Jugend im Rausch Blau statt high
Der Alkoholmissbrauch unter deutschen Schülern habe ein alarmierend hohes Niveau erreicht, sagte die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD). Einer am Donnerstag vorgestellten Schülerstudie zufolge trinken zwei Drittel aller Neunt- und Zehntklässlern regelmäßig Bier, 2003 waren es noch 56 Prozent.
Mehr als jeder Zweite aus dieser Altersgruppe greift auch zu Schnaps, obwohl Spirituosen für sie noch verboten sind. Diese Gruppe ist deutlich gewachsen: 2003 waren es noch 53 Prozent, jetzt sind es 57 Prozent der knapp 12.500 befragten Jugendlichen.
"Diese Zahlen unterstreichen das Vollzugsdefizit im Jugendschutz", sagte Bätzing. In Geschäften, Supermärkten und an Tankstellen müsse schärfer überprüft werden, wer Alkohol kauft. "Es ist dringend notwendig, den Jugendschutz wirkungsvoll und effizient zu kontrollieren. Die bisherigen Instrumente sind offensichtlich unzureichend", so Bätzing. Rund 19 Prozent der Neunt- und Zehntklässler gaben an, dass sie in den vergangenen 30 Tagen ein- oder mehrmals Spirituosen einkaufen konnten.
Saufen, Schlagen, Sex
Beim Besaufen bleibt es nicht immer: Jeder fünfte Junge in der Studie gab an, durch den Alkohol in eine gewalttätige Auseinandersetzung verwickelt worden zu sein. Rund acht Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler hatten unter Alkoholeinfluss Sex ohne Kondom.
Gut fand die Drogenbeauftragte Bätzing, dass die deutschen Jugendlichen weniger rauchen und kiffen: Der Tabak- und Haschischkonsum von Schülern sank von rund 47 Prozent 2003 auf rund 37 Prozent. Nur noch acht Prozent der Jugendlichen gaben an, in den vergangenen 30 Tagen Haschisch konsumiert zu haben. 2003 waren es noch 14 Prozent. Bätzing führt den Rückgang auf die Anstrengungen von Bund und Ländern zurück, den Konsum von Tabak und Haschisch zu bekämpfen.
An der "Europäischen Schülerstudie zu Alkohol und anderen Drogen" (ESPAD) nahmen Schülerinnen und Schülern der neunten und zehnten Klasse aus Bayern, Berlin, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, dem Saarland und Thüringen teil. Deutschland machte zum zweiten Mal mit.
maf/dpa, AP, ddp