Informatik in echt: Schwerer Systemstart - DER SPIEGEL
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Informatik in echt Schwerer Systemstart

Dass Informatik nicht nur Programmieren bedeutet, erfuhr Jan Wilamowski, 20, gleich im ersten Semester. Bevor er seine Leidenschaft für Rechner ausleben konnte, musste er sich mit Physik, Englisch und BWL herumschlagen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Informatiker sind computergeile Grottenolme in abgedunkelten Räumen - manchmal begegne ich diesem Klischee. Bei uns an der Fachhochschule laufen tatsächlich einige Freaks rum. Doch die meisten Studenten ziehen soziale Kontakte einer Liebschaft mit ihrem Computer schon noch vor.

Trotzdem gehört Leidenschaft für den Rechner zur Informatik. Gesucht werden keine Zocker oder Internet-Gurus, die sich hinter ihren Bildschirmen verkriechen. Wichtig ist, mit dem Computer vertraut zu sein, seine Möglichkeiten zu begreifen und darüber mit anderen Menschen auch kommunizieren zu können.

Als ich an die Uni kam, hatte ich keine Vorstellungen von den Inhalten. Ich war ziemlich enttäuscht, dass in meinem Stundenplan kaum Informatik auftauchte. Stattdessen standen Physik und Englisch, BWL und Recht auf dem Programm - das war nicht wirklich meine Welt.

Das Erwachen war böse, als die ersten Prüfungsergebnisse kamen. Die Tests waren nicht besonders schwer, doch ich hatte mir bessere Resultate gewünscht. Heute würde ich sagen: Schwierigkeiten beim Systemstart. Es braucht viel Disziplin, um beim Informatikstudium am Ball zu bleiben. Man muss lernen, verstehen, behalten - und alles baut aufeinander auf.

Das Fach Informatik

Mittlerweile kommen mir die Inhalte nicht mehr so fremd vor. Seit dem dritten Semester wird mehr Augenmerk auf die eigentliche Informatik gelegt und wir arbeiten praxisbezogen. Trotzdem: die Theorie wird immer dazu gehören.

Wer Informatik studieren will, ganz egal ob an Uni oder FH, sollte genau wissen, was er da will. Von 70 Studenten hat die Hälfte das Studium geschmissen - nach nur zwei Semestern. Wer keine Eigeninitiative zeigt, scheidet schnell aus. Keiner muss schon im Kindergarten komplizierte Programme entwickelt haben, aber er sollte Interesse für den Computer zeigen. Nur so überstehe ich auch die schwierigeren Phasen im Studium."

Aufgezeichnet von Marc Röhlig

Im zweiten Teil: Welche Teilbereiche es gibt, was Universitäten und Fachhochschulen unterscheidet - das Studium der Informatik im Überblick

Kurzbeschreibung: Informatik

Informatik ist die Wissenschaft von der maschinellen Verarbeitung von Information, und zwar der Speicherung und Übermittlung von Daten mit Hilfe von Computern. Die Informatik ist eng mit Mathematik und Elektrotechnik verbunden, ist aber auch als eine Querschnittsdisziplin zu verstehen, die sich nicht nur um technische Probleme kümmert, sondern auch die organisatorischen oder gar die sozialen Auswirkungen von Computern berücksichtigt.

Sie erforscht die Informationsverarbeitung in den verschiedensten Bereichen. Sie geht durch Abstraktion und Modellbildung sowohl über die Computertechnik als auch über die Softwaretechnik hinaus und formuliert allgemeine Gesetzmäßigkeiten. Daraus entwickelt sie Standardlösungen für die Aufgaben der Praxis, zum Beispiel für die Verwaltung großer Datenbanken oder der Steuerung komplexer Produktionsabläufe in Unternehmen.

Informatik wird in Deutschland seit Ende der sechziger Jahre als Studienfach angeboten. An Universitäten heißt der Studiengang Informatik und ist unabhängig von speziellen Ausrichtungen, während sich Studiengänge an Fachhochschulen meist auf spezielle Anwendungen konzentrieren. An der Universität bleibt das Grundstudium allgemein, im Hauptstudium folgt dann die Vertiefung in:

  • Theoretische Informatik
  • Praktische Informatik
  • Technische Informatik
  • Angewandte Informatik
Über diese Disziplinen hinaus geht es in einem Informatik-Studium heutzutage immer auch um die Problem-Bereiche Künstliche Intelligenz, Automatisches Beweisen, Expertensysteme, sprachliche und visuelle Kommunikation sowie Robotik. In fast allen Studiengängen kann man außerdem zusätzliche Schwerpunkte und Vertiefungen wählen, die stark anwendungsbezogen sind, etwa Softwareentwicklung oder Wirtschaftsinformatik. Studiengänge, die Theorie und Praxis eng verzahnen, gibt es sowohl an Universität wie Fachhochschule, so zum Beispiel

  • Softwaretechnik
  • Technische Informatik (auch Ingenieur-Informatik)
  • Wirtschaftsinformatik
Daneben gibt es weitere Studienangebote, die noch stärker spezialisiert sind, etwa:

  • Medieninformatik oder Computervisualistik
  • Medizinische Informatik
  • Bioinformatik
  • Geoinformatik
  • Computerlinguistik
  • Angewandte Systemwissenschaft, verbunden mit Mathematik und einem Anwendungsfach, bezogen z.B. auf mathematische Modelle für Umweltschutz/Ökologie.
Ziel aller Informatik-Studiengänge ist es, Modelle zur Beschreibung komplexer Systeme entwickeln zu können. Um einsatzfähige Programme zu schreiben, sollten Studenten erkennen können, welche Faktoren bei einem mathematischen Problem wichtig sind und müssen für Detailprobleme algorithmische Lösungen finden. Das erfordert nicht nur gute analytische Fähigkeiten und fundierte Kenntnisse leistungsfähiger Programmiermethoden, sondern auch ein breites Fundament von Begriffen, Modellen und Verfahren aus Mathematik, Logik und theoretischer Informatik sowie Grundkenntnisse über den logischen und technischen Aufbau von Rechnern.

An der Universität werden grundsätzliche Lösungen, allgemeine Methoden sowie neue Verfahren und Anwendungen gesucht. Beim Studium an Fachhochschulen werden erprobte Methoden und Verfahren auf konkrete Probleme der Praxis angewendet.

Beschäftigungsmöglichkeiten

Beschäftigung finden Informatiker vor allem bei Unternehmen der Datenverarbeitung und Computertechnik (Hardware und Software) und bei Herstellern von Systemen der Informations- und Telekommunikationstechnik (IT-Systemen) und Dienstleistungsunternehmen in diesem Bereich. Dazu zählen Softwarehäuser, Beratungsunternehmen und Anwenderbetrieben, das heißt die IT-Abteilungen von Unternehmen jeder Branche.

Informatiker können in diesen Bereichen forschen und entwickeln, Produktionen planen und steuern, Netzwerke betreuen oder Betriebe organisieren. Daneben gewinnen die Bereiche Gesundheitswesen (E-Health), Verwaltung (E-Government) und Sicherheitstechnik an Bedeutung.

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