Studie zur Bildungspolitik Bundesregierung: Setzen, vier minus!
Grundschule in Brandenburg (Archivbild): Schlechte Noten für die Bildungspolitik der vergangenen fünf Jahre
Foto: Patrick Pleul/ picture-alliance/ ZBSetzen, vier minus: Ein schlechtes Zeugnis stellt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) der Bundesregierung für Teile ihrer Bildungspolitik aus. Vor allem bei Schülern und Auszubildenden, die die Schule oder Lehre ohne Abschluss abbrechen, habe die Bunderegierung die selbstgesteckten Ziele bisher verfehlt - und es sei auch nicht abzusehen, wann sich die Bilanz bessern werde. Laut DGB-Bildungsbericht liegt die Zahl der jungen Erwachsenen ohne Schul- oder Berufsabschluss bei 13,8 Prozent.
Die Zahlen stammen aus der Studie "Bildungsgipfel-Bilanz 2014" , die der DGB vom Essener Bildungsforscher Klaus Klemm anfertigen ließ. Im Oktober 2008 hatten Bund und Länder in Dresden einen Bildungsgipfel durchgeführt und zahlreiche bildungspolitische Ziele verkündet, die bis 2015 erreicht werden sollten. Damals fiel auch erstmals das Schlagwort von der "Bildungsrepublik Deutschland". Klemm analysierte nun, wie es um die damals verkündete Ziele steht - und diese Bilanz fällt schlecht aus:
- Die Quote der Schulabgänger ohne Abschluss sollte von acht auf vier Prozent sinken. Tatsächlich lag sie 2014 bei 5,7 Prozent, die angestrebte Halbierung bis zum kommenden Jahr sei "nicht absehbar", heißt es in der Studie.
- Auch das Ziel, die Zahl junger Erwachsener ohne abgeschlossene Berufsausbildung zu halbieren, sei "nicht in Sicht". Die Quote lag 2013 bei 13,8 Prozent und damit weitab der angestrebten 8,5 Prozent. Es bestehe "kein Anlass, optimistisch in die nähere Zukunft zu blicken".
- Die gesamten Bildungsausgaben sollten bis 2015 auf zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts ansteigen, so die Ankündigung im Herbst 2008. Tatsächlich lagen sie 2012 erst bei neun Prozent. Die Bildungsforscher zeigen sich auch in diesem Punkt "wenig optimistisch".
- Fortschritte sieht der Bericht dagegen beim Ausbau der Kinderbetreuung für unter Dreijährige. Außerdem seien die beim Bildungsgipfel 2008 formulierten Zielquoten für den Anteil der Studienanfänger je Jahrgang "weit übertroffen" und die Weiterbildungsbeteiligung unter Berufstätigen "nahezu erreicht" worden, resümiert Klemm.
Insgesamt zeichne sich die deutsche Bildungspolitik jedoch nach wie vor durch eine "soziale Schieflage" aus. So kommen ausgerechnet Arbeitslose, Migranten sowie Menschen ohne Berufsausbildung bei der Weiterbildung kaum zum Zug, heißt es in dem Bericht. Unter den Studenten bleibe der Anteil aus Arbeiterfamilien mit 27 Prozent zu gering.
"Diese Entwicklung macht deutlich: Im deutschen Bildungssystem wird das Auseinanderklaffen zwischen der Lage von Begünstigten und der von Benachteiligten weiter verfestigt und immer wieder reproduziert", bilanziert Klemm. Ein Ergebnis, zu dem auch andere Untersuchungen immer wieder kommen. Zudem fehlten insgesamt die ökonomischen Ressourcen für den weiteren Ausbau des Bildungssystems.
Um Abhilfe zu schaffen, fordert der Gewerkschaftsbund deshalb einen neuen Bildungsgipfel. "Bund, Länder und Kommunen müssen zusammen mit den Sozialpartnern eine gemeinsame Bildungsstrategie entwickeln. Ansonsten droht unsere Gesellschaft, ihre Zukunftsfähigkeit zu verlieren", sagte die DGB-Vizevorsitzende Elke Hannack. Die vermeintliche Bildungsrepublik Deutschland jedenfalls bleibe bisher ein sozial gespaltenes Land.