Austauschlog Kanada: "Puffig, knallig, schlimm!" - DER SPIEGEL
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Austauschlog Kanada "Puffig, knallig, schlimm!"

In Kanada fiebert Austauschschülerin Rebekka Bracht, 17, einem Großereignis entgegen: dem Abschlussball. Was sie dafür braucht? Klar, ein Kleid. Also geht die ganze Familie shoppen. Das Ergebnis: ein Alptraum in Pink.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die letzte Woche, war anstrengend, sehr, sehr anstrengend. Prom rückt näher – und meine Mädels und ich werden von Tag zu Tag nervöser.

Prom, das ist der Abschlussball für die zwölften Klassen. Prom ist in Kanada ähnlich wie in den USA eine ganz große Sache. An meiner Schule gibt es ein eigenes Prom-Komitee, das sich ein volles Jahr ausschließlich mit der Vorbereitung des Balls beschäftigt. Für uns Frauen dreht sich alles um eine Frage: Was, zur Hölle, ziehen wir an?

Meine Gastschwester Nicole, meine Mama Mary, zwei Freundinnen, Natascha und Katelyn, und ich haben also beschlossen: Wir gehen Prom-Dress-Shopping! Denn es ist eine Selbstverständlichkeit in Kanada, für den Abschlussball tolle Kleider zu kaufen.

Wir sind um neun Uhr mit dem Auto losgefahren Richtung Halifax. Die Stadt hat eine halbe Million Einwohner, die Leute hier nennen sie deshalb "the big city". Schon in dem ersten Laden erkannte ich, dass die Vorstellungen, die die Kanadier von coolen Klamotten haben, sich doch sehr von meinen unterscheiden.

Was, zur Hölle, ziehen wir an?

Der Geschmack von Nicole und den anderen ist eindeutig: Puffig solle es sein und knallig. Das heißt: Man trägt ein knallbonbon-farbenes oder pinkes Kleid, damit liegt man im Trend, das ist hier in diesem Jahr state of the art.

Mein Problem ist: Erstens mag ich es nicht puffig. Zweitens hasse ich pink! Doch das war noch nicht alles. Ich musste wieder einmal feststellen: Als Austauschschüler wird man dicker. Ich fürchte, das geschieht zwangsläufig. Die neue Umgebung, ständig wird man bekocht – ich brauche meine Klamotten jetzt jedenfalls eine Nummer größer.

Während sich meine Gastschwester schnell in ein knall-rosa Kleid verliebt hatte, stand ich nach acht Stunden Powershopping immer noch mit leeren Händen da. Ich hatte die Hoffnung schon aufgeben, da war es plötzlich: mein Kleid. Elegant geschnitten und gar nicht puffig.

Doch meine Freude währte nur eine halbe Minute lang, dann sah ich das Preisschild: 350 Dollar – eindeutig zu viel für mich. Jetzt war ich richtig frustriert. Ich hatte mich so aufs Einkaufen gefreut – und nun stellte sich alles als bonbonfarbener Alptraum heraus.

Nach einem Kleid für den Abschlussball werde ich wohl noch eine Weile suchen müssen. Aber immerhin habe ich jetzt eine Möglichkeit gefunden, wieder Sport zu treiben. Ich bin nun Mitglied der Leichtathletik-Mannschaft meiner Schule.

Ich finde das richtig aufregend. Als ich zwölf war, war ich in Deutschland in einem Leichtathletik Verein. Ich bin sogar hin und wieder zu Wettkämpfen gefahren, habe es dann aber irgendwann aus den Augen verloren. Jetzt, fünf Jahre später, fange ich wieder an – und das ausgerechnet in Kanada!

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