Forderung von Hamburger Eltern Gute Grundschüler sollen die zweite Klasse überspringen
Grundschüler (Archivbild)
Foto: Peter Steffen/ dpaEinige Kinder können schon lesen und schreiben, wenn sie in die Schule kommen - andere lernen dort erst die Buchstaben kennen. In Hamburg sollen Grundschüler, die dem Lernstoff voraus sind, deshalb direkt von der ersten in die dritte Klasse wechseln dürfen. Das hat die Hamburger Elternkammer der dortigen Schulbehörde vorgeschlagen.
Dabei soll das Konzept der "flexiblen Schuleingangsphase" den Klassenwechsel erleichtern. Dieses ermöglicht Kindern, die Inhalte der ersten zwei Grundschuljahre individuell in ein bis drei Jahren zu erlernen.
Schüler, denen es "ein bisschen schwerer fällt", hätten dann mehr Zeit, sich denselben Lernstoff in drei Jahren anzueignen, sagte die Vorsitzende der Elternkammer, Antje Müller, dem NDR . Kinder kämen mit sehr unterschiedlichen Ausgangslagen in die Schule, erläuterte sie auch mit Blick auf Kinder mit Migrationshintergrund, die etwa noch Probleme mit Deutsch hätten.
Durch die "flexible Schuleingangsphase" sollen die Kinder ihre unterschiedlichen Startbedingungen ausgleichen können, ohne ihre sozialen Kontakte zum Klassenverband zu verlieren. In jahrgangsübergreifenden Klassen bleiben die Kinder - unabhängig davon, wann die Kinder in die dritte Klasse wechseln - mit einem Teil ihrer Lerngruppe zusammen.
Pilotprojekt zuvor gescheitert
Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) zeigte sich offen für das Konzept. "Ich finde die Idee sehr gut", sagte er. Es gebe tatsächlich Schüler an den Grundschulen, die vom Lernstand her drei Jahre auseinander seien.
Allerdings habe er vor fünf Jahren ein solches Pilotprojekt starten wollen, aber keine Grundschule gefunden, die habe mitmachen wollen. Der Schulsenator sagte nun einer erneuten Prüfung zu.
Auch der Chef der Kultusministerkonferenz (KMK), Helmut Holter, begrüßte den Vorschlag. "Das Modell ermöglicht, die immer größeren Unterschiede im Vorwissen der Schülerinnen und Schüler besser zu berücksichtigen", sagt der Linke-Politiker in Erfurt. So könne sowohl Über- als auch Unterforderung verhindert werden. Die Kultusministerkonferenz habe bereits im Jahr 2002 empfohlen, dass die ersten beiden Schuljahre in ein bis drei Jahren durchlaufen werden können.
In einigen Ländern bereits möglich
Die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sieht den Vorschlag aus Hamburg kritisch. "Vier Jahre Grundschule sind aus meiner Sicht für die Entwicklung der Kinder grundsätzlich sinnvoll und wichtig", erklärte sie. "Es sollte nicht darum gehen, Kinder schnellstmöglich durch die Schule zu schleusen. In Einzelfällen ist der Ansatz aus Hamburg aber durchaus denkbar."
In Schleswig-Holstein etwa gibt es seit 2004 eine flexible Eingangsstufe: Grundschulkinder können dort den ersten und zweiten Jahrgang in ein bis drei Jahren absolvieren. Auch in Sachsen-Anhalt ist das möglich. An bayerischen Schulen wird das Konzept ebenfalls bereits ausprobiert. Die Grundschulzeit würde somit je nachdem drei bis fünf Jahre dauern.