Geistesblitze junger Gründer: Chefs von morgen - DER SPIEGEL
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Geistesblitze junger Gründer Chefs von morgen

Junggründer sind gut vernetzt und kreativ, denken zuerst an Nachhaltigkeit und dann ans große Geld: Im SchulSPIEGEL stellen vier kluge Köpfe sich und ihre Ideen vor und verraten, wie sie die Märkte stürmen wollen.
Von Rick Noack
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
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Junge Gründer: Die Marktstürmer von morgen

Sie entwickeln Lenkräder, die gegen den Kurzschlaf am Steuer schützen sollen oder Laufschuhe, die Strom erzeugen: Manche Jugendliche sprühen schon in der Schule vor lukrativer Ideen und machen sich daran, sie auf den Markt zu bringen. Was bewegt die Gründer von morgen? Was macht ihnen Sorgen, auf was wollen sie künftig setzen?

Fragt man Oliver Skopec, was er von den Jung-Innovativen hält, hagelt es Superlative. "Verdammt clever", "extrem gut", "fantastisch". Oliver Skopec ist erst 25 Jahre alt. Er zählt sich auch selbst noch dazu, zur jüngsten Generation der Unternehmer. Doch in Wahrheit meint er andere, wenn er über die neue Gründergeneration spricht - und das zu Recht.

Skopec beschäftigte sich schon als Schüler mit Innovationen und neuen Medienprojekten. Kaum hatte er begonnen zu studieren, baute er ein soziales Netzwerk mit auf: SchuelerVZ, die Schwester des Studentennetzwerks StudiVZ.

"Meine Mutter würde sagen: So ein Quatsch"

Inzwischen ist Skopec beim VZ ausgestiegen und ist heute Chef seines eigenen Beratungsunternehmens und Geschäftsführer des Berliner Instituts für Innovationsforschung.

Er ist schon ein alter Hund, vergleicht man ihn mit den heutigen Anfängern: Jugendliche, die schon als Schüler oder kurz nach dem Abitur versuchen, aus einer Idee ein Angebot zu machen und ein Unternehmen zu gründen.

Wer etwas über die Unternehmensgründer von morgen wissen will, ist bei Skopec richtig. "Neulich hat mich ein 17-jähriger Schüler angerufen, der zusammen mit anderen Jugendlichen aus Holland und Österreich ein Internet- Start-Up aufbauen möchte. Die drei Jungs hatten sich zu dem Zeitpunkt noch nie getroffen, aber trotzdem schon Beachtliches erreicht", sagt er. Die Überwindung nationaler Grenzen und der Austausch über das Internet würden die neue Generation von Gründern prägen.

"Meine Mutter würde sagen: So ein Quatsch, wenn du da auf einen Bildschirm starrst, entwickelst du dich sozial doch nicht weiter. Aber das Gegenteil ist der Fall: Tatsächlich hat es noch nie so extrem gut vernetzte Jungunternehmer gegeben."

Im SchulSPIEGEL stellen sich vier Nachwuchsgründer vor: Sie erzählen von ihren Ideen, ihre Erwartungen an die Märkte von morgen und ihre Ideale von der Verantwortung als Unternehmer.

Mathias Fromberger, 21: "Mädels, so geht das nicht."

"In der sechsten Klasse nahm ich das erste mal bei 'Jugend forscht' teil. Damals hatte ich zusammen mit zwei Freunden - einer davon ist heute mein Geschäftspartner - einen Frühstücksautomaten entwickelt: Der vereint eine Kaffemaschine, einen Saftspender und andere Küchengeräte auf hygienische Art und Weise in einer Maschine.

Schon kurze Zeit später, in der achten Klasse, haben wir uns der Automobilbranche gewidmet. Wir haben zum Beispiel ein wachsames Lenkrad entwickelt gegen den Kurzschlaf.

Klar ist natürlich, dass wir mit diesen ersten Projekten nicht den ganz großen wirtschaftlichen Erfolg landen konnten. Erwachsene haben einfach wenig Verständnis dafür, wenn da ein 16-Jähriger ankommt und ihnen sagt, er habe ein besseres, effektiveres Sicherheitssystem entwickelt, als sie. Das wachsame Lenkrad wurde von einer Firma zum Serienprototypen weiterentwickelt. Leider hat die Autoindustrie es aus verschiedenen Gründen nicht angenommen.

Inzwischen bin ich Student, aber immer noch besessen von neuen Ideen: Vor einiger Zeit zum Beispiel war ich mit drei Freundinnen in der Münchner Innenstadt unterwegs. Die waren von oben bis unten durchgestylt. Aber alle drei mussten ihre eingekauften Klamotten mit schäbigen Plastiktüten nach Hause tragen. Da haben ich und meine Freunde gesagt: 'Mädels, so geht das nicht.' Und drei exklusive 'Shopping-Bags' bei einem Freund, der in der Werbebranche tätig ist, in Auftrag gegeben.

Mach dein Ding!

Die Mädchen haben sich unglaublich darüber gefreut und bald konnten wir uns vor Anfragen nicht mehr retten. Da haben wir gesagt: 'Mensch, diese Idee hat Potential.' Wir haben dann Umfragen unter hundert Frauen unterschiedlichen Alters aus ganz Deutschland durchgeführt, wie eine perfekte Shopping-Tasche für sie aussehen muss und gründeten dann das Unternehmen Carry Unique. Mittlerweile werden die Taschen auf allen fünf Kontinenten getragen.

Die Wirtschaftskrise macht mir keine Angst: Eine überhitzte Konjunktur muss sich abkühlen, die Wirtschaft muss dabei gewissermaßen heilen von so manchen Missständen. Das ist nun mal so. Man muss als Gründer einfach sein Ding machen.

Im Vergleich zu der Jahrtausendwende hat sich vor allem verändert, dass der Aufbau von Unternehmen jetzt nachhaltiger abläuft und die Sucht nach dem schnellen Geld dabei abnimmt.

Uns jungen Gründern steht eine tolle Zeit bevor, denn von Gründerinstituten bis hin zu Wettbewerben entstehen immer mehr Möglichkeiten für Talente, ihre Ideen zu Unternehmen zu machen. Ich sehe mich selbst als ein universaler Gründer. Ich habe einen Willen zum Aufbruch, habe Mut zur Veränderung,

Mich fasziniert es, Ideen auf einfache und effektive Weise umzusetzen. Dabei Funktionalität, Technologie und Design auf effektive Weise zu verbinden, ist mein Anspruch an eine neue Generation von Innovationen und Start-Ups. Vom Frühstückautomaten über neue Lenkräder bis hin zu Handtaschen."

Roland Rataj, 19: "Wir gehen Risiken ein - aber nicht wahllos"

"Ich habe vergangenes Schuljahr mit Freunden bei "Jugend gründet" teilgenommen, unsere Idee: Ein Schuh, der während dem Laufen klimaneutral Energie erzeugt, mit der man Smartphones oder Mp3-Player aufladen kann. Wir haben damals eine umfangreiche Marktrecherche durchgeführt und es gab bis dahin lediglich einen chinesischen Erfinder, der durch eine Art Wasserdynamo versucht hat, mit einem Schuh Strom zu produzieren.

Mit der von uns entdeckten Marktlücke haben wir den ersten Platz belegt. Warum wir gewonnen haben? Weil wir das beste Gesamtkonzept hatten und uns bis ins kleinste Detail vorbereitet haben. Dadurch zeichnet sich schließlich unsere derzeitige Gründergeneration aus. Wir gehen Risiken ein - aber nicht wahllos.

Als Gewinn bei 'Jugend gründet' durften wir für eine Woche in das amerikanische Silicon Valley fliegen und die Gründerszene Kaliforniens erkunden. An der 'Singularity University' in der Region dort lautet das Motto: Wie können wir eine Milliarde Menschen in einem Jahr beeinflussen?

Wenn alles klappt, wird ein Schuh draus

Mich hat dieser Satz stark beeindruckt. Denn wir jungen Gründer zeichnen uns dadurch aus, dass wir Innovationen im Sinne der Gesellschaft schaffen wollen. Spannend ist für uns nicht die Frage, was möglichst viele beeinflussen kann, sondern: Was brauchen wir im 21. Jahrhundert eigentlich noch? Gründer sollten Probleme wie den Klimawandel als Herausforderung verstehen, die nur durch Innovationen gelöst werden können.

Auch im Internet ist der Markt noch nicht ausgeschöpft. Wenn ein Großteil der Menschen das mobile Internet nutzen wird, lässt das meiner Meinung nach viel Spielraum für weitere Innovationen.

Ich persönlich könnte mir gut vorstellen, als Unternehmensgründer mein Geld zu verdienen. Ich will jedoch erst einmal ein Studium beginnen, denn ich bin nicht so naiv zu glauben, dass ich jetzt einfach mal so ein erfolgreicher Unternehmensgründer werden kann. Aber ich finde die Idee reizend, dass ich eines Tages mein Geld mit einem Schuh verdienen werde, der Energie produziert. Wir sind da bereits in Gesprächen mit Experten, ob unser Konzept wirklich technisch umsetzbar ist. Denn erneuerbare Energien sind ja derzeit stark im Kommen."

Florian Demaku, 21: "Wir brüten unsere Ideen nicht mehr still im Keller aus."

"Angefangen hat alles in der Schule. Dort habe ich zusammen mit drei Mitschülern an einem Informatikprojekt gearbeitet. Das hat uns von Anfang an großen Spaß gemacht. Wir haben dann beschlossen, das einfach fortzusetzen und nach und nach ist daraus die Firma CodingCorsairs entstanden. Wir bieten IT-Dienstleistungen an und entwickeln eigene Internetprojekte wie beispielsweise Websites, auf denen wir Tipps für das Abitur  oder die Schülerverwaltung  geben.

Wir probieren dabei bewusst viel Neues und schauen nicht ständig auf das Finanzielle. Würden wir das anders machen, könnten wir sicher davon leben - aber nicht so gut, wie wir es gern würden. Denn der Markt rund ums Webdesign ist auch schon gut abgedeckt. Derzeit studiere ich Informationswirtschaft am Karlsruher Institut für Technologie.

Es hilft uns sehr, dass wir in der Schülervertretung aktiv waren. Das prägt unser unternehmerisches Handeln bis heute. Denn schließlich wollen wir gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.

Alte Firma auflösen, neue gründen

Es beeindruckt mich immer wieder, dass man heute für eine erfolgreiche Gründung gar nicht viel braucht. Ein Laptop und Know-How bringen einen schon weit. Früher waren die Hürden höher, da brauchte man in vielen Bereichen Maschinen oder Personal. Aber heute ist viel Wissen frei im Internet verfügbar. Das verändert auch uns junge Gründer: Wir sind vernetzter und brüten unsere Ideen nicht mehr still im Keller aus. Wir kommunizieren viel und helfen uns gegenseitig.

Websites wie Facebook oder Twitter sind für mich der Beweis, dass das Potenzial des Internets noch lange nicht ausgeschöpft ist. Ich glaube, dass wir bei vielen Entwicklungen gerade erst am Anfang stehen. Es kommt darauf an, kreativ zu sein und Neues zu bieten. Gerade die Herausforderung unkonventionelle und innovative Ideen zu verwirklichen, macht das Unternehmertum so interessant für mich.

Ich werde vermutlich bald die CodingCorsairs auflösen und eine neue Firma gründen. Sie wird Mecodia GmbH heißen und neben zwei großen Internetprojekten, an denen ich derzeit arbeite, werden wir uns vor allem im Bereich Jugendbildung und Medienpädagogik engagieren."

David Penner, 19: "Der Dünger-Plan scheitert an der Realität"

"Ich bin noch Schüler, habe aber schon einige Erfahrungen als Unternehmer sammeln können. Ich habe zusammen mit meinem Bruder eine Handelsidee entwickelt: Wir haben geplant, der Industrie CO2 abzukaufen. Denn wir dachten, der Handel mit CO2-Zertifikaten könnte ein lohnenswertes Geschäft sein. Dabei wollten wir das CO2 umweltfreundlich in der Landwirtschaft beispielsweise als Dünger entsorgen.

Wir haben damit letztes Jahr bei dem Wettbewerb 'Jugend gründet' teilgenommen und kamen ins Finale. Am Ende schafften wir es auf den siebten Platz - ein tolles Ergebnis für uns. Dass aus unserer Idee später mal ein profitables Geschäfts wird, denke ich allerdings nicht. Denn unser Plan kann in der Realität nicht funktionieren: Man kann CO2 nicht einfach mit Dünger mischen und so aus der Welt schaffen.

Denn letztendlich bleibt das Gas ja trotzdem in der Umwelt erhalten und gelangt irgendwann wieder in die Atmosphäre. Und profitabel wäre das Geschäft erst ab 100.000 Tonnen CO2 jährlich - das sind Dimensionen, die unsere Möglichkeiten übersteigen.

Unternehmensgründung

Aber um die Entwicklung eines realen Geschäfts geht es bei 'Jugend gründet' vorrangig gar nicht, sondern vor allem um das Sammeln von Erfahrungen für eine spätere - wirkliche . Und die Energie gehört zu unseren Grundbedürfnissen. Auf diesem Feld gibt es also gute Zukunftsaussichten - auch für mich."