Fremdsprachen Deutsche Grundschüler hinken hinterher
Die Hälfte aller Grundschüler in Europa erhält Unterricht in mindestens einer Fremdsprache - in Deutschland dagegen nur jeder Fünfte, verteilt auf 16 Prozent Englisch und 3,3 Prozent Französisch. Diese Zahlen veröffentlichte heute die Europäische Eurydice-Informationsstelle in Brüssel in Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission.
Eurydice wertete für die Erhebung Daten aus 30 europäischen Ländern aus, die sich auf das Schuljahr 2002/2003 beziehen.
Besonders vielsprachig wird der Nachwuchs in Luxemburg unterrichtet: 80 Prozent der Primarschüler erlernen dort zwei Fremdsprachen. Damit ist das Großherzogtum mit Abstand Klassenbester. Auch die Esten, Letten, Finnen, Schweden und Isländer legen verstärkten Wert auf Fremdsprachen. Dort lernen jeweils zehn Prozent der Grundschüler eine zweite Fremdsprache.
Inzwischen ist die zweite Fremdsprache in Estland, Luxemburg, Schweden und Island in der Grundschule Pflicht. Dank verschiedener Schulreformen halten die Fremdsprachen seit Ende der 90er Jahre verstärkt Einzug in die Grundschulen. Besonders in Osteuropa, Dänemark, Spanien, Italien und Irland habe sich viel getan, berichtet die Informationsstelle.
Im vergangenen Jahr hatte ein EU-Bildungsvergleich ergeben, dass 15-jährige deutsche Schüler beim Lesen und Schreiben häufiger stocken, ein Befund, den auch die erste Pisa-Studie stützte. Die zweite Pisa-Studie mit dem Schwerpunkt Mathematik wies für Deutschland höchstens Mittelmaß aus.
95 Prozent des Fremdsprachen-Unterrichts in Europa findet entweder in Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch oder Russisch statt. Als zweite Fremdsprache werden am häufigsten Deutsch und Französisch gelehrt, wobei Deutsch stärker in Mittel- und Osteuropa vertreten ist und Französisch im Süden Europas.
Der Unterricht wird im Primarsektor vor allem von Lehrern gegeben, die über keine spezielle Ausbildung in der Fremdsprachen-Didaktik verfügen. Das ändert sich meist in der Sekundarstufe I.
Der Europäische Rat hat 2002 die Empfehlung ausgesprochen, dass Schüler möglichst früh zwei Fremdsprachen erlernen sollten.