Jugend hinter Gittern: Drogensucht und Liebeskummer - DER SPIEGEL
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Jugend hinter Gittern Drogensucht und Liebeskummer

Er verliebte sich in eine 24-Jährige, da war Antony gerade 15. Mit ihr nahm er Ecstasy, der Weg in die Sucht begann und in die Kriminalität. Im Gefängnis schreibt er seine Geschichte auf, zusammen mit anderen Gefangenen. "Wir sagen aus" - eine Serie über Jugendkriminalität.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Ich musste lange überlegen, wann es angefangen hat, dass ich den Anschluss an die Welt verloren habe, und ich muss sagen, dass es viele Schlüsselmomente gab, an denen ich den Anschluss immer wieder verloren habe. Ich habe mich dennoch für eine Geschichte meines Lebens entscheiden können.

Alles fing damit an, dass ich eine Frau kennenlernte. Ihr Name war Christin. Sie war 9 Jahre älter als ich und hatte einen dreijährigen Sohn. Sie war 24 und ich 15 Jahre alt. Nach längerer Zeit führten wir eine feste Beziehung. Das sollte der Beginn von meinem seelischen Ende werden. Ich war 15 und natürlich von einer 24-jährigen hübschen Frau total fasziniert.

Die ersten zwei Monate der Beziehung waren für mich der Himmel auf Erden. Ich hatte meiner Mutter die Situation erklärt und ihr gesagt, dass ich ein paar Wochen bei ihr wohnen würde. Meine Mutter warnte mich. Sie sagte, "Sie wird dir wehtun, sei nicht blind. Was will eine 24-Jährige mit einem 15-Jährigen?"

Monate im Drogenrausch

Das war absolut nicht das, was ich hören wollte und deshalb schenkte ich den Worten meiner Mutter auch keinen Glauben. Wie schon gesagt, war die erste Zeit gut, doch eines Tages, als wir gerade im Auto saßen, holte sie aus der Seitentasche der Fahrertür einen kleinen Beutel mit vier Pillen raus.

"Hast du das schon mal genommen?", fragte sie und hielt mir das Ecstasy entgegen. "Nein, gesehen schon, aber noch nicht genommen", entgegnete ich. "Hast du Lust?", fragte sie mich darauf, und ich antwortete: "Klar, warum nicht?"

Es dauerte lange, bis es wirkte. So lange, dass ich fast nicht mehr damit gerechnet hätte. Und genauso wenig habe ich mit so einem "Flash" gerechnet. Ich habe mich so gut gefühlt wie noch nie zuvor. Ich war total glücklich und die Musik wirkte auf einmal ganz anders auf mich ein.

Ein paar Tage später wollte ich nochmal diesen Kick haben, und Christin erfüllte mir diesen Wunsch. Es dauerte nicht lange, bis es fast täglich zu diesen Kicks kam. Nach einem harmonischen halben Jahr erwachte ich aus dem zauberhaften Traum einer nahezu perfekten Beziehung, als ich Christin dabei erwischte, wie sie mich mit einem anderen Mann betrog. Sie versprach, dass so etwas nie wieder vorkommen würde, und ich glaubte es ihr. Ich war machtlos, denn sie hatte mich in der Hand. Nun sah sie mich als Spielzeug, und sie beherrschte dies wie keine andere.

Anschluss verloren

Immer öfters passte ich zwei, drei Tage am Stück auf ihren Sohn auf. Ich fing an, regelrecht hinter ihr her zu schnüffeln, und was ich dabei manchmal entdeckte, passte mir gar nicht. Irgendwelche SMS von irgendwelchen Kerlen. Doch für mich offensichtlich nicht genug.

Ich habe meine ganze Kraft investiert, um das zu retten, was nicht mehr zu retten war. Eines Abends waren wir auf einer Party, und dort schlief sie sogar mit einem Typ direkt neben mir, als ich mich in ein Nachbarzimmer legte, um meinen Rausch auszuschlafen. Ich stand auf und ging aus der Wohnung und aus ihrem Leben. Doch für mich war es noch nicht vorbei.

Ich ging zu einem Kumpel und kaufte mir erst mal Drogen. Als es am nächsten Tag alle war, ging ich wieder zu ihm und den Tag darauf auch. Wieder und wieder. Mal kaufte ich dies, mal das. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mich verändert und den Anschluss an die Welt verloren. "