Flüchtlinge: Kinder aus Syrien können nicht zur Schule gehen - DER SPIEGEL
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Syrische Flüchtlingskinder "Wenn ich zur Schule ginge, hätten wir kein Essen"

Krieg, Flucht und nicht genügend Unterstützung durch reiche Länder: Rund eine Million syrische Flüchtlingskinder können vermutlich nicht zur Schule gehen. Hilfsorganisationen warnen vor einer "verlorenen Generation".
Syrische Flüchtlingskinder in einer provisorischen Zeltschule im Libanon
Syrische Flüchtlingskinder in einer provisorischen Zeltschule im Libanon

Syrische Flüchtlingskinder in einer provisorischen Zeltschule im Libanon

Foto: Bilal Hussein/ AP
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"Diese Kinder haben ihr Zuhause verloren, ihre Freunde, ihre Schulen, ihre Angehörigen", schreibt Kevin Watkins, Direktor des Thinktanks Overseas Development Institute (ODI). Und jetzt könnten viele von ihnen auch noch ihre weitere Schulbildung verlieren - weil das Geld fehlt.

Da es vielen Schulen im Nahen und Mittleren Osten an Geld mangelt, könnten rund eine Million syrische Flüchtlingskinder im kommenden Schuljahr nicht mehr beschult werden, so die Organisation.

In dem seit fünf Jahren andauernden Bürgerkrieg in Syrien wurden mehr als 280.000 Menschen getötet, mehrere Millionen weitere ergriffen die Flucht. Die Vereinten Nationen sprechen allein von zweieinhalb Millionen registrierten syrischen Flüchtlingskindern.

Schulen in den Nachbarländern wie Libanon, Jordanien und Türkei, in denen die meisten Flüchtlinge stranden, sind überfordert und von internationalen Hilfen und Geldern abhängig. Im Libanon erhalten laut Human Rights Watch mehr als die Hälfte der knapp 500.000 syrischen Kinder im schulpflichtigen Alter keine formale Schulbildung - obwohl es bereits Reformen gab, wonach die völlig überlaufenen Schulen zwei Schichten pro Tag schieben dürfen.

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Syrische Flüchtlinge im Libanon: Kindheit in der Zementfabrik

Foto: Laura Aggio Caldon

Im Februar hatte sich die internationale Gemeinschaft bei einer Geberkonferenz in London auf 1,4 Milliarden US-Dollar für Schulen geeinigt, doch laut Hilfsorganisationen sind erst 400 Millionen zusammengekommen. Eine Milliarde US-Dollar fehlen also noch. Hilfsorganisationen warnen vor einer "verlorenen Generation" von Syrern, falls nicht für Schulbildung gesorgt würde.

Hinzu kommt, dass viele Flüchtlingsfamilien keine andere Möglichkeit sehen, als auch ihre Kinder arbeiten zu lassen, um die Familie durchzubringen. So schuften die meisten syrischen Jungen und Mädchen im Libanon auf Feldern, in Steinbrüchen, Fabriken und Werkstätten.

Auch in der Türkei arbeiten schätzungsweise bis zu eine halbe Million Flüchtlingskinder. "Ich würde sehr gern zur Schule gehen, ich vermisse Lesen und Schreiben", wird in dem Bericht der Hilfsorganisation ODI ein 13-jähriges syrisches Mädchen in der Türkei zitiert, "aber wenn ich zur Schule gehen würde, hätten wir kein Essen zu Hause."

Wer jedoch keine Aussicht und Hoffnung auf Bildung hat, habe ein größeres Risiko, von Extremisten rekrutiert zu werden, so ODI-Direktor Watkins: "Die Versprechen in diesem Zusammenhang nicht einzuhalten, ist der größtmögliche Fehler, den die internationale Gemeinschaft machen kann."

AP/Reuters/lgr