Bildung: Kanon der Musterschüler - DER SPIEGEL
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Bildung Kanon der Musterschüler

Vielleicht stimmt es ja doch, dass man fürs Leben lernt. Das liegt womöglich an den eifrigen Schülern von einst, die heute ihr Möglichstes tun, das Leben der Schule anzuverwandeln. So wenigstens wäre das Ergebnis einer Umfrage des baden-württembergischen Wissenschaftsministeriums zu erklären.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Ministerium will den "wirklichen Kanon" des deutschen Leservolks ermitteln. Auf der Website www.buecherkanon.de  fragt das Ministerium, welche drei Bücher für das allgemeine Publikum am wichtigsten waren und sind; die (bisher knapp 3000) Antworten sind nach Geschlecht, Alter und Bildungsabschluss aufgeschlüsselt. Und sie sind so übersichtlich, ausgepicht streberhaft und hoch verlogen, dass unseren Deutschlehrern die Rührungstränen kommen dürften: Außer dem gemäßigten Außenseiter Max Frisch (mit seinem Identitätskrisenroman "Stiller", den Lesende unter 25 favorisieren) sind einzig Thomas Mann (mit "Der Zauberberg", "Joseph und seine Brüder") und Johann Wolfgang von Goethe ("Faust") als Favoriten genannt, ergänzt vom Werk eines Autorenkollektivs, das allerdings nicht zu schlagen ist: der Bibel. Oh Eitelkeit, oh Schutz vor ihr! Deutschland einig Musterschülervolk ­ es sei denn, die Wirklichkeit putscht doch noch: Die Aktion läuft bis Jahresende.