Klüger werden mit Barbara Morgan
SPIEGEL:
Sie fliegen demnächst ins All, um aus einer Raumfähre zu unterrichten. Wie muss man sich das vorstellen?
Morgan: Ich bin ausgebildete Astronautin. Während des Flugs habe ich Aufgaben wie die anderen auch, zum Beispiel werde ich die Weltraumspaziergänge von der Fähre aus koordinieren. Aber wie jeder meiner Kollegen habe ich auch einen speziellen Job: Ich bin Lehrerin und werde versuchen, alles, was passiert, mit den Augen einer Lehrerin zu sehen und in die Sprache meiner Schüler zu übersetzen.
SPIEGEL:Wie sieht der Unterricht aus dem All denn aus?
Morgan: Die Schüler verfolgen den Flug übers Internet. Zum Teil wird es auch Satelliten-Übertragungen direkt ins Klassenzimmer geben. Die Unterrichtsinhalte richten sich nach dem, was gerade passiert: Zuerst geht es um den Start, später darum, wie man Ersatzteile von der Fähre in die Raumstation transportiert. Ich erkläre, was passiert, und die Schüler stellen Fragen. Der genaue Termin für die Mission steht noch nicht fest, aber innerhalb der nächsten sechs Monate wird es losgehen. Und ich werde mir kaum Sorgen machen müssen, dass die Kinder unaufmerksam sind oder schwatzen.
SPIEGEL: Sie sind seit der "Challenger"-Katastrophe die erste Lehrerin, die ins All fliegt, Ihre Kollegin Christa McAuliffe kam damals ums Leben. Haben Sie Angst?
Morgan: Nein. Ich bin froh, dass das Programm fortgesetzt wird, Schüler und Lehrer warten seit Jahren darauf. Nicht zu fliegen sendet eine negative Botschaft. Was Christa begonnen hat, war damals sehr wichtig - und ist es noch immer.