K.I.Z. als Vertretungslehrer - DER SPIEGEL
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K.I.Z. als Aushilfslehrer: Vorsicht, explizite Texter

Foto: Torsten Roman

Vertretungsstunde mit K.I.Z. "Das ist 'ne Sauerei"

Zensiert, eingeschränkt, verboten: Die HipHop-Band K.I.Z mischt den Politikunterricht an einem Berliner Gymnasium auf. Das Jugendmagazin "Spiesser" hat die Rapper in den Lehrereinsatz geschickt - eine Stunde lang geht es um explizite Sprache und künstlerische Freiheit.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Dein Hund kann den Hitler-Gruß, was kannst du?" Wegen ihrer provokanten Texte fürchten Maxim, Nico und Tarek von K.I.Z manchmal Indizierung und Zensur. Gemeinsam mit dem Politik-Leistungskurs des Berliner Georg-Herwegh- Gymnasiums gehen sie dem Thema auf den Grund.

K.I.Z nuscheln: Morgen!

Maxim: Heute wollen wir mit euch diskutieren, warum und unter welchen Kriterien Kunst verboten wird. Ich hab gehört, ihr habt euch auf das Thema vorbereitet?

Leonie: Ja, wir haben uns mit Zensur im Allgemeinen, Stoppschildern im Internet und Presserecht beschäftigt.

Maxim: Kennt ihr denn die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien? Dort können öffentliche Einrichtungen unsittliche Musik melden und beispielsweise sagen: "Hier, ein K.I.Z-Album, das ist 'ne Sauerei!"

Nico: Die Behörde prüft dann, ob ein Album verboten werden sollte.

Maxim: Ein Gremium stimmt über die Indizierung ab. Steht die Musik dann auf der B-Liste, ist sie erst ab 18 Jahren erhältlich - für einen Hip-Hop-Künstler der finanzielle Tod! Wir haben euch ein paar Zeilen aus der Musikszene mitgebracht. Heute verkörpert ihr das Komitee und entscheidet: verboten oder nicht verboten?

Nico liest ein Zitat vor: "Du bist ein Stück Scheiße, mit zwei Augen und einem Tanga."

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Christian: Wird gesagt, um wen es da geht?

Maxim: Nee, die Rede ist einfach nur von "der Ex". Wer meint, dass das Zitat nicht verboten werden sollte?

Die Mehrheit meldet sich.

Nico: Klares Ergebnis: Es gehört nicht verboten.

Zeit für Gruppenarbeit. Tarek und Nico arbeiten mit der Klassenhälfte auf der rechten Seite aus, warum Musik zensiert werden darf. Die anderen bilden die Verteidigungsseite.

Tarek kommt in seiner Gruppe gleich zur Sache: Wann sollte Musik verboten werden?

Ziya: Sobald sie zu persönlich wird. Zum Beispiel, wenn der Künstler in seinem Lied konkret Bundeskanzlerin Angela Merkel beleidigt.

Maxim versucht auf der gegenüberliegenden Seite des Klassenzimmers eine andere Herangehensweise.

Maxim: Nehmen wir an, ihr hört unsere Musik. Wie würdet ihr argumentieren, wenn jemand sagt, dass wir versaute Scheiße singen?

Jan: Dass eure Texte ironisch gemeint sind.

Innerhalb der Gruppen lernen die Schüler, wie für und gegen die Zensur von Liedern argumentiert wird. Abschließend werten die Vertretungslehrer das Ergebnis vor der Klasse aus.

Maxim: Texte werden zum Beispiel verboten, weil sie einen rechtsextremen Inhalt haben. Meint ihr, Musik kann jemanden dazu bewegen, Nazi oder gewalttätig zu werden?

Luisa: Wer vorher überhaupt nicht gewalttätig war, wird es nicht plötzlich durch ein Lied.

Christian: Außerdem spielen der Freundeskreis und das soziale Umfeld eine wichtige Rolle.

Mitch: Genauso wie Musik negativ beeinflussen kann, kann sie das aber auch im positiven Sinne.

Felicitas: Liedtexte sollten immer hinterfragt werden: Sind sie ironisch gemeint oder nicht?

Robin: Die Politiker sagen nach jeder Gewalttat, der Rap sei Schuld, es wären die Computer, es wären die Filme. Sie glauben, indem sie das verbieten, entstünde eine heile Welt.

Maxim: Tragen Künstler eine Verantwortung?

Leonie: Künstler haben zwar Meinungs- und Kunstfreiheit, aber sie sollten Gewalt nicht verherrlichen.

Von Milena Zwerenz für das Jugendmagazin "Spiesser "