Junge Medienmacher Mut zur Lücke
Das Redaktionsbüro liegt in einem Gewerbegebiet in Holzkirchen bei München. Ein Zimmer unterm Dach, 20 Quadratmeter groß mit zwei Schreibtischen, Telefon, Laptop. In den Ecken stapeln sich Kisten mit Zeitschriften und Heften. Hier haben Max Grün und Marco Schröder in den letzten Monaten ihre Zeit verbracht und manchmal bis in die Nacht am Design und Inhalt der ersten Ausgabe ihres eigenen Karrieremagazins gefeilt.
Der Einsatz hat sich gelohnt, glauben die beiden jungen Medienmacher und sind felsenfest davon überzeugt, dass "Absolut Karriere" bei den Lesern ankommen wird: "Weil es noch kein Karrieremagazin für Abiturienten gibt an den Schulen, das auch von jungen Menschen gemacht wird", sagt Max Grün, "wir wissen noch ganz gut, wie man sich fühlt, welche Ängste man hat, wo die Sorgen liegen. Oft ist es ja so, dass sich ältere Menschen überlegen, welche Marktlücke kann man noch besetzen und dann noch ein Magazin lancieren - wir sind die Zielgruppe selbst."
"Absolut Karriere" will bei der ersten Orientierung für das Leben nach der Schule helfen. Da hat man sich die ganze Zeit auf das Abi konzentriert, und wenn diese Hürde endlich genommen ist, steht man plötzlich in einem Dschungel von Möglichkeiten. Da gibt es viele Fragen, aber nur wenig Antworten, wie die beiden aus eigener Erfahrung wissen.
Münchner Jugendmagazin als Vorläufer
"In der Abizeit haben wir gemerkt: Alle lernen nur stur auf das Abitur zu und haben keine genaue Vorstellung, wo es danach hingehen soll. Kaum jemand hat sich mit dem Thema befasst: Was mache ich nach dem Abi? Welches Studium passt zu mir, mache ich eine Ausbildung und solche Fragen?", so Max. Viel habe es da nicht gegeben, "außer dass der Berufsberatungslehrer mal zwei Veranstaltungen organisiert hat". Die beiden dachten über einen Ratgeber nach, welche Möglichkeiten es gibt, "um seine Zeit sinnvoll und spannend zu gestalten".
Geplant sind drei Ausgaben pro Jahr. Mit Erfahrungsberichten von Leuten, die eine interessante Karriere hingelegt haben - so gibt es in der ersten Ausgabe Interviews mit Rennfahrer Ralf Schumacher, Familienministerin Renate Schmidt und der Boxweltmeisterin Regina Hallmich. Neben den Promis kommen aber auch Leute zu Wort, die gerade am Anfang ihrer Berufslaufbahn stehen: zum Beispiel eine junge Dolmetscherin, die momentan in Tokio arbeitet, oder ein Student, der in Maastricht E-Business studiert.
Ergänzt werden die Erfahrungsberichte durch wichtigen Adressen, Ansprechpartner und Links, die es einfacher machen, in die Fußstapfen des Vorbildes zu treten. Wie mühsam es ist, die ersten Kontakte allein zu knüpfen, wissen die beiden Jungverleger selbst noch ganz gut. "In der 11. Klasse habe ich zusammen mit ein paar Freunden in München 'Absolut' gegründet, ein Jugendmagazin, das politische Inhalte hatte und Lifestyle", erzählt Marco Schröder.
"Wir wollen unseren Horizont erweitern"
Die Herstellungskosten wurden damals aus dem Anzeigenverkauf gedeckt - und das ist offenbar nicht ganz schlecht gelaufen. Immerhin blieb den beiden nach Abzug aller Kosten genug, um damit die Ausstattung für den Nachfolger ihres ersten verlegerischen Gehversuchs zu finanzieren. Die alten Kunden sind bei "Absolut Karriere" auch wieder mit von der Partie. "Wir arbeiten zum Beispiel mit Allianz und Siemens zusammen, die auch schon beim Jugendmagazin 'Absolut' dabei waren", sagt Marco, "sie haben gemerkt: Das ist eine tolle Möglichkeit, sich jungen Abiturienten zu präsentieren."
-
2 Min
-
7 Min
-
6 Min
-
3 Min
Und selbst wenn die Leser sich doch nicht um das neue Karrieremagazin reißen sollten, hätte sich der Einsatz in jedem Fall gelohnt, meint Marco. Er und Max haben sich vorgenommen, in etwa zwei Jahren zu studieren: "Das Schöne bei 'Absolut Karriere' ist, das wir durch unsere Arbeit eine Reihe von interessanten Perspektiven kennen lernen und damit unseren Horizont erweitern."
Und Horizonterweiterungen haben schließlich noch keiner Karriere geschadet. "Absolut Karriere" bekommt man übrigens kostenlos an bundesweit rund 800 Gymnasien, über die Berufsinformationszentren und Berufsberatungen in München, Hamburg, Berlin, Leipzig, Dresden, Köln, Düsseldorf, Frankfurt und Stuttgart.
Von Birgit Fenzel, "Campus & Karriere" / Deutschlandfunk