Hessen: Abi-Patzer erbost Eltern und Schüler - DER SPIEGEL
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Hessen Abi-Patzer erbost Eltern und Schüler

Die Mathe-Panne beim hessischen Zentralabitur hat bei Schülern und Eltern eine Welle von Empörung und Protest ausgelöst. Jetzt wird darüber gestritten, ob die misslungene Prüfung nachgeholt werden soll.
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Frankfurt am Main - Es herrscht Verwirrung bei den 15.000 betroffenen Schülern und ihren Familien: Während der Landeselternbeirat den Schülern lieber keine erneute Mathe-Arbeit zumuten will, verlangte die Landesschülervertretung die Möglichkeit zu freiwilligen Nachprüfungen.

Abiturienten in Deutschland: Prüfungspannen sorgen immer wieder für Aufregung

Abiturienten in Deutschland: Prüfungspannen sorgen immer wieder für Aufregung

Foto: DDP

Es reiche nicht aus, bei den fehlerhaft formulierten Aufgaben auch eine zweite mögliche Lösung zu akzeptieren, erklärte Landesschülersprecherin Katharina Horn in Kassel. So hätten sich einige Schüler an den missverständlichen Aufgaben festgebissen. Eine landesweite Vergleichbarkeit sei nicht mehr gegeben. Man werde auch juristische Schritte gegen die Wertung der Klausur prüfen. Horn forderte zudem ein Ende des Zentralabiturs.

Am Freitag waren in den zentral gestellten Mathe-Arbeiten für rund 15.000 hessische Abiturienten mehrere Fehler entdeckt worden. Erarbeitet wurden die Aufgaben von einem Fachlehrergremium. Nach Angaben des Ministeriums überprüft eine andere Gruppe die Aufgaben dann noch einmal. Die Fehler waren erst am Freitagmorgen entdeckt worden, als die Fachlehrer in den Schulen die Aufgaben erstmals zu Gesicht bekamen.

Schüler wurden zu spät informiert

Fehler fanden sich sowohl in den Prüfungen für die Leistungskurse als auch in denen für die Grundkurse. Das Ministerium hatte noch während der Klausuren versucht, die Schulen zu alarmieren. Dies hat nach Aussage Horns nicht überall geklappt. Teilweise sei gar nicht oder erst ganz knapp vor Ende der Klausuren über die falsche Aufgabenstellung informiert worden.

Die Oppositionsparteien reagierten mit scharfer Kritik an der Schulverwaltung. Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) erneuerte am Samstag im nordhessischen Hofgeismar ihr Versprechen, dass keinem Schüler ein Nachteil entstehen werde. Der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sagte die Politikerin, dass auch eine zeitnahe Wiederholung der Prüfungen in Frage komme. Andere Möglichkeiten seien die Anerkennung von Alternativlösungen oder die Herausnahme der Aufgabe aus der Wertung.

Bereits im vergangenen Jahr hatten Prüfungspannen in mehreren Bundesländern für Aufregung gesorgt. So erhielten in Nordrhein-Westfalen Abiturienten, die am "Oktaeder des Grauens" scheiterten, eine zweite Prüfungschance. In Berlin mussten 28.000 Zehntklässler einen Mathe-Test noch einmal schreiben, weil einige die Aufgaben schon vorher kannten. Und in Baden-Württemberg sagte das Kultusministerium einen zentralen Vergleichstest für 34.000 Achtklässler ab - weil ein Lehrer die Aufgabe Schülern verraten hatte.

Lehrer kamen immer wieder mit neuen Infos

Die Vorsitzende des Landeselternbeirats, Kerstin Geis, wies auf die psychischen Folgen für die Schüler hin: Der Wirbel um die fehlerhaften Aufgaben beschere den Abiturienten ein hohes Maß an Unsicherheit, mit dem sie zusätzlich zum Druck und der Anspannung fertig werden müssten. Vor diesem Hintergrund sollten ihnen keine Nachteile entstehen.

Für die Patzer zeigte die Elternvertreterin wenig Verständnis: "Man darf von den mit der Prüfung Befassten erwarten, dass sie ihre Hausaufgaben machen, wie man das von Schülern auch erwartet: sauber, sorgfältig, korrekt." Danach werde auch die Leistung von Schülern bewertet und benotet.

Im Internet diskutierten die Schüler selbst heftig über den Vorgang. Im Netzwerk "SchülerVZ" schrieben Abiturienten, dass sie durch die Fehler in der Aufgabenstellung viel Zeit verloren hätten. Immer wieder seien ihre Lehrer mit neuen Informationen über die Korrekturen zu ihnen gekommen. Ein anderer schrieb, dass er nach 20 Minuten neu mit einer Aufgabe anfangen musste, weil ihm erst dann ein Fehler auffiel. Auch die Forderung nach einer Wiederholung der Prüfungen war zu lesen.

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