Jugend hinter Gittern: Die Schule, mein erster Bruch - DER SPIEGEL
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Jugend hinter Gittern Die Schule, mein erster Bruch

Er rauchte ein paar Joints und zog los: einbrechen - in die eigene Schule. Jetzt sitzt Anton im Gefängnis. Zusammen mit anderen jungen Gefangenen schrieb er über seine Kindheit, seine Verbrechen, sein Pech. "Wir sagen aus" - eine Serie über Jugendkriminalität.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

So fing alles an

"Ich hatte schon oft von Einbrüchen in unserer Gegend gehört. Es war meine Idee, bei uns in die Schule einzusteigen, aber mein Mittäter wollte es auch. Wir sahen das als eine Lösung für das momentane Geldproblem, das wir hatten.

Am Morgen blieb ich im Bett, um ausgeschlafen zu sein. Meiner Mutter erzählte ich, dass ich frei hätte. Nachmittags fuhr ich zu meinem Freund, wir kifften den ganzen Tag und hatten uns null auf die Aktion vorbereitet. Ich weiß nicht mehr, wie spät es war. Zumindest starteten wir spät.

Das Herz raste, je näher wir unserem Tatort kamen. Leichte Zweifel machten sich bei mir breit, aber ich wollte keine Angst zeigen. Erst dort angekommen wurde uns bewusst, dass wir kein Werkzeug hatten. Ich sah einen Stein, mit dem ich das Fenster im Büro einschlug. Mit Socken an den Händen, um keine Fingerabdrücke zu hinterlassen. Mit einem Feuerzeug erhellten wir die Sicht, rissen die Schubladen auf und traten die Türen ein. Wir ergatterten knapp 1000 DM in bar. Von da an hatte ich Blut geleckt."

So hörte alles auf - der letzte Morgen

"Meine letzte Tat beging ich in der Nacht vor meiner Inhaftierung. Seit einiger Zeit war ein Haftbefehl gegen mich offen. Es war ein Tag wie jeder andere. Mein Mittäter holte mich am frühen Nachmittag ab und wir planten unseren nächsten Bruch. Ohne Scheiß, wir wussten uns nicht mehr zu helfen, waren schon überall gewesen.

Mir ist dann eine Sache durch den Kopf gegangen, es war eine misslungene Aktion auf eine Firma, die wir dieses Mal reißen könnten. Der Plan war da. Wir vertrieben uns die Langeweile bei einem Kumpel mit harten Drogen.

Nachts ging es los, wir holten unsere Ausrüstung aus einem in der Nähe gelegenen Waldstück und fuhren von dort aus auf dem direkten Weg zum Zielort. Zu unserer Überraschung war die Firma mit neu ausgerüsteten Schulungsräumen ausgestattet, was sehr gelegen kam, weil wir sofort Abnehmer für die Ware hatten.

Am nächsten Tag wurde ich von meinem Handy geweckt. Ein Dealer war dran und bestellte mich zu ihm. Vorher wollten wir noch einmal zum Arzt, um ein Attest für meinen Mittäter zu besorgen, und an der Tanke halten.

Wie es das Schicksal so wollte, waren die Bullen auch dort. Sie fragten nach unseren Ausweisen und nahmen mich fest."