Bayern: Schule sucht Schulleiter per YouTube - DER SPIEGEL
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Rektorenmangel in Bayern Schulleiter per YouTube gesucht

Viele deutsche Schulen fahnden verzweifelt nach einer Leitung. Eine bayerische Realschule will bei möglichen Bewerbern unbedingt auffallen - und lockt sie mit einem YouTube-Video.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Fast zwei Minuten ist das Video lang, mit dem Schüler und Lehrer der katholischen Edith-Stein-Realschule im mittelfränkischen Schillingsfürst um eine neue Schulleitung werben. Gesucht werde jemand, der "Feuer und Flamme" sei und dabei helfen könne, "den Ball am Rollen zu halten".

"Unsere Schule ist idyllisch und zum Genießen", steht auf Schildern, die Schüler in die Kamera halten, im Hintergrund erklingen Streicher und Flötisten.

"Über 6000 Aufrufe für das Video einer Schule, auf die nur 184 Schüler und Schülerinnen gehen - das ist doch nicht schlecht", sagt Harry Luck, Pressesprecher des Erzbistums Bamberg, über die ungewöhnliche Bewerbersuche.

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Die Idee dazu ist aus einer Notlage entstanden: Nachdem bekannt wurde, dass die aktuelle Rektorin aus privaten Gründen aufhören würde, wurde die Stelle vor wenigen Monaten zum ersten Mal ausgeschrieben. Das Problem: Niemand bewarb sich.

Daher gibt es jetzt den neuen Versuch per YouTube-Video, gefilmt mit einem Smartphone. "Die Resonanz war überwältigend - und mittlerweile haben wir auch Bewerbungen erhalten", sagt Luck. Wie viele, möchte er allerdings nicht verraten, da das Bewerbungsverfahren noch laufe.

"Man muss Schillingsfürst wirklich wollen"

Warum sich vorher niemand für den Rektorenposten beworben hat? "Schillingsfürst liegt mitten auf dem Land. Hier muss man wirklich hinwollen, sonst bewirbt man sich auch nicht", vermutet Bernd Tittmann, der stellvertretende Schulleiter.

Aber auch der komplexe Alltag eines Schulleiters könnte abschrecken: "Der Verwaltungsaufwand nimmt zunehmend einen größeren Platz ein", so Tittmann. Ein Beispiel sei die Datenschutz-Grundverordnung: Bei jeder Film- und Videoaufnahme von Schülern muss eine Einverständniserklärung der Eltern vorliegen. Die Schulleitung müsse also immer genau im Blick haben, wer auf ein Bild dürfe und wer nicht - denn letztendlich sei sie verantwortlich.

Aus vielen Schulen heißt es außerdem, es fehle der finanzielle Anreiz bei den Leitungsstellen. In einigen Bundesländern liegen vor allem in kleineren Grundschulen die Gehälter der Schulleiter nur knapp zweihundert Euro über denen der Lehrer. Die Gehaltserhöhung sei zu gering im Vergleich zum zusätzlichen Arbeitsaufwand.

"Christlicher Optimismus und Gottvertrauen"

Gerade auf dem Land wird es für Privatschulen zunehmend schwieriger, offene Stellen zu besetzen. Zwei mögliche Gründe: Dort stehen weniger Bewerber zur Auswahl, die Entlohnung ist in Privatschulen außerdem noch etwas geringer als an öffentlichen Einrichtungen. Von den 170 Schulen, die beispielsweise zum katholischen Schulwerk in Bayern gehören, sind derzeit 3,5 Prozent ohne Leiter. Zum Vergleich: Nach Angaben des bayerischen Kultusministeriums haben aktuell alle staatlichen Gymnasien einen Leiter oder eine Leiterin, in drei von 238 Realschulen ist ein Posten unbesetzt.

Anderorts sind aber auch staatliche Schulen vom Rektorenmangel betroffen: Allein in Baden-Württemberg ist die Stelle des Schulleiters an über 200 Schulen unbesetzt, in Nordrhein-Westfalen fehlt jeder neunten Schule eine Leitung.

Um Rektor an der katholischen Edith-Stein-Realschule zu werden, können Bewerber ihre Unterlagen noch bis zum 15. November einschicken - und im Idealfall gleich im Februar anfangen. Bleibt die Stelle bis dahin unbesetzt, wird Stellvertreter Tittmann wahrscheinlich übergangsmäßig einspringen. Er sei aber zuversichtlich, dass das nicht der Fall sein werde: "Ich habe christlichen Optimismus und Gottvertrauen, dass wir die Stelle rechtzeitig besetzen können."

faq/dpa