lüderwaldt, 17, warum Kinder Fingerabdrücke hinterlassen müssen. Nach dem Besuch in Florida flog Max nach Michigan, um sich ein wenig in Diplomatie zu üben.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bei den Vorbereitungen für US-Auslandsjahre werden alle Austauschschüler regelmäßig vor dem Winter gewarnt, vor einer harten, stürmischen Zeit, in der man am liebsten wieder nach Hause fliegen möchte. Doch ausgerechnet in diesem Winter drehte sich einmal der Wind: Im mittleren Westen der USA fiel verhältnismäßig wenig Schnee, während in Deutschland alles drunter und drüber ging.

Kalt war es hier aber dennoch, und so kam es gelegen, dass ich den US-Feiertag Thanksgiving auf Einladung meiner Betreuerfamilie in Florida verbringen konnte. Diese Familie wurde mir von meiner Organisation zusätzlich zu meinen Gasteltern vermittelt: Ich kann mich an sie wenden, wenn ich Probleme habe, sie sind so etwas wie Gast-Onkel und Gast-Tante.

Auch ohne Schneechaos war das Fliegen in den USA problematisch: Von Protesten gegen Nacktscanner über Terrorismusdrohungen bis hin zum erhöhten Reiseaufkommen an Thanksgiving stand unsere Reise unter keinem guten Stern. Doch wir hatten Glück, unser Flug war pünktlich.

Das Thema Terrorismus beschäftigte uns auch an unserem Zielort. Wir besuchten Disney World, das in Themenparks aufgeteilt ist, an deren Eingang man seinen Fingerabdruck hinterlassen muss.

Deutschland, einig Bierland

Das taten Austauschschüler und Touristen früher nur, wenn sie sich die Headquarters des FBI in Washington anschauen wollten. Heute ist es auch Pflicht für Kinder mit Mickey-Maus-Hüten und glitzernden Strumpfhosen im Freizeitparadies des "Sunshine State" Florida. Ein als sprechender Kühlschrank verkleideter Angestellter beschwichtigte nörgelnde Datenschutzfreunde: Man täte hier alles für die Sicherheit und das Wohlergehen der Besucher.

Disney und Erholung sollen hier zu einer Einheit geformt werden. Die Parks sind ein tolles Erlebnis, man kann vom Alltagstress abschalten. Allerdings wirkt vieles gekünstelt. Jeder lächelt und hat scheinbar keine Probleme. In der deutschen Ecke im Kulturenland "Epcot" kennt man Deutschland vor allem als Bierland. Wenn Deutsche denken, in den USA essen die Leute den ganzen Tag nur Fast Food, denken Amerikaner, die Deutschen tränken nur Bier.

Jeder kennt hier das Wort Beerstein, ein Neologismus für Bierkrug, der in der deutschen Sprache nicht geläufig ist. Schlecht wurde mir aber nicht von Bier, sondern nebenan, vom Raumfahrtsimulator, der als einer der magenunfreundlichsten Fahrten der Welt gilt.

Wie Max zu Gabon wurde

Um noch mehr Kultur zu erleben, nahm ich an einer Model-United-Nations-Konferenz in Lansing teil, der Hauptstadt Michigans. Der Bundesstaat leidet stark unter dem Untergang der Autoindustrie, gehört aber mit den Great Lakes zu den Orten mit den größten Wasserresourcen der Welt. So erhofft sich Michigan eine glänzende Zukunft und genau diese Themen standen auch im Mittelpunkt der Konferenz.

Probleme sollten kreativ gelöst werden. Wir stellten also drei Tage lang die Vereinten Nationen nach und verabschiedeten allerlei Resolutionen. Dabei verwendeten wir diplomatische Phrasen und sprachen die anderen Delegierten mit ihrem Landesnamen an: So heißt man schnell einmal Gabon statt Max. Ich vertrat den afrikanischen Staat, Deutschland wurde von einigen US-Schülern repräsentiert. Sie waren gut vorbereitet, auch wenn sie sich lange fragten, ob sie West- oder Ostdeutschland seien.

Solche Arbeitsgemeinschaften gibt es en masse an amerikanischen Schulen. Der "School Spirit" ist ein großer Unterschied zum deutschen Schulsystem. Vor allem Schulsport schweißt Schulen und Colleges zusammen. Es ist aber nicht allein der sportliche Ehrgeiz, der dazu führt, dass in den USA mehr Jugendliche Sport an Schulen treiben als in Deutschland. Viele Familien sind - auch wenn sie bereit sind, Schulden aufzunehmen - nicht in der Lage, Studiengebühren für eine gute Universität zu zahlen. Ein Sportstipendium bietet den einzigen Ausweg.