Freiwillige vor: Junge Entwicklungshelfer gesucht - DER SPIEGEL
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Freiwillige vor Junge Entwicklungshelfer gesucht

Zwischen 18 und 28, reise- und abenteuerlustig? Dann sind junge Menschen bei "Weltwärts" willkommen. Mit diesem neuen Programm will das Entwicklungsministerium Freiwillige für die Arbeit im Ausland begeistern.
Von Marie Preuß
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Weltwärts soll es gehen für 10.000 junge Menschen, die im nächsten Jahr einen Platz im neuen Freiwilligendienst ergattert haben. "Uns geht es so gut in Deutschland. Wenn ich helfen kann, dann sollte ich das auch tun", meinte eine Schülerin des Oberstufenzentrums im Wirtschaftsgymnasium Berlin-Kreuzberg, als Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczoreck-Zeul das Projekt dort vorstellte. 2008 geht es los: Junge Erwachsene zwischen 18 und 28 Jahren können einen freiwilligen Auslandseinsatz bei einer von vielen Entwicklungshilfeorganisationen leisten.

Sie werden in allen Bereichen gebraucht: in der Landwirtschaft, bei Umweltprojekten, an Schulen oder in der Menschenrechtsarbeit. Und sie sollen selber "aktiv mitarbeiten, zum Beispiel bei der Alphabetisierung: ein Kind, ein Buchstabe, drei Wochen", sagte Cordula Müller von der Weltweiten Initiative für soziales Engagement (Wise e.V.). Vorausgesetzt werden Abitur, Fachhochschulreife oder ein Haupt- oder Realschulabschluss mit abgeschlossener Berufsausbildung.

Ein anderer Schüler des Oberstufenzentrums ist ebenfalls angetan vom Projekt: "Die meisten Auslandsaufenthalte gehen in die USA oder nach Kanada. Das sind doch die gleichen Gesellschaftstrukturen wie bei uns - ziemlich langweilig." Ein Aufenthalt in Afrika reizt ihn viel mehr.

Den freiwilligen Auslandseinsatz kann er sich als Zivildienst anrechnen lassen. Dafür muss die Arbeit mindestens zwei Monate länger dauern als der übliche Zivildienst von neun Monaten. Außerdem muss der Auslandsdienst vor dem 23. Lebensjahr angefangen und vor dem 24. beendet werden. Und die Organisation, für die man den Dienst antritt, muss durch den "Anderen Dienst im Ausland" anerkannt sein. Der Schüler hofft, mit "Weltwärts" mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Fremdsprachen, kulturelles Verständnis und soziales Engagement erlernen - und das alles, ohne Zeit zu verlieren.

Hilfe für die Helferbranche

Ob sie für den Aufenthalt zahlen müsse, fragte eine der Schülerinnen besorgt, doch Ministerin Wieczorek-Zeul konnte sie beruhigen. Für Reisekosten, Versicherungsschutz, Taschengeld und die Kosten des Vorbereitungsseminars stellt die Bundesregierung einen Betrag von 580 Euro pro Helfer und Monat bereit; den Rest müssen die Entsendeorganisationen übernehmen. Früher mussten freiwillige Arbeiter sich selbst an den Kosten beteiligen. Nun will der Staat dafür sorgen, dass eine "solche Erfahrung nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängt" und dass sich auch viele Teilnehmerinnen für das "Weltwärts"-Projekt melden. Unter den jungen Leuten, die bisher Interesse gezeigt haben, seien bereits 70 Prozent Mädchen, sagte Wieczorek-Zeul.

Der Auslandsaufenthalt ist auf einen Zeitraum zwischen sechs Monaten und zwei Jahren begrenzt. Wünschenswert wäre allerdings, dass die Helfer ein Jahr bleiben, um erst einmal "anzukommen" und dann nach einigen Monaten hilfreiche Arbeit zu leisten, so Jürgen Deile vom "Evangelischen Forum entwicklungspolitischer Freiwilligendienst". Der FDP-Bundestagsabgeordnete Karl Addicks hält die fehlende Berufspraxis der freiwilligen Helfer für problematisch. Ob aber die Einarbeitungszeit bei einem sechsmonatigen Einsatz reiche, damit die Helfer tatsächlich eingesetzt werden können, müsse "die Pilotphase zeigen".

Wie es denn bei diesem Projekt mit "Hilfe zur Selbsthilfe" aussehe, möchte ein Schüler wissen - und ob die eingeflogenen Helfer nicht eher die Arbeit der Menschen vor Ort "blockieren" würden. Cordula Müller verneint. Das Projekt habe drei Schwerpunkte: Die Hilfe sei "entwicklungspolitisch, entwicklungspsychisch und gesellschaftspolitisch" zu verstehen. Der kulturelle Austausch sei für beide Seiten wichtig. Man hofft darauf, dass die jungen Menschen viele Erfahrungen zurücktragen in ihr eigenes Land. Und vielleicht auch die Lust an der Entwicklungsarbeit.

Denn auf dem Entwicklungshilfesektor droht Personalmangel. Addicks verspricht sich von dem Programm, dass wenigstens "einige von denen, die wir dort hinschicken, eines Tages mit ihren Erfahrungen in die Länder zurückgehen. Das wäre schon ein Gewinn."

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