Beruf Layouter: Der Herr der Schriften - DER SPIEGEL
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Beruf Layouter Der Herr der Schriften

Ein gutes Layout soll unverwechselbar sein. Im SchulSPIEGEL-Interview erzählt SPIEGEL-Layouter Sebastian Raulf über seinen Berufseinstieg, Basteln mit Papier und Schere und die Leichtigkeit der Leserführung.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SchulSPIEGEL: Was reizt einen Layouter am SPIEGEL?

Sebastian Raulf: Die Frage müsste eigentlich lauten: Wie hält man es hier aus? Auf jeder Seite sind nur zwei Bilder, und die Schrift hat immer die gleiche Größe. Aber: Es ist das Kapital des SPIEGEL, unverwechselbar und einzigartig zu sein. Die Herausforderung besteht deshalb darin, eine stetige Variation des immer Gleichen zu schaffen.

SchulSPIEGEL: Wie soll denn eine SPIEGEL-Seite gestaltet sein?

Raulf: Wir versuchen, den Blick des Lesers zu führen und ihn beim zügigen Lesen zu unterstützen. Ziel ist es, den Inhalt eines Artikels auch über die Bilder zu vermitteln. Auch ohne Lektüre des Textes soll der Leser einen Eindruck davon bekommen, welche Inhalte im Heft behandelt werden.

SchulSPIEGEL: Welche Rolle spielen die Bilder?

Raulf: Die Bilder sind die Hauptdarsteller des Layouts. Die Fotos werden in erster Linie nicht nach ästhetischen, sondern nach inhaltlichen Kriterien ausgewählt. Ein Bild im SPIEGEL dokumentiert das Geschehen, reine Symbolbilder werden eher selten verwendet. Das macht die Bebilderung von vielen SPIEGEL-Geschichten nicht gerade leicht, weil die meisten Bilder extra angefertigt werden müssen. Darum kümmern sich die Kollegen der Bildredaktion.

SchulSPIEGEL: Wie sieht Ihr Aufgabenbereich genau aus?

Raulf: Da sind zum einen die Hefte, in die ich als Gestalter eingebunden bin: der SPIEGEL, andere Objekte wie der UniSPIEGEL, die Unterrichtsmagazine für Schüler und letztens das Buchprojekt "Deutschland im SPIEGEL". Da geht es um die Gestaltung der Seiten, um eine gute Leserführung, die Gewichtung inhaltlicher Aussagen, den Rhythmus des Hefts beim Blättern. Zum anderen erstelle ich die digitalen Vorgaben für etliche Objekte, die über das SPIEGEL-Redaktionssystem laufen.

SchulSPIEGEL: Was bedeutet das konkret?

Raulf: Wir brauchen für die Arbeit Standards und Vorlagen. Ein Beispiel ist die Grundgestaltung einer Seite: Wo stehen Seitenzahl, Ausgabenvermerk und Ressortbezeichnung? Entscheidend ist natürlich auch die Typographie: Wie viele verschiedene Schriftstile werden in welcher Weise verwendet? Wir arbeiten für den SPIEGEL mit zwei Schriftfamilien, aber die kommen in über 120 verschiedenen Variationen vor, und dabei hat jede Variante eine inhaltlich genau definierte Bedeutung.

SchulSPIEGEL: Was ist Ihnen besonders wichtig?

Raulf: Wenn ich keinen Spaß an der Arbeit habe, nützt auch der größte Ehrgeiz nichts. Um etwas gut hinzubekommen, ist es notwendig, Nähe und gleichzeitig auch Distanz zum Thema zu haben. Bei zuviel Nähe erreiche ich vielleicht eine gute Optik. Weil ich dann aber eher mechanisch mein Spezialwissen einsetze, wirkt dies auf den Leser eventuell schwer verständlich. Wichtig ist aber, dass der Leser einen Zugang zum Heft findet. Für eine einladende Oberfläche braucht man eine gewisse Leichtigkeit.

SchulSPIEGEL: Welche Voraussetzungen sollte man mitbringen?

Raulf: Ein Gestalter sollte einen guten Blick und ein Gefühl für Proportionen haben. Die meisten Layouter arbeiten in einem Team, man sollte deshalb gerne mit anderen zusammenarbeiten. Gleichzeitig braucht man ein dickes Fell, denn nicht alles, was einem selbst gefällt, kann auch andere überzeugen.

SchulSPIEGEL: Wie kamen Sie zu dem Entschluss, Grafiker zu werden?

Raulf: In meinem Elternhaus waren Zeitungen, Zeitschriften und Bücher immer präsent. Ich habe gerne geblättert und gelesen und jede Änderung bei der Gestaltung oder den Schriften bemerkt. Es hat mich einfach interessiert. Ich wollte wissen, wie das alles geht, auch technisch. Dazu kommt meine Neigung zum Zeichnen, Malen und Basteln.

SchulSPIEGEL: War der Berufseinstieg schwer?

Rauf: Nach meinem Studium war die Situation für Layouter noch entspannter als heute. Ich hatte mehrere Optionen: bei "Merian", bei der "Zeit" und bei einer Werbeagentur. Ich habe mich für die "Zeit" entschieden. Da arbeiteten 80 Leute, und ich hatte Lust, mit ganz unterschiedlichen Menschen zusammenzuarbeiten. Layoutarbeit wurde damals noch mit Lineal, Bleistift, Klebstoff, Schere und Papier gemacht. Als dann das damalige "Zeit-Magazin" auf Computer umgestellt wurde, konnte ich lernen, wie man Redaktionssysteme einführt. Später ging ich als Art Director zu einer Fernsehzeitschrift, wo ich die ganze Heftgestaltung leitete. Danach kam ich über Stationen bei einer Frauenzeitschrift und beim "Stern" eher per Zufall zum SPIEGEL.

SchulSPIEGEL: Wie schätzen Sie die Berufsaussichten heute ein?

Raulf: Es sieht nicht einfach aus. Es gibt viele Web-Designer, die Bildschirme zum Flimmern bringen. Sie kennen sich aber mit Print-Technologie, also Typographie, Satzherstellung, Vierfarbdruck oder Papierhandhabung nicht so gut aus. Der Print-Bereich trocknet aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung ziemlich aus. Das wird sich wohl in den nächsten Jahren nicht ins Gegenteil verkehren.

SchulSPIEGEL: Wenn es jemand trotzdem versuchen möchte, sind Praktika empfehlenswert?

Raulf: Ja, das ist ganz wichtig. Außerhalb der Ausbildung sollte man möglichst an vielen realen Gestaltungsprozessen mitwirken – in Werbeagenturen, bei Wochenblättern, beim Gratis-Anzeigenblättchen. Für meine berufliche Laufbahn war das entscheidend.

Das Interview führte Stefanie Jockers