Bundeswehr Jeder vierte Freiwillige springt ab
Minister mit Rekruten: Erstmals wurden im Juli nur Freiwillige vereidigt
Foto: Wolfgang Kumm/ dpaZum Dienst an der Waffe wird hierzulande niemand mehr gezwungen. Doch auch viele, die sich freiwillig dafür entscheiden, tun das offenbar nur halbherzig. Mehr als ein Viertel der Freiwilligen, die Anfang Juli zur Bundeswehr gekommen waren, ist schon wieder ausgeschieden. 27,7 Prozent der neuen Soldaten hätten ihren Dienst in den ersten sechs Monaten vorzeitig beendet, sagte Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) der "Berliner Zeitung".
"Die Zahlen sind hoch", räumte der Minister ein. Tatsächlich sind sie höher als zunächst gedacht. Im August hatte der Bundeswehrverband die Abbrecherquote noch viel niedriger geschätzt: Von den ersten rund 3400 freiwilligen Rekruten seit dem Ende der Wehrpflicht seien etwa 13 Prozent wieder ausgeschieden, hieß es damals. Im September hatte das Verteidigungsministerium dann eine Quote von 22,5 Prozent genannt.
Nun sind die Abbrecherzahlen sogar noch etwas höher - doch de Maizière will sie nicht als Grund zur Sorge sehen: Das entspreche den Erfahrungen der privaten Wirtschaft, wo die Quote der Jobabbrecher zwischen 20 und 25 Prozent liege. Ende Dezember läuft die sechsmonatige Probezeit für die Freiwilligen ab, in der sie ihren Vertrag kurzfristig kündigen können. Ob sie ihre Entscheidung gegenüber der Bundeswehr begründen, bleibt ihnen selbst überlassen.
Nicht fit genug oder lieber an die Uni
Zu den genannten Gründen gehörten laut de Maizière vor allem anderweitige Jobangebote. Außerdem hätten viele Abiturienten nach ihrem Eintritt in die Bundeswehr doch noch einen Studienplatz angeboten bekommen. Andere hätten private Gründe für ihr Ausscheiden während der Probezeit genannt. "Nur wenige sagten, dass der Ton in der Truppe sie abgeschreckt habe oder dass sie sich über- oder unterfordert fühlten", sagte der Minister der Zeitung. Ein Fünftel der Abbrecher habe die Bundeswehr nach Hause geschickt, weil sie meist körperlich nicht mithalten konnten.
Seit dem Aussetzen der Wehrpflicht zweifeln viele daran, dass die Bundeswehr künftig genug Nachwuchs anwerben kann. Doch de Maizière sieht keine Rekrutierungsprobleme auf die Truppe zukommen. Im Januar werde die Bundeswehr 2650 Männer und 170 Frauen als Freiwillige begrüßen. "Damit liegen wir voll im Plan." Die Bundeswehr stellt alle drei Monate Freiwillige ein.
Die Wehrpflicht war im Zuge der Bundeswehrreform am 1. Juli nach mehr als 50 Jahren ausgesetzt worden. Derzeit hat die Bundeswehr noch etwa 220.000 aktive Soldaten. Rund 188.000 von ihnen sind Berufs- und Zeitsoldaten. Deren Zahl soll im Zuge der Bundeswehrreform auf 170.000 sinken. Zuerst hatte die Bundeswehr noch mit 15.000 Freiwilligen pro Jahr geplant, inzwischen ist von 5000 bis 15.000 die Rede.